Sonntag, 23. April 2017

Daimler kommt Tesla mit Elektro-Lkw zuvor Elektro-Truck für die Stadt - Daimlers großes, leises Ding

Flüsterleiser Verteiler-Lkw: Dieser Elektro-Truck soll den Stadtverkehr revolutionieren
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Daimler

Sonnig ist es, schwül, erstaunlich wohlriechend und ruhig an diesem sonst eher lauten, abgasschwangeren Ort. Auf der "Einfahrbahn" im Daimler-Werk Untertürkheim testen die Stuttgarter üblicherweise ihre neuesten Modelle - mit kreischenden Motoren, die mit hohen Drehzahlen über den Rundkurs und etwas gemächlicher über die Rüttelschikanen und ins Wasserbecken gejagt werden. Doch an diesem Mittwoch Ende Juli fehlen der übliche Sound und der Verbrenner-Geruch. Ein weißes, kreisrundes Stoffdach spannt sich auf dem Platz vor der 90-Grad-Steilkurve, Daimlers Eventabteilung hat weiße Stehtische vor grau-weißen Glaskuben drapiert.

Die zur Schau gestellte Sauberkeit ist ebensowenig Zufall wie die Aufnahmen der über der Erde aufgehenden Sonne aus dem Weltraum. Denn hier soll es um Nachhaltigkeit, um eine bessere Welt gehen. Deshalb spart Daimler-Nutzfahrzeugchef Wolfgang Bernhard nicht an den ganz großen Worten: Er spricht von technischen Grenzen, die verschoben werden, von einer neuen Ära, die Daimler nun einläutet. Vom Diesel-Zeitalter bei schwereren Lkw, das 120 Jahre lang Bestand hatte und jetzt um den Batterieantrieb ergänzt wird. Und von einem neuen Kapitel in der Logistik überhaupt.

Denn Bernhard präsentiert vor Journalisten aus 20 Ländern ein ziemlich großes und ziemlich leises Ding: Den ersten 26-Tonnen-Lkw, der rein elektrisch fährt.

Lange Zeit, so gibt Bernhard zu, war er selbst bei Elektro-Antrieben für Groß-Lkw höchst skeptisch. Die Batterien: zu teuer und zu schwer. Die Reichweite: Zu gering für Tagesfahrten. Für Kunden, so argumentierten viele Branchenexperten, sei ein E-Truck schlicht nicht wirtschaftlich genug.

Doch nun, meint der Manager, habe sich die Lage geändert: Die Batterietechnik mache große Fortschritte, die Zellen werden billiger - und Diesel-Lkw drohen in vielen Städten Fahrbeschränkungen oder gar Einfahrtverbote.

10 Meter lang, 3,4 Meter hoch - aber noch zu hohe Kosten

Die höheren Energiedichten der Akkus bei gleichzeitig sinkenden Preisen sollen auch bald den Elektro-Lkw wirtschaftlich machen. Bis dahin ist es allerdings noch ein Stück. "Bei der Wirtschaftlichkeit sind wir noch nicht dort, wo wir sein wollen", gibt er auf Nachfrage zu. Deshalb ist der "urban eTruck", wie Daimler seinen Elektro-Lkw nennt, auch noch kein Serien-Lkw - sondern ein Konzeptfahrzeug, das die Daimler-Ingenieure in nur zehn Monaten auf drei Achsen gestellt haben. Eine Serienfertigung hält Bernhard ab Anfang des kommenden Jahrzehnts für machbar.

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Nach knapp 20 Minuten Reden rollt der Stolz der Daimler-Trucker flott und mit kaum wahrnehmbarem Sirren an den hunderten anwesenden Journalisten vorbei. Gut zehn Meter lang, 3,40 Meter hoch und 2,50 Meter breit ist der Elektro-Riese aus Stuttgart, den die Entwickler in eine schwarz-weiße Camouflage-Verkleidung gesteckt haben. Denn das Design der Außenhülle wie auch den Innenraum will Daimler erst auf der Nutzfahrzeug IAA im September enthüllen.

Für ihren Konzept-Truck haben sich die Ingenieure ausgiebig im konzerneigenen Bauteile-Sortiment bedient. Das Chassis stammt von einem Daimler-Lkw, die Achsen aus der Bussparte, und die Lithium-Ionen-Batterien werden in kleineren Dimensionen in Mercedes-Pkws eingesetzt. 200 Kilometer weit bei voller Beladung soll der Elektro-Truck kommen, verspricht Lkw-Entwicklungschef Sven Ennert.

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