Montag, 16. Juli 2018

Robotertaxi-Crash Ubers Konsequenz nach tödlichem Unfall - 100 Fahrer entlassen

Das Unfallfahrzeug von Uber wird von Experten untersucht.

Uber hat etwa 100 Fahrer seiner autonomen Flotte im US-amerikanischen Pittsburgh entlassen. Sie sollen durch besser geschulte Spezialisten ersetzt werden, berichtet Quartz.

Der Schritt des mit 62 Milliarden US-Dollar bewerteten Unternehmens kommt einige Monate nach einem tödlichen Unfall, bei dem ein autonom fahrendes Uber-Auto eine Fußgängerin erfasst hatte. Die Polizisten waren zu dem Schluss gekommen, der Unfall hätte verhindert werden können, wenn die Fahrerin nicht Videos auf ihrem Handy angesehen hätte. Seitdem hat Uber seine Tests US-weit angehalten.

Doch das Mobilitäts-Start-up steht unter hohem Druck: Andere Marktteilnehmer preschen vor. Selbst die deutschen Nachzügler Daimler und Bosch haben nun verkündet, bereits im kommenden Jahr ihre Tests mit Robotertaxen auf kalifornischen Straßen zu starten. Ursprünglich hatten sie mit dem Beginn 2023 gerechnet.

Um nicht weiter zurückzufallen, muss Uber seine Tests bald wieder aufnehmen. Ein weiteres Desaster aber darf sich das Unternehmen nicht leisten: Es könnte schließlich seine Lizenzen für die autonomen Fahrversuche verlieren, die von den einzelnen Bundesstaaten vergeben werden.

Die Testfahrten sollen jetzt mit dem intensiver ausgebildeten Personal sicherer werden. Ob der Schritt reicht, um das Vertrauen wiederherzustellen, ist fraglich. Die positive Kommunikation von Uber steht im Gegensatz zum öffentlichen Entsetzen über den Unfall. So heißt es vom Unternehmen in einem aktuellen Statement nur: "Unser Team setzt sich weiterhin für den Aufbau einer sicheren Selbstfahrenden-Technologie ein. Wir freuen uns darauf, in den kommenden Monaten wieder auf öffentliche Straßen zurückzukehren", zitiert Quartz aus einer Mail.

Von den neuen Spezialisten sollen nur noch 55 angestellt werden. Uber reduziert also das Ausmaß seiner Tests erst einmal.

Vor dem tödlichen Unfall setzte Uber seine Spezialisten laut Financial Times nur auf besonderen, abgesperrten Teststrecken ein, auf denen schwierige Situationen erprobt wurden. Die anderen Fahrer wurden auf die öffentlichen Straßen geschickt.

Das Unternehmen hatte im November 2017 beschlossen, in viele Wagen nur noch einen Fahrer zu setzen, während zuvor stets zwei Personen in einem autonom fahrenden Auto mitfahren mussten. Laut einer Untersuchung der FT haben die Firmen, die ihre autonomen Fahrzeuge testen, ganz unterschiedliche Standards bei der Ausbildung ihrer Sicherheitsfahrer an Bord. General Motors und das Start-up Aurora haben beispielsweise ihr Personal noch weniger ausgebildet als Uber, dessen Schulungen für Fahrer vor dem Unfall drei Wochen lang dauerten.

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH