Donnerstag, 25. Mai 2017

Kohlekraft-Mobil oder Umwelt-Hoffnung? So sauber sind Elektroautos wirklich

Elektroauto-Parkplatz: Auch beim aktuellen deutschen Strommix fällt die Energiebilanz der Stromer bereits positiv aus

Zu teuer, zu wenig Lademöglichkeiten, zu kleine Reichweiten: An Argumenten gegen aktuell verkaufte Elektroautomodelle herrscht kein Mangel. Kritiker monieren auch gerne, dass die Elektroautos doch gar nicht so sauber seien. Ihr Argument: Der zum Laden notwendige Strom stammt in Deutschland zu einem erklecklichen Teil noch aus Kohlekraftwerken, die eine Menge CO2 in die Luft blasen.

Doch in Summe fällt die Energiebilanz der Elektroautos deutlich positiv aus, wie Berechnungen des Freiburger Öko-Instituts für manager-magazin.de zeigen. Ende 2016 waren in Deutschland knapp 28.000 Plugin-Hybride und mehr als 34.300 reine Elektroautos zugelassen, wie aus den Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes hervorgeht.

Und diese verursachen im Vergleich zu herkömmlichen Benzin- und Dieselfahrzeugen rund 76.000 Tonnen weniger CO2 im Jahr als Fahrzeuge mit konventionellen Verbrennermotoren, zeigen die Berechnungen des Öko-Instituts - unter Berücksichtigung des aktuellen deutschen Strommixes.

Für ihre Berechnungen haben die Wissenschaftler eine Jahresfahrleistung von 15.000 Kilometer je Fahrzeug angenommen. Bei Plugin-Hybriden haben sie unterstellt, dass diese 50 Prozent der gefahrenen Kilometer rein elektrisch zurücklegen. Dadurch kommen sie in der Berechnung auf 130 Gramm CO2 je Kilometer. Reine Elektrofahrzeuge taxierten die Experten auf 85 Gramm CO2 je Kilometer. Bei Benzinern nahmen die Wissenschaftler einen CO2-Ausstoß im Alltagsbetrieb von 201 Gramm je Kilometer an, bei Dieselfahrzeugen sind es 174 Gramm CO2 je Kilometer.

Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, in den kommenden Jahren eine Million Elektroautos und Plugin-Hybride auf den Straßen zu haben. Um den Verkauf der Fahrzeuge anzukurbeln, werden Elektroautos aktuell mit bis zu 4000 Euro je Fahrzeug gefördert.

Bis zu 800.000 Tonnen weniger CO2 in wenigen Jahren möglich

Noch ist die Elektroauto-Prämie kein durchschlagender Erfolg. Doch das könnte sich bald ändern, denn in nächster Zeit kommen neue Modelle mit deutlich größerer Reichweite und etwas geringeren Preisen auf den Markt. So startet Opel noch im Frühjahr mit dem Verkauf des Ampera-e, der rund 380 Kilometer Alltags-Reichweite mit einer Akkuladung schaffen soll.

Tesla will ab 2018 mit seinem Model 3, das unter 40.000 Euro kosten dürfte, Elektroautos massenmarkttauglich machen. Audi, Daimler, BMW und Volkswagen basteln bereits an Elektroautos mit 500 Kilometern Alltagsreichweite, die zum Ende des Jahrzehnts auf den Markt kommen sollen.

Wenn das Ziel der Bundesregierung erreicht ist, werden Elektroautos im Vergleich zu der gleichen Menge an Verbrennern jährlich rund 800.000 Tonnen CO2 einsparen, meinen die Wissenschaftler. Dabei nehmen sie nicht nur einen höheren Anteil an erneuerbaren Energien bei der Stromerzeugung an, der die CO2-Emissionen von Plugin-Hybriden auf 110 Gramm CO2 je Kilometer sinken lässt. Auch Elektroautos verbessern sich so auf 72 Gramm CO2 je Kilometer.

Sie unterstellen auch, dass Benzin- und Dieselmotoren deutlich effizienter werden und im Schnitt nur mehr 143 Gramm CO2 je Kilometer in die Luft blasen.

Allerdings: Aktuell liegt der gesamte CO2-Ausstoß des Pkw-Verkehrs bei etwa 120 Millionen Tonnen. Selbst bei einer Million Elektroautos fällt die CO2-Ersparnis also im Vergleich zu heute relativ gering aus. Doch ein Beginn ist es, immerhin.

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