Sonntag, 23. September 2018

Widerspruch zum Selfmade-Image Das Staatshilfe-Imperium des Elon Musk

Patriotischer Auftritt: Elon Musk verkündet Raketenpläne seiner Firma SpaceX 2011
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Patriotischer Auftritt: Elon Musk verkündet Raketenpläne seiner Firma SpaceX 2011

Elon Musk hat viele Fans. Rund 100 von ihnen planen für Mitte Juni sogar eine Demo in Berlin. Der Autokorso aus Limousinen des Tesla-Modells S soll Bundeskanzlerin Angela Merkel vor ihrer Rede auf einem Kongress zur Elektromobilität darauf hinweisen, "dass 100 Prozent elektrische Mobilität auch auf der Langstrecke ohne Subventionen heute schon möglich ist".

Diese Botschaft liegt auch Tesla-Chef Musk am Herzen. So sehr, dass der Visionär und Tausendsassa sich seit dem Wochenende mehrfach öffentlich meldete, um zu beteuern, dass Staatshilfe in seinem unternehmerischen Kalkül keine große Rolle spiele. "Hätte ich es auf Subventionen abgesehen, wäre ich in die Öl- und Gasindustrie gegangen", sagte er der "Los Angeles Times". Dort sei "1000-mal" so viel zu holen wie im Geschäft mit Erneuerbaren Energien, bezog er sich auf eine IWF-Statistik über sämtliche Energiesubventionen weltweit.

Die Zeitung aus seiner Heimatstadt hatte es zuvor gewagt, die Beihilfen zusammenzählen, die Musks Firmen Tesla Börsen-Chart zeigen, SpaceX und Solarcity bisher zugutekamen. Die "LA Times" kam so auf eine Summe von 4,9 Milliarden Dollar:

  • allein 1,3 Milliarden Beihilfe des Bundesstaats Nevada für den Bau der Giga-Batteriefabrik, gewährt nach einem bizarren Subventions-Wettbewerb, in dem Musk verschiedene Standorte gegeneinander antreten ließ
  • ebenfalls eine Milliardensumme an Baukosten und Steuerrabatt vom Staat New York für die nächste Gigafabrik, mit der Solarcity bisher aus Asien bezogene Solarzellen im großen Stil selbst fertigen will - und dem Staat einen Dollar pro Jahr Miete zahlen
  • vergleichsweise bescheidene 20 Millionen Dollar aus Texas für den Bau eines Raketenstartplatzes von SpaceX
  • Staatliche Starthilfekredite von jeweils einer halben Milliarde Dollar für Solarcity und Tesla (letzterer längst getilgt)
  • geschätzte 1,5 Milliarden Dollar, die Solarcity über die staatlichen Beihilfen und Steuerrabatte für die Käufer von Solarmodulen zugutekommen
  • ähnliche Absatzhilfen von mehr als 300 Millionen Dollar für Elektroautos, vor allem in den USA, aber auch in Ländern wie Norwegen (nicht in Deutschland, wo Tesla sich bislang schwertut)
  • auch für das neueste Geschäftsfeld der Batterien als Stromspeicher für Hausbesitzer oder Firmen bereits gewährte 126 Millionen Dollar Beihilfe von Kalifornien

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