Samstag, 22. September 2018

Elon Musk stützt umstrittene Strafzölle Tesla-Chef kumpelt wieder mit Trump und bittet um Hilfe

Tesla-Chef Elon Musk und Donald Trump im Februar vergangenen Jahres. Musk hatte sich zwischenzeitlich in Enttäuschung über Trumps Klimapolitik von dem US-Präsidenten losgesagt. Jetzt sucht er wieder seine Nähe und bittet ihn um Hilfe, um in China die erhoffte Elektroautofabrik zu seinen Vorstellungen aufbauen zu können

Schon länger versucht Tesla-Chef Elon Musk, von dem staatlich forcierten Elektroauto-Boom in China zu profitieren. Eine eigene Fabrik wollte Musk dafür im Reich der Mitte hochziehen, zeigte sich Mitte vergangenen Jahres optimistisch, dass er die Vereinbarung dazu mit der Stadtverwaltung von Shanghai bald unterzeichnen könne. Doch die Sache zog und zog sich immer mehr in die Länge.

Mitte Februar wurde dann klar woran Teslas Plan, Volkswagen und Co in China das Wasser abzugraben, womöglich noch scheitern könnte: Musk wollte sich, wie bei solchen Projekten üblich, nicht in ein Joint Venture mit einem chinesischen Partner begeben, sondern die Fabrik komplett allein besitzen und damit auch die Kontrolle über die Verkaufserlöse.

Dass Peking ganz offensichtlich keine Ausnahme macht, scheint den erfolgsverwöhnten zuletzt beim Model 3 aber mit Produktionsproblemen kämpfenden Musk ziemlich zu frustrieren - und sucht nun die Nähe des US-Präsidenten, der China unfaire Handelspraktiken vorwirft und Handelspartner weltweit jetzt mit Strafzöllen auf Stahl und Aluminium belegt.

In einer Antwort auf einen Trump-Tweet fragt der Elektroautopionier den US-Präsidenten: "Glauben Sie, dass die USA und China gleiche und faire Regeln für Autos haben sollten?" - eine zweifelsohne rhetorische Frage, weil die Antwort klar ist. Musk stellt sie trotzdem - öffentlichkeitswirksam und wohlwissend, dass er sich damit dem US-Präsidenten und den umstrittenen Strafzöllen bedenklich annähert.

Dieser Annäherungsversuch verwundert insofern, als der Tesla-Chef noch im Sommer vergangenen Jahres unter Protest das Beratergremium des US-Präsidenten wegen seiner umstritten Klimapolitik verlassen hatte.

Doch der Frust des Tesla-Chefs über seine darniederliegenden E-Auto-Fabrikpläne in China sitzt offenbar tief. So tief, dass er dem von ihm kritisierten Klimakiller Trump bei Bedarf dann doch sinnbildlich die Hand reicht: US-Autobauer dürften noch nicht einmal 50 Prozent an ihrem eigenen Werk in China halten, umgekehrt gäbe es aber fünf Elektroautobauer in den Vereinigten Staaten, die zu 100 Prozent in chinesischem Eigentum seien, beklagte sich Musk.

Der Manager beklagt sich weiter darüber, dass ein US-amerikanisches Auto in China mit 25 Prozent Zoll belastet werde, umgekehrt aber ein Import-Auto aus China in den USA lediglich mit einem Zehntel, also 2,5 Prozent Zoll. Um dann nachzuschieben: "Ich bin generell gegen Importzölle. Doch die gegenwärtigen Regeln machen die Sache schwierig." Dies sei, als ob man beim Wettlauf bei Olympischen Spielen Bleischuhe an den Füßen trage.

Er habe das Thema schon an Trumps Vorgänger-Regierung adressiert - allerdings ohne Erfolg, versucht Musk seine Enttäuschung erst gar nicht zu kaschieren. Er wolle lediglich ein faires Ergebnis. Diese Forderung könne aus seiner Sicht ja eigentlich nicht unangemessen erscheinen, schreibt Musk weiter.

US-Präsident Donald Trump griff das Statement des Elektroautobauers aus Kalifornien postwendend auf, kritisierte die aus seiner Sicht unfairen Handelspraktiken der Chinesen und versicherte in der Nacht zu Freitag: "Das muss sich ändern."

Was das im Detail für die EU bedeuten kann, ist noch unklar. Bislang hat die US-Regierung lediglich Importzölle auf Aluminium und Stahl verhängt. Trump drohte zuletzt aber, auch importierte Autos aus Europa mit Strafzöllen zu belegen, um aus seiner Sicht für faire Verhältnisse zu sorgen.

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