Sonntag, 20. Januar 2019

Elektromobilität in China soll kräftig wachsen Warum die Chinesen zu Elektroauto-Fans werden

2. Teil: Deutsche Hersteller fürchten, abgehängt zu werden

Richtig hohe Absatzzahlen können chinesische Hersteller melden - BMWs i3 oder VWs E-Golf fristen in China selbst im E-Auto-Segment ein Nischendasein. Der Grund ist simpel: Viele staatliche Förderungen werden nur gewährt, wenn die Autos in China entwickelt und gebaut werden.

Importfahrzeuge der großen westlichen Automarken können deshalb preislich mit der chinesischen Konkurrenz nicht mithalten. Deutsche Hersteller fürchten, dass sie von der Konkurrenz aus China abgehängt werden. "Aus meiner Sicht ist das eine Gefahr für Europa", sagt VW-Markenchef Herbert Diess. Ohne einen starken Heimatmarkt könnten sich die Hersteller in Deutschland und Europa im Wettbewerb bei den Kosten und der Technologie nicht durchsetzen.

Tatsächlich haben chinesische Hersteller im vergangenen Jahr den Markt für rein batteriegetriebene Fahrzeuge klar dominiert, zeigt die Studie des CAR-Instituts der Universität Duisburg-Essen. An erster Stelle lag der Hersteller Zotye mit rund 25.000 verkauften E-Autos, dahinter folgen die hierzulande ebenso unbekannten Marken Kandi (20.000 E-Fahrzeuge), BAIC (18.000), BYD (11.000) und JAC (9.000).

Die Stromer-Bestseller in China sind Kleinstfahrzeuge wie etwa der Kandi Panda. Mehrere der bestverkauften Modelle sind maximal 80 km/h schnell - und würden von westlichen Herstellern so wohl nie angeboten. Dafür sind sie konkurrenzlos günstig im Vergleich zu den E-Auto-Modellen westlicher Hersteller, die in China mindestens 30.000 Euro und mehr kosten.

Hersteller wie Daimler, Nissan oder BMW versuchen deshalb, im boomenden Elektroauto-Markt mit einer neuen Strategie mitzumischen. Sie haben gemeinsam mit chinesischen Partnern eigene Elektroautomarken aus der Taufe gehoben. Die Batterietechnik stammt bei diesen Fahrzeugen oft von den Chinesen, Chassis und Inneneinrichtung von den Autoriesen.

22 Prozent Absatzwachstum - pro Jahr

Daimler etwa bietet unter der Marke Denza eine stark abgewandelte, elektrisch angetriebene B-Klasse mit Akku und Antriebsstrang BYD an. BMW hat seinen Kompakt-SUV X1 unter dem Markennamen Zinoro elektrifiziert, Nissan baut sein E-Auto Leaf in China mit dem Partner Dongfeng - und verkauft das Auto als Venucia e30.

Volkswagen hat angekündigt, in den kommenden Jahren in China 15 neue Elektroautos und Plugin-Hybride auf den Markt zu bringen - auch das ist ein Zeichen dafür, dass die großen westlichen Automarken mit einem starken Anstieg der E-Autoverkäufe in China rechnen.

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Ob der Boom wirklich länger anhält, ist aber noch nicht ausgemacht. Denn unter chinesischen Elektroauto-Interessenten ist die Skepsis ist vor allem wegen mangelnder Lademöglichkeiten groß. Zwar hat die Regierung, angekündigt, in Städten und auf Autobahnen Zehntausende neue Ladestationen errichten zu wollen. Sie übernimmt sogar die Kosten für eine private Ladestation direkt vor der Haustür. Doch lokale Hausverwaltungen können den Bau der Ladesäulen untersagen, noch ist das Elektrozapfsäulen-Netz ziemlich löchrig.

Trotz all dieser Probleme dürfte der Absatz von Elektroautos aber weiter anziehen - aus einem einfachen Grund: "Die Beschränkung der Nummernschilder ist der wichtigste Grund, warum sich der Elektro-Markt so rasant entwickelt", sagt Cui Dongshu von der Vereinigung der chinesischen Personenwagenhersteller. Bis 2020 will die Regierung fünf Millionen E-Fahrzeuge auf den Straßen haben.

Die Berater von PwC Autofacts rechnen in einer neuen Studie damit, dass der Absatz von Elektroautos und Plugin-Hybriden bis 2022 in China jährlich um 22 Prozent zulegen könnte.

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mit Material von dpa

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