Mittwoch, 24. Mai 2017

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10-Milliarden-Auftrag für Elektromobile US-Metropolen erteilen Trump einen Giga-Denkzettel

Ladestation in San Francisco: An solchen Kabeln könnten bald Teile der Flotten von 30 US-Städten hängen
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Ladestation in San Francisco: An solchen Kabeln könnten bald Teile der Flotten von 30 US-Städten hängen

Klimawandel, Gesundheitsschäden durch Feinstaub oder Stickoxide: Für US-Präsident Donald Trump sind das alles Fabrikationen politischer Gegner. Zum Chef des US-Umweltamtes hat er einen Klimawandelskeptiker gemacht. Der US-Autoindustrie will er das Leben erleichtern, indem er von Obama noch schnell beschlossene Umweltvorschriften zurückdreht. Das könnte den Autokonzernen rund 33 Milliarden Dollar sparen. Geht es nach Trump, dürfen US-Neuwagen zwischen 2022 und 2025 deutlich mehr CO2 und Stickoxide ausstoßen als bislang geplant.

Dutzende US-Städte setzen nun ein ziemlich deutliches Zeichen gegen die Pläne ihres eigenen Präsidenten. Sie sprechen sich nicht einfach nur für mehr Klimaschutz aus. Sie wollen den ohnedies Elektroantriebs-skeptischen Autoherstellern zeigen, dass es eine sichere und nennenswerte Nachfrage nach batteriegetriebenen Fahrzeugen gibt.

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Dreißig Städte, darunter auch New York City und Chicago, haben gemeinsam die US-Autohersteller um eine Einschätzung für einen Riesen-Auftrag gebeten, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Die Metropolen wollen in den kommenden Jahren insgesamt 114.000 Elektrofahrzeuge für den städtischen Einsatz anschaffen. Dazu zählen Polizeifahrzeuge ebenso wie Straßenkehrmaschinen oder Müllwagen. Laut Bloomberg dürfte der Beschaffungsplan einen Wert von gut 10 Milliarden Dollar haben.

Koordiniert wird die Aktion vom Bürgermeister der Metropole Los Angeles, Eric Garcetti, der die Beschaffungsidee verkündete. Die Zahl der Bestellungen entspricht rund drei Vierteln des gesamten Elektroauto-Absatzes in den USA im vergangenen Jahr.

Stadtplaner sprechen sich schon lange für mehr emissionsfreie Nutzfahrzeuge in Ballungsräumen aus. Autohersteller argumentieren aber oft, dass es dafür schlicht nicht genügend Nachfrage gebe. Das soll die gemeinsame Aktion der 30 US-Städte nun wohl teilweise ändern.

Fahrzeughersteller wollen Sicherheit - bei der Auftragsgröße

Noch ist die Initiative aber erst in einer frühen Phase, keines der avisierten 114.000 Fahrzeuge ist bestellt. Die Städte machen mit ihrer Anfrage erst mal den ersten Schritt in einem für Kommunen üblichen Ausschreibungsprozess: Sie laden Hersteller ein zu skizzieren, wie und in welcher Form sie die Städte beliefern können. Zudem fragen manche Städte nach Fahrzeugen, die es noch nicht mal als Prototypen gibt - also etwa nach elektrisch angetriebenen Feuerwehrwagen oder Schwerlastwagen.

Doch laut Bloomberg könnte die Initiative dennoch etwas bei den Autoherstellern bewegen. Die Lieferungen müssten wohl über mehrere Jahre verteilt erfolgen. Doch ein gemeinsamer Auftrag der Städte für Elektrofahrzeuge wäre das, was man wohl eine sehr verlässliche Nachfrage nennt. Ein solcher Auftrag wäre auch vergleichsweise immun gegen politische Richtungsänderungen oder billige Benzinpreise, argumentiert Bloomberg. Denn was die Autohersteller bei Investitionen in Elektrofahrzeuge wirklich wollen, ist Sicherheit - egal ob bei Pkw oder Nutzfahrzeugen.

Und aus Los Angeles gab es klare Ansagen dazu: "Egal was Präsident Trump tut oder was in Washington passiert: Die Städte werden weiterhin führend sein beim Umgang mit dem Klimawandel", erklärte der Umweltbeauftragte der Metropole gegenüber Bloomberg. Los Angeles begann bereits Ende 2015 im Verbund mit drei anderen Städten mit den Elektroauto-Anfragen. Ursprünglich lautete die Anfrage auf 24.000 Elektroautos, seither haben sich 26 andere Städte angeschlossen.

Bisher hat der Städteverbund Antworten von fast 40 Autoherstellern, Lkw- und Busproduzenten und anderen erhalten. "Wir wollen wirklich ein Zeichen setzen, dass es einen wachsenden Markt für Elektrofahrzeuge gibt", erklärte ein hochrangiger New Yorker Beamter die Initiative - "unabhängig davon, was in der Hauptstadt passiert.

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