Montag, 25. Juli 2016

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Elektromobilität mit Startschwierigkeiten Die unterschätzte Gefahr für die deutschen Autokonzerne

Audi A3 e-tron: Ein Geschenk, keine Bürde

Elektroautos haben auf deutschen Straßen weiter Seltenheitswert. Die heimischen Autokonzerne müssen das Thema stärker an sich reißen. Sonst verlieren sie international den Anschluss.

Was ist eigentlich mit dem E-Auto in Deutschland los? Auch im Jahr fünf der Nationalen Plattform Elektromobilität dümpeln die Zulassungszahlen auf homöopathischem Niveau. Nur rund 24.000 sogenannte "Plug-in-Autos" fahren aktuell auf deutschen Straßen. Schon 2020 sollen es eine Million sein; so haben es sich Politik und Autohersteller vorgenommen. Der Weg ist noch sehr, sehr weit.

Zwar bieten die Automobilkonzerne erste E-Autos aus deutscher Produktion an. Doch die neuen Modelle scheinen kaum einen deutschen Autofahrer zu interessieren. Und wer doch einen Elektro-Golf, einen e-Smart oder einen BMW i3 bestellen will, der muss mitunter trotz der niedrigen Verkaufszahlen länger als ein halbes Jahr warten. Hunderte Millionen Euro Fördergelder, investiert in sogenannte Schaufenster, bleiben ohne messbaren Erfolg. Der Kampf um die beste Batterietechnologie ist vorerst gewonnen - von den asiatischen Herstellern. Die deutsche Forschung und Industrie konzentriert sich auf die nächste Batteriegeneration, wann immer die auch kommen mag.

Sind Sie schon mal i3 gefahren? Haben Sie am Steuer eines Audi A3 e-tron oder eines Golf GTE gesessen? Diese Autos sind ein Geschenk und keine Bürde. Es ist ein echtes Privileg, eines dieser Hightech-Modelle fahren zu dürfen. Sie bieten höchste Ingenieurskunst, und vermitteln im Vergleich mit konventionellen Autos echten Luxus des Neuen und Besseren. Schnell bekommt man als Fahrer den Eindruck: Das ist die Zukunft! Das Gefühl, geräuschlos und ohne Abgase durch das heimische Wohnviertel zu gleiten, ist unbezahlbar.

Die Technik ist da - man muss sie sich nur leisten wollen

Plug-in-Automobile bieten ihren Fahrern ein ökologisches Premium-Erlebnis. Ein 400 PS starker Porsche Panamera Plug-in verbraucht bei sparsamer Fahrweise nur rund sechs Liter Benzin pro 100 Kilometer, ein Opel Ampera weniger als zwei, ein BMW i3 gar kein Benzin. Die Technik ist da. Man muss sie sich nur leisten wollen. Neben einem guten Budget braucht es auch einen heimischen Stellplatz nebst Ladestation.

Und da beginnt das wirkliche Problem der Elektromobilität in Deutschland. Es gelingt den Autoherstellern nicht, das Premiumpotenzial der Elektroautos in Verkaufszahlen zu wandeln. Marktstudien zeigen deutlich, dass gerade im Autoland Deutschland jenseits von kleinlichen, rein ökonomischen Vergleichen zwischen der Neuen neuen und der alten Technik um die 150.000 Plug-in-Autos pro Jahr gekauft werden könnten. In Wirklichkeit findet sich derzeit nur eine sehr kleine Gruppe von Super-Enthusiasten, die bereit ist, das Wagnis der Elektromobilität zu gehen.

Wie könnte es auch im Technik- und Autoland Deutschland gelingen, das vorhandene Potential für Elektromobilität zu erschließen?

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