Montag, 28. Mai 2018

Der wahre Fehler der deutschen Autoindustrie Darum ist Ex-VW-Chef Winterkorn das falsche Ziel

Im Visier der Medien: Martin Winterkorn

Wenn man in diesen Tagen diverse Boulevardmedien verfolgte, konnte man den Eindruck gewinnen, der ehemalige Vorstandschef des VW-Konzerns, Martin Winterkorn, sei der größte Verbrecher der Gegenwart. In den USA wird er mit Haftbefehl gesucht, das FBI ist auf ihn angesetzt und sein Nachfolger habe mit den US-Justizbehörden einen Deal ausgehandelt, der ihm Straffreiheit zusichert. Selbst einzelne Vertreter der deutschen Politik verfallen mindestens in Genugtuung, manche auch in Jubel, weil ein deutscher Staatsbürger von der US-Justiz gestellt werden soll.

Markus Schön
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    Markus Schön ist Geschäftsführer der DVAM Vermögensverwaltung GmbH. Das Unternehmen beschäftigt sich mit der individuellen Vermögensverwaltung und dem strategischen Finanzmanagement auf überwiegend langfristiger, makroökonomischer Basis. Aktuell hat Markus Schön ein Buch über die Wirtschaftspolitik Donalds Trumps "Twittern zur Planwirtschaft" geschrieben.

Es geht - natürlich - um die Dieselabgas-Affäre, die schon zu Verhaftungen und Strafzahlungen in Milliardenhöhe geführt hat. Diese Zahlungen sind aber nicht zur Verbesserung der Umwelt verwendet worden, sondern insbesondere in den USA, einer der ökologisch dreckigsten Volkswirtschaften der Welt, eher als Schwächung des überlegenen deutschen, vielleicht auch europäischen Automobilsektors gewertet worden. Zudem zeigen die wieder steigenden CO2-Werte durch die Zunahme des Absatzes von Benzinmotoren, wie wichtig in der derzeitigen volkswirtschaftlichen Struktur die Dieseltechnologie immer noch ist.

Elektroautos sind rollende Atomkraftwerke

Leider fallen zu viele Menschen, vor allem Politiker, auf die vermeintliche Lösung des Problems herein: die Elektromobilität. Die konnte sich schon vor mehr als 100 Jahren nicht gegen die Verbrennungsmotoren durchsetzen und an ihren grundlegenden Nachteilen hat sich nichts geändert - auch nicht dadurch, dass ein Elektromobilitätsanbieter besonders laut die Marketingtrommel rührt. Auch Tesla-Gründer Elon Musk kann fundamentale wirtschaftliche Grundsätze nicht außer Kraft setzen.

Ein Unternehmen ist nur dann überlebensfähig, wenn es aus Kundensicht einen Mehrwert schafft, der zuzüglich einer Gewinnmarge kostendeckend erwirtschaftet werden kann. Letzteres war bei Tesla noch nie der Fall, was zumindest ein konkretes Indiz für letztlich fehlenden Kundennutzen ist. Mehrwerte erzielt dieses Antriebskonzept ebenfalls nicht, weil zum einen die mit der individuellen Mobilität angestrebte Flexibilität durch die stark begrenzte Reichweite nicht erzielt werden kann. Zum anderen sind Elektrofahrzeuge aus ökologischer Sicht rollende Atomkraftwerke im Miniformat. Sie verbrauchen während ihres Produktionsprozesses so viel mehr Energie, dass man damit mit einem konventionellen Fahrzeug 30.000 bis 40.000 Kilometer fahren könnte. Zudem ist der Abbau der für die hochgiftigen Batterien benötigten Rohstoffe extrem umweltschädlich, und das Problem der Entsorgung der begrenzt haltbaren und ökologisch extrem nachteiligen Batterien ist wie beim Atommüll völlig ungelöst.

Was der eigentliche Skandal ist

Deswegen sollte die im Weltmaßstab führende deutsche Automobilindustrie nicht einem technologisch unausgegorenen Modethema hinterherrennen oder auf politisch fehlgeleitete Subventionsanreize setzen, sondern endlich ihre technologische Überlegenheit nutzen, wirklich nachhaltige Lösungen zu entwickeln, die auch künftig den nötigen Kundennutzen bei individueller Mobilität schaffen. Die Lösung hierfür liegt auf der Hand und heißt Wasserstoffantrieb.

An diesem wird seit mehr als 30 Jahren geforscht und der eigentliche Skandal ist, dass es hier keine wirklichen Fortschritte in der Antriebstechnologie und der Vertriebslogistik des Energieträgers gibt. Dies ist sicherlich einer der großen Fehler der deutschen Automobilindustrie, für den auch Martin Winterkorn erhebliche Mitverantwortung trägt. Indem er maßgeblich dazu beigetragen hat, Erwartungen an die Dieseltechnologie zu wecken, die in der Praxis so nicht zu erreichen sind, wurden Forschungs- und Entwicklungsressourcen vergeudet, die jetzt für die Weiterentwicklung wirklich innovativer Mobilitätskonzepte fehlen. Dies zu kritisieren und die Übernahme der Verantwortung einzufordern, ist völlig richtig. Das darf aber ebenso wenig zu Jubel über einen US-Haftbefehl gegen einen deutschen Staatsbürger durch die deutsche Politik führen, wie zum konsequenten Setzen von Fehlanreizen.

Die Fokussierung auf Elektromobilität ist ein politischer Irrweg, der Innovationen verhindert und zu einem Risiko für die Zukunftsfähigkeit der für Deutschland so wesentlichen Automobilindustrie werden kann. Wenn man jetzt nicht zügig reagiert, wird die deutsche Volkswirtschaft sowohl politisch als auch wirtschaftlich Gefahren ausgesetzt, deren langfristige negative Auswirkungen jetzt noch gar nicht abzuschätzen sind.

Markus Schön ist Geschäftsführer des DVAM Vermögensverwaltung GmbH und Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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