Mittwoch, 12. Dezember 2018

Nach dem Scheitern im ersten Anlauf Mit diesem Rezept hat die E-Auto-Offensive wieder eine Zukunft

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat das Ziel aufgegeben, bis 2020 eine Million E-Autos auf die deutschen Straßen zu bringen. Von der zweiten Stufe des Vorhabens - sechs Millionen Elektromobile bis 2030 - wird gar nicht mehr geredet. Wie konnte das passieren? Oder besser: nicht passieren?

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    Stefan Randak ist Direktor und Leiter der Praxisgruppe Automotive beim Interim-Management-Anbieter Atreus in München.

Am Anfang stand ein ehrgeiziger Plan: Im Frühjahr 2016 wurde parteiübergreifend intensiv über die Förderung der Elektromobilität diskutiert. Angesichts der Förderprogramme für Elektro- und Hybridfahrzeuge in vielen anderen Ländern und aufgrund des wachsenden Drucks der hiesigen Automobilindustrie wollte die Bundesregierung möglichst schnell gleichziehen.

So entstand ein Fördertopf mit einem Volumen von 1,2 Milliarden Euro, mit dem seit Mai 2016 der Kauf von Elektroautos subventioniert wird. Das Programm läuft bis zunächst September 2019. Reine Elektromobile werden mit 4000 Euro, Hybridfahrzeuge mit 3000 Euro gefördert. Darüber hinaus gilt rückwirkend zum Januar 2016 eine Steuerbefreiung für neue E-Autos. Außerdem sollen bis 2020 rund 15.000 neue Stromladestellen entstehen. Kostenpunkt: weitere 300 Millionen Euro.

Erst Jubel, dann Ernüchterung

Diese "Sofortmaßnahmen" wurden allerseits bejubelt, nicht nur von der Autoindustrie und deren Verbänden, sondern auch von der Politik - und das parteiübergreifend. Inzwischen ist die Euphorie Ernüchterung gewichen. Das Fazit nach einem Jahr E-Auto-Prämie:

  • Bis Ende April 2017 wurden in Deutschland statt der erwarteten 400.000 insgesamt nur 17.937 Förderanträge gestellt.
  • 10.065 davon entfielen auf reine Elektroautos, 7869 auf Plug-in-Hybridmodelle und ganze drei auf Brennstoffzellenfahrzeuge.
  • Weniger als die Hälfte der Anträge (8029) stammen von Privatpersonen, der Rest von Unternehmen.
  • Von den insgesamt 1,2 Milliarden Euro Fördergeldern sind erst 64 Millionen Euro verbraucht.
  • Am 1. Januar 2017 gab es 34.022 reine Elektroautos in Deutschland - bei mehr als 60 Millionen zugelassenen Fahrzeugen ist das ein verschwindend geringer Prozentsatz.

Bei der Ladeinfrastruktur sieht es kaum besser aus. Um eine Million Elektrofahrzeuge zu versorgen, benötigt man laut einer Erhebung der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) mindestens 7100 öffentliche Schnellladesäulen und 70.000 Normalladepunkte. Da eine Ladesäule für Normalladen in der Regel zwei Normalladepunkte aufweist, entspricht dies etwa 35.000 Ladesäulen. Zum Jahresende 2016 standen laut einer Erhebung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in ganz Deutschland nur 7407 öffentlich zugängliche Ladepunkte zur Verfügung. Nur ein geringer Teil von ihnen sind sogenannte Schnelllader, der Rest verteilt sich auf "Normale", "Halb-Beschleunigte" und "Beschleunigte", die lange Wartezeiten beim Tanken mit sich bringen.

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