Montag, 16. Juli 2018

Warren Buffetts Elektrobus-Spezialist Wie Chinas BYD nun Daimler und MAN in Europa attackiert

Elektrobus von BYD: Ähnliche Modelle werden bereits in Ungarn und bald wohl in Marokko produziert
picture alliance / Photoshot
Elektrobus von BYD: Ähnliche Modelle werden bereits in Ungarn und bald wohl in Marokko produziert

Der chinesische Elektroauto-Spezialist BYD (das Kürzel steht für Build Your Dreams) wittert gute Geschäfte in Europa - in einem Segment, das in der Autobranche als einträglich, aber nicht rasend spannend gilt: Bei Stadtbussen. Das Unternehmen aus Shenzhen, an dem US-Starinvestor Warren Buffett beteiligt ist, drängt nun Schlag auf Schlag nach Europa.

Im April dieses Jahres eröffneten die Chinesen ihr erstes Elektrobus-Werk in Ungarn. Mit einer Jahreskapazität von 400 Bussen und gerade mal 20 Millionen Euro Investment fiel das Werk eher klein aus. Doch von der Ankündigung des Werks bis zur Eröffnung verging nur knapp ein halbes Jahr - und BYD machte mit bescheidenen Werken, aber hoher Geschwindigkeit weiter. Ab 2018 sollen jährlich 200 Elektrobusse in einem weiteren BYD-Werk in Frankreich vom Band laufen. Ein drittes Werk, das BYD gemeinsam mit dem britischen Partner Alexander Dennis Ltd. betreibt, lieferte bereits erste Elektrobusse an die Stadtwerke von Liverpool und London.

Nun peilen die Chinesen wohl eine andere Größenordnung an: In Marokko plant BYD eine Fabrik für Elektrofahrzeuge und Batterien, wie am Wochenende bekannt wurde. Rund 2500 Menschen soll die Fabrik beschäftigen, BYD will dort Elektroautos, E-Busse und -Trucks sowie Batterien produzieren. Zur geplanten Investitionssumme verriet BYD bislang ebenso wenig wie zu der Frage, mit welcher Fahrzeugart die Fabrik starten soll. Fest steht nur, dass die Produktion bereits im kommenden Jahr starten soll.

Folgen Sie Wilfried Eckl-Dorna auf twitter

Der Ort, an dem die Fabrik steht, dürfte auch bei Deutschlands großen Stadtbusherstellern Daimler und der Volkswagen-Tochter MAN für Aufsehen sorgen: Gebaut wird die Fabrik in der marokkanischen Hafenstadt Tanger - ein paar Dutzend Kilometer vom europäischen Festland entfernt und mit besten Schiffsverbindungen Richtung Europa. Renault fertigt in Tangers Freihandelszone seit einigen Jahren mehrere Dacia-Modelle. Das arabische Land gilt in der Autobranche als attraktive Destination wegen niedriger Löhne, moderater Steuern und hoher politischer Stabilität.

BYDs Elektrobusse fahren längst in Europas Städten

Noch ist das BYD-Werk in Tanger nicht mehr als eine Absichtserklärung, die von BYD-Chef Wang Chuangfu und Marokkos König Mohammed VI unterzeichnet wurde. Doch gerade im Nutzfahrzeugsektor gelten die Chinesen als große Nummer bei Elektrobussen: Sie haben auch in Europa zahlreiche Ausschreibungen gewonnen. In London fahren laut Eigenangaben bereits über 150 Elektrobusse von BYD, seit 2016 drehen auch Elektro-Doppeldeckerbusse ihre Runden durch die britische Metropole. Turin hat 23 der emissionsfrei fahrenden Busse bei BYD bestellt, die ersten drei wurden vor kurzem geliefert.

Die deutschen Bus-Platzhirsche Daimler und MAN, aber auch Volvo hinken da noch deutlich hinterher. Noch ist das Geschäft mit Elektrobussen allerdings sehr klein: Ende 2016 waren europaweit gerade mal 1300 Elektrobusse auf den Straßen oder vorbestellt, heißt es in einer aktuellen Studie. EU-weit wurden im vergangenen Jahr 40.380 Stadt- und Reisebusse neu zugelassen, zeigen Zahlen von ACEA, der europäischen Fahrzeugherstellervereinigung.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH