Mittwoch, 12. Dezember 2018

Politiker wollen ab 2030 nur noch abgasfreie Autos Deutschland ohne Diesel und Benzin - kann das funktionieren?

Elektro-Käfer: Ist ein Deutschland ohne Benzin und Diesel möglich?

7. Teil: Gibt es genügend Rohstoffe für Batterien und andere Technologien?

Tendenziell ja, aber eindeutig lässt sich diese Frage kaum beantworten. Viel hängt unter anderem davon ab,

- ob sich emissionsfreie Autos sich auch auf anderen Erdteilen durchsetzen

- welche Technologie sich durchsetzt (schon bei Lithium-Ionen-Batterien gibt es mindestens vier Varianten, die unterschiedliche Metalle benötigen)

- welche Vorkommen sich bei steigenden Preisen und mit neuen Fördermethoden erschließen lassen.

Auch die Bundesregierung dürfte keine klare Antwort haben. Im von ihr beauftragten offiziellen Report "Rohstoffe für Zukunftstechnologien 2016" gibt es noch nicht mal ein Szenario, in dem im Jahr 2035 ausschließlich emissionsfreie Autos fahren.

In der aggressivsten Projektion mit dem Titel "Marktdurchdringung E-PKW" liegt der Anteil von batterieelektrischen Autos in 19 Jahren weltweit bei lediglich 10 Prozent, Brennstoffzellenautos kommen auf unter 5 Prozent. Konventionelle Verbrenner liegen noch bei knapp 60 Prozent.

Schon in diesem Szenario läge der Lithium-Bedarf nur für Elektroautos aber knapp viermal so hoch wie die heutige gesamte Weltproduktion. Und die Autoren gehen davon aus, dass die Fahrzeuge kleinere Batterien haben als heute - was unwahrscheinlich ist.

Zahlen der US-Geologiebehörde USGS legen wiederum nahe, dass die Welt über enorme Lithium-Vorkommen verfügt. Bei derzeitiger Fördermenge reichen die Reserven 437 Jahre. Und die Erfahrung zeigt: Wenn Nachfrage und Preis steigen, werden weitere Vorkommen wirtschaftlich abbaubar. Das Recycling von Lithium-Ionen-Batterien steckt zudem noch in den Anfängen.

Weitere Rohstoffe für Lithium-Ionen-Batterien sind Kobalt, Nickel und Mangan. Wenn sich Batterie-Elektroautos durchsetzen, müsste deren Weltproduktion laut dem Bericht der Deutschen Rohstoffagentur weit weniger stark erhöht werden als bei Lithium.

Brennstoffzellenautos hingegen benötigen heutzutage recht viel Platin. Sollten diese Fahrzeuge zum Siegeszug ansetzen, müsste sich die weltweite Platin-Förderung laut der Rohstoffagentur vervielfachen. Angesichts üppiger Reserven (für derzeit 353 Jahre) wäre dies theoretisch denkbar. Wahrscheinlicher ist, dass eine Alternative für Platin gefunden wird.

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