Freitag, 28. April 2017

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Mitgründer von Chinas E-Auto-Startup FMC "Unter 500 Kilometer Reichweite starten wir nicht"

Die Tesla-Fighter der Autokonzerne: Strom-Schläger: Diese Modelle sollen Tesla (bald) Paroli bieten
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Volkswagen

Das 2016 gegründete chinesische Elektroauto-Startup FMC hat nach Meinung vieler das Zeug dazu, Tesla richtig gefährlich zu werden. Nun gewährt Mitgründer Henrik Wenders Einblicke in seine Pläne. Er erklärt, warum FMC bereits 2020 weltweit startet - und warum die Firma keinen Supersportwagen baut.

Das Unternehmen Future Mobility Corporation (FMC) ist erst wenigen ein Begriff. Doch dem chinesische Elektroauto-Startup trauen viele zu, Tesla im Eiltempo Konkurrenz zu machen. Die FMC-Führungsmannschaft ist handverlesen: Die wichtigsten Entwickler von BMWs Elektromodellen i3 und i8 sind darunter. Der Mann, der Teslas Werk von der Manufaktur zur Autofabrik ausbaute, zählt zum Gründerkreis. Und ein Spitzenmann aus Googles Roboterauto-Projekt wechselte ebenfalls zu FMC. Finanziert wird das Unternehmen unter anderem von dem chinesischen Internetriesen Tencent und dem Apple-Auftragsfertiger Foxconn.

Dennoch will das bislang so geheimnisvolle Unternehmen seinen Marktstart ganz anders aufziehen als die Konkurrenten Faraday Future oder Lucid Motors. Warum das so ist, erklärte FMC-Marketingchef Henrik Wenders gegenüber manager-magazin.de im lauten Umfeld einer Branchenveranstaltung - ganz unprätentiös bei einem Glas Wasser und Filterkaffee aus einer Thermoskanne.

Zur Person
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    Henrik Wenders, 44, ist Gründungsmitglied und Marketingchef des chinesischen Elektroauto-Startups Future Mobility Corporation. Er wechselte im Oktober 2016 gemeinsam mit mehreren Ex-BMW-Kollegen zu FMC. Zuvor arbeitete Wenders 14 Jahre lang für BMW, wo er zuletzt das Produktmanagement von BMWs Elektroauto-Sparte i leitete.

manager-magazin.de: Herr Wenders, derzeit schießen Elektroauto-Startups in China mit ganz ähnlichen Rezepten aus dem Boden. Firmen wie Faraday Future oder Lucid Motors haben erfahrene westliche Ingenieure an Bord, auf Automessen zeigen sie Konzeptautos. Ihr Startup Future Mobility Corporation (FMC) hielt sich bisher noch sehr bedeckt, Autos gibt es noch keine zu sehen. Wie wollen sie sich von Ihren Konkurrenten unterscheiden?

Henrik Wenders: Nach 120 Jahren Verbrennungsmotor gibt es aus unserer Sicht aktuell ein historisches Zeitfenster. Auf einmal kann ein Elektroantrieb Reichweiten bieten, die eine Alternative zum klassischen Verbrennungsmotor sein können. Der E-Antrieb ist leichter zu entwickeln als ein herkömmlicher Antrieb. Ein Konzeptauto und ein paar Prototypen sind schnell gebaut. Doch ein Fahrzeug von Beginn an zu entwickeln, das sich industriell und mit hohem Qualitätsniveau in Serie fertigen lässt, das können nur wenige.

mm.de: Ihre Konkurrenten kündigen doch auch längst Milliarden-Investments in eigene Fabriken an.

Wenders: Technologisch kochen wir alle mit dem gleichen Wasser. Wir reden alle über den E-Antrieb, über Konnektivität, über autonomes Fahren auf höherer Stufe. Da wird es keine signifikanten Unterschiede geben zwischen den neuen Spielern, aber auch im Vergleich zu den alten Playern. Doch all das in eine hochqualitative Serienindustrialisierung zu führen, das werden nur wenige Newcomer schaffen. Und nur die werden überleben.

mm.de: Was macht Sie so sicher, dass FMC zu diesen Überlebenden zählen wird?

Wenders: Wir haben von Beginn an auf ein Gründerteam gesetzt, das über die richtigen Kompetenzen verfügt. Jeder weiß genau, wovon er spricht. Zwei Beispiele dazu: Mark Duchesne hat bereits Werke für Toyota konstruiert, auch an der Tesla-Fabrik hat er mitgearbeitet. Jetzt wird er unser Werk bauen. Er hat die Fachkenntnis, eine Autofabrik der nächsten Generation entstehen zu lassen. Wolfram Luchner hat Benutzeroberflächen für Google gestaltet. Er weiß ganz genau, welche Menüführung Menschen bei ihren digitalen Geräten bevorzugen. Er wird für unsere zukünftigen Kunden eine Bedienoberfläche entwickeln, die genau auf solche Anwendungen ausgerichtet ist.

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