Mittwoch, 19. Dezember 2018

"Ahnungslos" vs. "wie das antike Griechenland" Rolls-Royce und Aston Martin bekriegen sich wegen Luxus-E-Auto

Stein des Anstoßes Aston Martins Elektroauto-Konzept Lagonda sorgt für wütende Reaktionen bei Rolls-Royce

Tadellose Manieren, stets akkurate Kleidung, wohlgesetzt-selbstsichere Worte: Rolls-Royce-Chef Torsten Müller-Ötvös verströmt bei öffentlichen Auftritten gerne jene gelassene Erhabenheit, die sich die britische BMW-Tochter Rolls-Royce als markentypisch auserkoren hat.

Doch unlängst ließ Müller-Ötvös plötzlich alle noble Zurückhaltung fahren. In scharfen Worten giftete der 57-jährige gebürtige Düsseldorfer gegen einen weiteren britischen Luxusautohersteller: Den Sportwagenspezialisten Aston Martin. "Keine Ahnung" hätte die Kollegen von superreichen Kunden, erklärte Müller-Ötvös gegenüber der Financial Times (FT; ¿).

Der Grund für Müller-Ötvös' Ausbruch war Aston Martins jüngster Coup: In Genf präsentierten die Briten ein Konzept für eine viertürige Elektro-Limousine mit dem traditionsreichen Namen Lagonda. Damit haben die Briten Großes vor: Bereits 2021 sollen die ersten Lagonda-Modelle in Serie gehen - als rein elektrisch angetriebene, direkte Konkurrenz zu Rolls-Royce. Die Lagonda-Fahrzeuge sollen auf 640 Kilometer Reichweite mit einer Batterieladung kommen. "Sie soll andere Leute als die Traditionalisten ansprechen - etwa jene, die etwas höherwertiges als einen Tesla wollen", stichelte Aston-Martin-Chef Andy Palmer bewusst gegen Rolls.

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Aston Martins Chefdesigner, der lange bei Rolls-Royce gearbeitet hatte, setzte noch einen drauf. Er verglich die Marke Rolls-Royce mit dem "antiken Griechenland". Rolls-Royce sei ein "unperfektes Gesamtpaket für Luxus", urteilte er gegenüber der britischen Fachzeitschrift Autocar.

Kampf um die Deutungshoheit bei E-Mobilen für Superreiche

"Höchst unprofessionell" seien diese Bemerkungen, richtete Müller-Ötvös daraufhin via FT aus. Zwar seien die Beziehungen zwischen den drei britischen Luxusautomarken Rolls-Royce, Bentley und Aston Martin immer "freundschaftlich" gewesen. Doch Müller-Ötvös wertet den jüngsten Aston-Martin-Vorstoß wohl als eine Art automobile Kriegserklärung.

Nur Stunden nach den Ansagen der Konkurrenz veröffentlichte Rolls-Royce eine Pressemitteilung zum seinen eigenen Elektroauto-Pläne. Vor zwei Jahren hatten die Briten bereits eine aufsehenerregende Elektroauto-Studie vorgestellt - den 103 EX, ein selbstfahrendes Ultraluxus-Gefährt. Damit habe man bereits die "Tagesordnung für die Luxusmobilität festgelegt", tönt Rolls-Royce darin. Seither sei klargeworden, dass auch andere Automarken "unsere Vision anerkennen" - und zwar so weit, "dass sie die meisten Aspekte übernehmen, abgesehen von den visionärsten und radikalsten".

Rolls-Royce bezichtigt Aston Martin also indirekt des Ideenklaus - und Müller-Ötvös legte in der FT noch nach. Aston Martin "versteht überhaupt nicht unser Segment, sie verstehen auch überhaupt nicht unsere Kunden. Sie sind in einer völlig anderen Liga bei den Preisen, sie haben wirklich keine Ahnung davon, was im oberen, oberen Segment vorgeht", empörte sich Müller-Ötvös. "Es tut mir leid, dass ich das so direkt sagen muss".

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