Samstag, 3. Dezember 2016

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Elektroauto-Pionier Tesla sucht händeringend Leute in Europa

Elektroautopionier: Mit welchen Stromern Tesla angreift
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AFP

In den USA schlägt Teslas Elektroauto Model S bereits manche deutsche Luxuslimousine bei den Neuzulassungen. Seit kurzem ist das Auto auch in Europa erhältlich. Tesla-Manager Jerôme Guillen über zufriedene Kunden, schnelles Wachstum - und sein ungewohntes Personalproblem.

mm: Herr Guillen, vor zwei Wochen begann ein Tesla-Elektroauto zu brennen, nachdem ein Metallteil die verstärkte Unterseite der Batterie mit großer Wucht durchschlagen hatte. Teslas Aktienkurs Börsen-Chart zeigen brach nach Bekanntgabe der Meldung ein. Halten sich ihre Kunden nun auch bei Vorbestellungen zurück?

Guillen: Ein solcher Unfall ist höchst ungewöhnlich. Dennoch hat sich das Auto so verhalten wie geplant. Der Fahrer wurde bei dem Unfall nicht verletzt, das Feuer blieb auf ein einziges der 16 Batteriemodule beschränkt. Die Oberseite der Batteriehülle erwies sich als starke Barriere, deshalb erreichte das Feuer nie den Fahrzeuginnenraum. Wie Tesla-Chef Elon Musk in einem Blogeintrag feststellte, ist das Brandrisiko in einem Model S fünf Mal geringer als in einem herkömmlichen Auto mit Verbrennungsmotor.

mm: Ich hoffe, Sie besitzen eine ordentliche Zahl an Tesla-Aktien. Seit Anfang des Jahres hat sich der Kurs mehr als verfünffacht, der Brand sorgte nur für eine kurze Kursdelle…

Guillen: Die Anleger waren bisher sehr großzügig und wir sind natürlich glücklich darüber, wie uns die Märkte behandeln. Doch eines möchte ich klarstellen: Unsere Motivation, bei Tesla zu arbeiten, ist nicht ein möglichst schnell steigender Aktienkurs. Uns eint die Leidenschaft, die Verbreitung von Elektroautos zu beschleunigen. Wir sind zufrieden, wenn uns sowohl die Kunden als auch der Markt dabei unterstützen.

mm: Das tun sie offensichtlich auch in Europa. Teslas Model S ist derzeit in Norwegen der meistverkaufte Neuwagen. Was ist aus Ihrer Sicht der Grund dafür, dass sich so viele Menschen plötzlich für teure Elektroautos interessieren?

Guillen: Ganz genau weiß ich das nicht. Wir versuchen natürlich, ein möglichst gutes Fahrzeug herzustellen und es in Details noch zu verbessern. Parallel dazu stelle ich sicher, dass wir bei Verkaufserlebnis und Service genauso gut werden wie bei der Fahrleistung unserer Autos. Wir wollen, dass unsere Kunden wirklich zufrieden sind und uns deshalb an Familienmitglieder, Freunde und Nachbarn weiterempfehlen. Das hilft uns wohl auch derzeit. Viele unserer ersten Kunden teilen ihre positiven Erlebnisse mit Nachbarn - und das beschert uns immer mehr Interessenten.

mm: Tesla legt ein hohes Tempo vor. In diesem Jahr wollen sie mehr als 20.000 Fahrzeuge verkaufen, im kommenden Jahr soll es bereits die doppelte Zahl werden. Mit welchen Schwierigkeiten kämpfen sie derzeit?

Guillen: Unsere größte Herausforderung ist derzeit die Weiterentwicklung und Expansion in Europa. Vor wenigen Wochen haben wir mit der Auslieferung des Model S in Norwegen, den Niederlanden, Belgien, Deutschland und der Schweiz begonnen. Die Leute hier haben lange auf ihre Fahrzeuge gewartet, jetzt müssen wir die Übergabe an die Kunden weiter beschleunigen. Das schulden wir ihnen einfach. Zudem brauchen wir die richtige Infrastruktur. Deshalb bauen wir in Europa ein Netzwerk Tesla-eigener Schnellladestationen auf, die Langstreckenreisen ermöglichen.

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