Freitag, 1. Juli 2016

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Elektromobilität "Wir müssen für Elektroautos die richtigen Anreize schaffen"

Angela Merkel mit Elektroauto BMW i3: Kanzlerin-Berater Kagermann drängt darauf, dass die Politik die Empfehlungen seiner Experten zügig umsetzt

Trotz i3, E-Golf und Elektro-Smart sieht Deutschlands oberster Elektroauto-Verfechter Henning Kagermann noch viel zu tun: Der Ex-SAP-Chef fordert die schnelle Umsetzung des Elektromobilitätsgesetzes - und mahnt weitere Schritte an, um bis 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen zu bekommen.

mm: Herr Kagermann, im ersten Halbjahr 2014 wurden in Deutschland insgesamt 5800 Elektroautos und Plugin-Hybridfahrzeuge zugelassen. Wie zufrieden sind Sie mit dieser Zahl?

Kagermann: Das Wachstum ist ermutigend. Vom Jahr 2012 auf das Jahr 2013 hat sich die Zahl der neuzugelassenen Elektroautos in Deutschland verdoppelt. In den meisten wichtigen Automärkten war das ähnlich. Wenn diese Dynamik in Deutschland anhält, bin ich zufrieden. Allerdings gibt es auch Länder wie die Niederlande, in denen sich die Anzahl der Elektrofahrzeuge vervierfacht hat, auch wenn die Rahmenbedingungen sehr unterschiedlich sind

mm: Auf Deutschlands Straßen fahren derzeit gerade mal 22.800 Fahrzeuge mit Elektroantrieb. Dabei hat die Bundesregierung bereits 2008 das Ziel ausgegeben, Deutschland zum Elektroauto-Leitmarkt machen zu wollen. Länder wie die USA, die Niederlande oder Frankreich sind da weiter. Warum tut sich die Autonation Deutschland so schwer mit der Elektromobilität?

Kagermann: Deutschland soll Leitanbieter und Leitmarkt werden - in dieser Reihenfolge. In der ersten Phase, der Marktvorbereitung, die mit diesem Jahr endet, lag der Schwerpunkt auf den Anbietern. Aus unserer Sicht hatte es keinen Zweck, viel Geld für Fördermaßnahmen auszugeben, weil es beispielsweise noch zu wenig Auswahl an Fahrzeugen gab, die Batteriepreise noch zu hoch waren und wir noch nicht genügend in die Ausbildung investiert hatten. Das hat sich bewährt: Nach Studien der Unternehmensberatung McKinsey liegen wir auf der Anbieterseite weltweit an erster Stelle.

mm: Autohersteller wie Renault, Nissan oder auch General Motors brachten aber wesentlich schneller Elektroautos auf den Markt als heimische Anbieter.

Kagermann: Ja, aber wenn wir Leitmarkt und Leitanbieterschaft gemeinsam betrachten sind wir hinter den USA knapp die Nummer Zwei. Damit bin ich zufrieden.

mm: Jetzt hat VW mit dem E-Up und dem E-Golf zwei Modelle am Start, BMW wirbt stark für den i3 und den i8, und Daimler hat den Elektro-Smart im Programm. Doch keines der Modelle ist in Deutschland ein echter Verkaufsschlager.

Kagermann: Wir haben die Vorbereitungen getroffen. Jetzt müssen wir sehen, dass wir die Fahrzeuge in unseren Markt bekommen. Das wird aber nicht von selbst gehen, sondern wir müssen die richtigen Anreize dafür schaffen und bestehende Hürden abbauen. Aber wenn wir diese Phase des Markthochlaufs erfolgreich bewältigen und bis Ende 2017 eine halbe Million Elektroautos auf die Straße bekommen, wird sich der Markt selbst tragen. Da geht es nicht um Subventionen, sondern um eine Investition in den Technologiestandort. Die Unternehmen haben das erkannt: Wenn einmal eine größere Anzahl an Fahrzeugen im Markt ist, funktionieren viele Geschäftsmodelle erst. Das gilt auch für die Ladeinfrastruktur, die erst mit den Stückzahlen mitwachsen muss. Und die Fahrzeuge werden billiger, weil die Hersteller in größeren Mengen einkaufen können.

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