Montag, 20. Februar 2017

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Exklusiv: Studie zu E-Autos in den wichtigsten Märkten Elektro-Autos: Die neue Macht der Bürgermeister

Aktuelles Reichweiten-Ranking: So weit kommen die Elektroautos
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AFP

Egal ob Paris, London oder Peking, die Ankündigungen der Bürgermeister ähneln sich: "Wir werden die Luftverschmutzung und die damit verbundenen Gesundheitsprobleme und Todesfälle nicht länger hinnehmen", sagt Anne Hidalgo, Bürgermeisterin von Paris - und kündigt gemeinsam mit den Kollegen in Madrid, Athen und Mexico City an, Fahrzeuge mit Diesel-Motoren innerhalb der nächsten zehn Jahre aus ihren Städten zu verbannen.

Londons neuer Bürgermeister Sadiq Khan denkt ähnlich. Er will die bislang weitgehend auf zentrale Innenstadtbereiche beschränkten Niedrigabgaszonen bis 2019 stark ausweiten. Dann dürften zum Beispiel Taxen und privat genutzte Mietwagen nur mit abgasfreien Antrieben fahren.

Und Peking hat bereits gehandelt. Schon 2011 begrenzte die chinesische Hauptstadt die Ausgabe neuer Nummernschilder, um den häufigen Smog zu bekämpfen. Die Regeln wurden seither mehrfach verschärft. Wer Elektroautos anmeldet, wird bevorzugt.

"Die großen Städte werden die wichtigsten Treiber der Elektromobilität", prognostiziert Wolfgang Bernhart, Automobil-Experte der Strategieberatung Roland Berger. Der Druck der Metropolen wird den der nationalen und internationalen Gesetzgeber schon bald übertreffen."

Der neue Index Elektromobilität, den die Beratung gemeinsam mit dem Aachener Institut fka veröffentlicht, belegt, dass die batteriegetriebenen Autos einen zusätzlichen Nachfrageschub benötigen. Die Verkaufszahlen stagnieren, von wenigen Ausnahmen abgesehen. In China verdreifachte sich die Zahl der verkauften Elektrofahrzeuge im von den Beratern analysierten Zeitraum von Juli 2015 bis Juni 2016 zwar im Vergleich zu den zwölf Monaten zuvor. In den USA dagegen stieg die Zahl nur marginal um rund 6000 auf 125.230. Und in Deutschland wurden zwar fast 50 Prozent mehr Fahrzeuge mit elektrischem oder teilelektrischem Antrieb verkauft. Die rund 25.000 E-Vehikel lassen das Regierungsziel von einer Million Elektroautos im Jahr 2020 allerdings längst unerreichbar erscheinen.

Bislang hatten vor allem Institutionen wie die Europäische Union (EU) die Elektromobilität getrieben. Wenn die Autohersteller zum Beispiel die von der EU geplanten CO2-Grenzen einhalten wollen, müssen sie wahrscheinlich mindestens rund 20 Prozent ihrer Autos mit Batterie- oder kombiniertem Verbrennungs- und Elektroantrieb verkaufen.

Die Städte übernehmen eine neue Rolle. Während die Gesetzgeber die Hersteller unter Druck setzen, sorgen die Bürgermeister für zusätzliche Attraktivität. "Die Städte erhöhen die Nachfrage nach Elektromobilen", erläutert Berger-Berater Bernhart. "Wer stellt sein Auto schon gerne an der Stadtgrenze ab?" Seine Prognose: Wenn die ersten Metropolen ernst machen, kann das schnell einen Dominoeffekt auslösen."

Selbst Fritz Kuhn, Bürgermeister der Autometropole Stuttgart, droht inzwischen eine härtere Gangart an. Sollten freiwillige Maßnahmen wie ein Feinstaubalarm nicht für sauberere Luft sorgen, bleibe irgendwann nur noch der komplette Verzicht auf den Verbrennungsmotor.

Kurz-Video zu Smog-Alarm in Peking: Warum China so heiß auf E-Autos ist

Aber, immerhin, die Berger-Analysten und die Aachener fka registrieren in ihrem Index auch positive Signale. Technologisch liegt die deutsche Autoindustrie an der Spitze. "Auch, wenn die deutschen Hersteller aktuell in Sachen Elektromobilität nicht vorne zu sein scheinen", sagt Wolfgang Bernhart: "Wenn sie ihre Ankündigungen wahrmachen, werden sie spätestens in fünf Jahren wahrscheinlich an der Spitze stehen; eventuell dann gemeinsam mit oder noch leicht hinter Tesla."

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