Freitag, 16. November 2018

E-Auto-Start-up Lucid spricht angeblich mit Staatfonds Chinas Tesla-Rivalen - einer hofft nun auf saudisches Geld

5. Teil: Hybrid Kinetic Group - Zweiter Anlauf für einen gestrauchelten Auto-Milliardär

Hybrid Kinetic Group H600: Der bullige Look stammt von der italienischen Designschmiede Pininfarina
imago/CTK Photo
Hybrid Kinetic Group H600: Der bullige Look stammt von der italienischen Designschmiede Pininfarina

Was über das erste Modell bekannt ist: Auf dem Genfer Autosalon im März 2017 brachte die Hybrid Kinetic Group (HK) ihre Konzeptauto H600 mit - und machte ziemlich deutliche Ansagen: Ihre 804 PS starke Luxuslimousine soll Tesla Konkurrenz machen, als Range Extender kann eine Mikroturbine geordert werden. Damit soll die Reichweite bei über 1000 km liegen. Der H600 soll in unter 3 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen und bis zu 250 km/h schnell fahren. Gestaltet wurde das Auto von der italienischen Designschmiede Pininfarina.

Wann und wie Hybrid Kinetic starten will: Der H600 ist der zweite Anlauf der Chinesen. Bereits 2009 hatten der Vorläufer HK Motors Pläne, Fahrzeuge im US-Bundesstaat Alabama herzustellen. Doch das Projekt scheiterte, weil die Geldmittel fehlten. Nun sollen die Autos in China hergestellt werden, der Produktionsanlauf startet jedoch in Pininfarinas Werk in Italien.

Auf den Markt kommen soll das Fahrzeug 2019 oder 2020 in den USA und China, innerhalb von fünf bis zehn Jahren will Hybrid Kinetic deutlich über 200.000 Fahrzeuge fertigen. "Viele chinesische Unternehmen versprechen viel und liefern wenig. Bei uns wird das anders herum sein", erklärte ein Vertreter der HK-Führungsriege im März gegenüber der Fachzeitschrift Automotive News.

Laut einem Bericht der Financial Times (FT) will das Unternehmen fünf Fabriken in China eröffnen. Im März 2018 hat das Unternehmen ein 300 Millionen Dollar schweres Jointventure mit einem Autozulieferer aus Peking gestartet, knapp danach hat HK Prototypen für zwei SUV-Modelle vorgestellt. Noch hat das Unternehmen aber keine Fertigungslizenz in China. Doch man sei dabei, dafür eine Lösung zu finden und wolle bald Pläne vorstellen, erklärten Vertreter von HK gegenüber der FT.

Wer im Führungsteam sitzt: Offenbar mehrere erfahrene chinesische Automanager. Automotive News berichtete im März 2018, dass HK vom Gründer des chinesischen Autoherstellers Brilliance, Yung Benjamin Yeung, geleitet werde. Laut FT steckt der chinesische Milliardär Rong Yang hinter HK. Yang war vor gut einem Jahrzehnt Chinas größter privater Automobil-Unternehmer und leitete die Brilliance Auto Group, dem aktuellen Jointventure-Partner von BMW.

Doch Anfang der 2000er-Jahre geriet Rong mit dem chinesischen Provinzgouverneur Bo Xilai aneinander, der wegen Korruptionsdelikten zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Yang, der ein persönliches Vermögen von über 4 Milliarden Dollar angehäuft haben soll, floh wegen der Auseinandersetzung mit Xilai aus China und emigrierte nach Kalifornien. Nun pendelt Yang zwischen Hongkong, dem Sitz von HK, China und Kalifornien.

Wer das Start-up finanziert: Gegenüber der FT wollte Hybrid Kinetic nicht erklären, woher seine Finanzmittel kommen. Man habe aber erste Vorbereitungen getroffen, um die geplanten Projekte in China "zu landen", hieß es von Seiten des Unternehmens. Im Jahr 2016 schrieb HK laut FT einen Halbjahresverlust von knapp 15 Millionen Euro, im Gesamtjahr 2015 betrug der Verlust 37 Millionen Euro.

Seit Anfang April 2017 ist die Aktie des Unternehmens vom Handel an der Hongkonger Börse ausgesetzt. Der Schritt erfolgte offenbar, weil Hybrid Kinetic bislang keine Ergebnisse für 2016 vorgelegt hat. Diese Erklärung findet sich auf der Website des britischen Finanzdienstleisters FTSE Russell Group, der den wichtigsten britischen Aktienindex FTSE zusammenstellt.

Wo es bereits knirscht: Noch liegen nur spärliche Informationen zu HK vor - deshalb lässt sich auch kaum ermitteln, wo und ob es hakt. Der Akku soll angeblich eine Eigenentwicklung mit besonders hoher Energiedichte sein. Und der Prototyp in Genf soll zu 85 bis 90 Prozent dem Serienauto entsprechen. Doch wo genau das Werk steht, wann genau der Produktionsanlauf in Italien startet - all das verrät HK bislang nicht. Dass die Aktie von Hybrid Kinetic aktuell nicht gehandelt wird, ist jedenfalls nicht gerade ein Vertrauensbeweis.

Unsere erste Runden-Wertung: Die große Unbekannte im Ring der selbsternannten chinesischen Tesla-Fighter. Das Auto ist formschön, die technischen Spezifikationen klingen beeindruckend, die angepeilten Produktionszahlen durchaus realistisch. Allerdings gibt das Schweigen zu den Finanziers ebenso zu denken wie die spärlichen Details zu geplanten Fabrik. Rein äußerlich hat HK durchaus das Zeug zum Tesla-Herausforderer - doch die Chancen des Unternehmens lassen sich erst realistischer einschätzen, wenn HK mit mehr Details herausrückt.

Newsletter von Wilfried Eckl-Dorna

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