Montag, 17. Dezember 2018

E-Auto-Start-up Lucid spricht angeblich mit Staatfonds Chinas Tesla-Rivalen - einer hofft nun auf saudisches Geld

3. Teil: Nio - Marktstart in China Anfang 2018, in Europa ab 2020

Nio ES 8: Der Elektro-SUV ist in China nur halb so teuer wie Teslas Model X - bei vergleichbarer Leistung

Was über das erste Modell bekannt ist: Nio startet mit einem siebensitzigen Elektro-SUV in den Markt: Den ES8 haben die Chinesen Mitte Dezember 2017 in der Serienversion präsentiert. Glänzen soll der Wagen in der Basisversion mit Spurtstärke (4,4 Sekunden auf 100 km/h) und 653 PS, zudem soll er sich in etwas über einer Stunde vollladen lassen. Mit einer Ladung fährt der ES8 rund 350 Kilometer weit. In China wird der ES8 68.000 Dollar kosten - und damit rund die Hälfte von Teslas Model X 75D. Für das in Kalifornien gebaute Tesla-SUV fallen in China hohe Importsteuern an.

Wann und wie Nio starten will: Die Serienproduktion des ES8 startete Im Frühjahr 2018, noch in diesem Jahr will Nio 50.000 ES8 herstellen. Seit Juni 2018 lieferte Nio die ersten Serienmodelle aus. Zugleich baut Nio ein Netz von Stationen auf, an denen sich die Elektroauto-Akkus in 3 Minuten austauschen lassen. Bis 2020 sollen chinaweit 1200 solcher Wechselstationen stehen. Ab 2020 plant Nio auch den Verkauf des ES8 in Europa und den USA. Davor kommen aber wohl weitere Nio-Modelle in China auf den Markt: Auf der Shanghaier Automesse im April 2017 stellte Nio gleich 11 Modelle vor.

Um an frisches Kapital zu kommen, bereitet Nio den Gang an die New Yorker Börse vor. Er soll dem Start-up 1,8 Milliarden Dollar Kapital einbringen, die Unterlagen dazu hat Nio Mitte August 2018 bei der US-Börsenaufsichtbehörde eingereicht. In diesem Jahr wäre dies der zweitgrößte Börsengang einer chinesischen Firma in den USA.

Wer im Führungsteam sitzt: Gründer William Li verdiente Millionen mit der chinesischen Internet-Plattform bitauto. An Bord ist auch der ehemalige BMW- und Ford-Designer Kris Thomasson. Aktuell arbeiten laut Eigenangaben weltweit 4000 Mitarbeiter an 19 Standorten für Nio, darunter 130 Angestellte in München.

Wer das Start-up finanziert: Die Nio-Konzernmutter NextEV hat eine illustre Investorenschar versammelt: Zu den Geldgebern zählen die chinesischen Internetriesen Tencent und Baidu, die Techkonzerne Xiaomi und Lenovo, der Risikokapitalgeber Sequoia Capital (USA) und der britischen Investmentfonds Baillie Gifford & Co. Berichten zufolge hat NextEV rund 1,7 Milliarden Dollar bei 56 Geldgebern eingetrieben. Die letzte große Finanzierungsrunde im November 2017, die Tencent anführte, hat Nio rund 1 Milliarde Dollar eingebracht. Das Unternehmen sieht sich deshalb auch finanziell gut für eine Massenproduktion gerüstet.

Wo es bereits knirscht: bislang noch wenig. Nio hat bereits Jointventure-Vereinbarungen mit den chinesischen Autohersteller JAC und Chinas viertgrößtem Autohersteller Changan unterschrieben. Das dürfte die Produktion der Fahrzeuge vereinfachen. Beim Serienfahrzeug ES8 setzt Nio auf etablierte Zulieferer, so ist etwa Magna für das Aluminium-Chassis verantwortlich. Allerdings setzt Nio auf eigens entwickelte Batteriezellen. Noch ist nicht erkennbar, ob Nio einen Vorsprung in der Forschung nach leistungsfähigeren Lithium-Ionen-Batteriezellen hat.

Unsere erste Runden-Wertung: Durchaus gute Chancen als ernsthafte Tesla-Konkurrenz. Die Jointventure-Vereinbarungen sprechen dafür, dass NextEV ernst genommen wird in China, die Partner sind hochkarätig. Reichweiten und Batterietechnik der Fahrzeuge wirken zumindest solide - der Wechselstationen-Aufbau dürfte aber viel Kapital binden.

Newsletter von Wilfried Eckl-Dorna

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