Samstag, 16. Dezember 2017

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In 3 Jahren 5 Millionen Ladepunkte China will Milliarden in Elektroauto-Ladesäulen stecken

Ladestation für Elektroautos auf dem Flughafen in Peking

Es ist ein vollmundiges und nicht gerade billiges Versprechen der chinesischen Regierung für alle Elektroauto-Fahrer im Land. Bis 2020 sollen in China insgesamt 4,8 Millionen neue Ladepunkte für Elektroautos entstehen. Dieses Ziel habe das chinesische Staatskabinett im vergangenen Monat nochmals bekräftigt, berichtet die "Financial Times" (FT).

Damit käme dann eine Lademöglichkeit auf jedes Elektroauto auf Chinas Straßen, rechnet die FT vor. Bis 2020 sollen fünf Millionen New Energy Vehicles im Reich der Mitte fahren - also rein batterieelektrische Fahrzeuge und Plugin-Hybride mit Elektro- und Verbrennungsmotor an Bord.

Für den staatlich gewollten Turbo-Ausbau des Ladenetzes wären Investitionen von rund 124 Milliarden Yuan, knapp 16 Milliarden Euro, notwendig, rechneten Analysten der FT vor. Das meiste Geld dafür dürfte vom chinesischen Staat selbst kommen.

Aktuell gibt es in China rund 190.000 Ladepunkte - eine Ladesäule hat meist mehrere Anschlüsse. Damit verfügt der größte Automarkt der Welt bereits heute über die größte Zahl an öffentlichen Elektroauto-Lademöglichkeiten. In den USA etwa sind es aktuell rund 45.300 Ladepunkte an 16.600 Ladesäulen, zeigen Daten des US-Energieministeriums für öffentlich zugängliche Elektroauto-Lademöglichkeiten. EU-weit sind derzeit 118.100 Ladepunkte in Betrieb, zeigt eine Übersicht des European Alternative Fuels Observatory.

Zwar zogen in China die Zulassungszahlen für Elektroautos in den vergangenen Monaten deutlich an, alleine im Oktober wurden 66.000 reine Batterieautos und Plugin-Hybride verkauft, auf Jahressicht waren es 405.000. Doch mehr als zwei Prozent aller Neuzulassungen sind das noch immer nicht.

Dabei zeigt sich der chinesische Staat bei Subventionen für die Stromer sehr großzügig: Bis zu 8000 Euro Förderung gibt es für die Fahrzeuge, wobei die Förderungen in den kommenden Jahren fallen sollen. In mehreren Millionenstädten geben die Stadtbehörden zudem freie Nummernschilder für Elektroautos aus, für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ist die Vergabe von Nummernschildern stark eingeschränkt.

EU investiert 800 Millionen - bis 2030

Allerdings ist die Ladeinfrastruktur selbst in Metropolen wie Shanghai offenbar nicht ausreichend. Gegenüber der FT berichten Berater etwa davon, dass Käufer von Plugin-Hybriden diese nur selten an Ladesäulen aufladen - weil es schwer sei, außerhalb von Privatgaragen welche zu finden. Das könnte das Milliardeninvestment des Staates durchaus ändern.

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Auch in Europa und Deutschland schreckt die mangelhafte Lade-Infrastruktur noch viele potenzielle Käufer ab - neben den oft noch geringen Reichweiten der Stromer samt dem hohen Preis. Die in Deutschland vorhandenen Ladepunkte sind eher ungleich verteilt. Vor allem im ländlichen Raum, aber auch in mittelgroßen und kleineren Städten gibt es erst wenige Ladesäulen. In einigen Großstädten ist die Versorgung mit öffentlich zugänglichen Ladepunkten gar nicht so schlecht, wie eine Grafik von manager-magazin.de zeigt.

Auch die Europäer wollen staatliches Geld in die Errichtung eines dichteren Ladesäulen-Netzes stecken. Doch die Pläne sind längst nicht so konkret gefasst wie die der Chinesen. EU-Klimakommissar Miguel Arias Cañete will zwar europaweit den Aufbau eines Netzes von Ladestationen mit 800 Millionen Euro fördern. Doch dieser Fördertopf ist Teil eines Pakets für klimafreundlichere Autos bis 2030 - und im Vergleich zum chinesischen Förderprogramm eher klein dimensioniert.

In Deutschland fördert das Wirtschaftsministerium bis 2020 die Errichtung von Ladesäulen durch private Investoren, Städte und Gemeinden mit 300 Millionen Euro - zwei Drittel davon sollen in den Aufbau von 5000 Schnellladestationen fließen, der Rest in den Aufbau von 10.000 Normalladestationen.

Gegen Chinas Aufrüstung bei Ladesäulen - so sie denn so schnell umgesetzt wird wie beschlossen - muten die Förderungen jedoch vergleichsweise klein an.

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