Donnerstag, 24. August 2017

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Vergleich der wichtigsten Auto-Länder China stürmt bei Elektroautos an die Spitze - was Daimler und Co. jetzt tun müssen

Elektroauto-Index: So surrt China der Autowelt davon
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DPA

Bei Elektroautos war China lange so etwas wie ein schlafender Riese, doch seit einiger Zeit dreht die Volksrepublik auf: Die Zahl der verkauften Batteriewagen hat sich im vergangenen Jahr auf 350.000 fast verdoppelt, hinzu kamen auch Zehntausende Elektrobusse und satte 100.000 öffentliche Ladepunkte.

Mit dieser Stromer-Offensive ist China inzwischen der Konkurrenz in Europa, Japan und den USA enteilt. Erstmals eroberte die Volksrepublik den ersten Platz im Gesamtranking des "Index Elektromobilität" der Unternehmensberatung Roland Berger und der Forschungsgesellschaft Kraftfahrwesen Aachen (FKA). Auf Platz zwei folgen die USA, dann kommt Deutschland.

Vor allem die starken Steigerungsraten bei Absatz und Produktion von E-Autos, hohe Investitionen in Infrastruktur sowie zahlreiche Unternehmens-Neugründungen machen China derzeit zum Elektroauto-Land Nummer eins. Zudem fließt mit knapp fünf Milliarden Euro mehr staatliches Geld in die Forschung in diesem Bereich, als in allen anderen führenden Autonationen zusammen.

"Chinas Aufstieg wird durch nationale Fördergelder und Zulassungserleichterungen gestützt", erklärt Roland-Berger-Partner Wolfgang Bernhart. Die Pekinger Zentralregierung hat extrem ambitionierte Vorgaben für den Sektor formuliert. Bis 2025 sollen 15 bis 20 Prozent der verkauften Neuwagen E-Fahrzeuge sein. Bis 2030 sollen es sogar 40 bis 50 Prozent sein.

China setzt sich aus mehreren Gründen derart hohe Ziele. Zum einen stehen Regierung und Stadtverwaltung unter hohem Druck, die miserable Luftqualität in manchen Metropolen in den Griff zu bekommen. Diese geht zwar nur zum Teil auf Auto-Abgase zurück - doch wenn der Verkehr weiter wächst wie bisher, droht ohne neue Technologien in Städten wie Peking der endgültige Umwelt-Kollaps.

Der Schwenk zur E-Mobilität ist für die Volksrepublik zudem von geopolitischer Bedeutung. "Wenn die Menschen weiter Fahrzeuge mit konventionellen Antrieben kaufen, würden auch die Ölimporte stark steigen", sagt Bernhart. Rohstoffe für Elektroautos gibt es hingegen in China in großen Mengen.

Kein Wunder, dass deutsche und andere westliche Hersteller die Entwicklung kritisch sehen. Zuletzt versuchten sie im Bunde mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU), China zu einer Auflockerung zumindest der kurzfristigen Elektroauto-Quoten zu bewegen.

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