Freitag, 16. November 2018

Batteriezellenproduktion für Elektroautos EU will Milliarden in "Gigafactory"-Wettlauf stecken

Produktion von Elektroauto-Batteriepacks bei BMW
Bloomberg via Getty Images
Produktion von Elektroauto-Batteriepacks bei BMW

Die Automobilbranche steht unter Strom: Der Volkswagen-Konzern Börsen-Chart zeigen will bis 2025 50 Elektroauto-Modelle und 30 Plugin-Hybridautos anbieten. Daimler Börsen-Chart zeigen hat Anfang September den Mercedes EQC vorgestellt, den ersten Vertreter seiner Elektroauto-Submarke EQC. Bis 2022 wollen die Schwaben 10 reine Elektroauto-Modelle offerieren. BMW Börsen-Chart zeigen weitet sein Angebot an Elektroautos aus, Tesla drängt mit seinem Einstiegsfahrzeug Model 3 nach Europa - und japanische Hersteller ebenfalls.

Dafür müssen die Autohersteller große Mengen Lithium-Ionen-Batteriezellen einkaufen- vor allem in Asien, wo aktuell ein Großteil der Zellen produziert wird. Der Transport der schweren Zellen ist aufwändig. Doch zu einer eigenen Zellenproduktion konnten sich europäische Autohersteller und Zulieferer aus Kostengründen bisher nicht durchringen.

Das stört nicht nur Arbeitnehmervertreter und manche Automanager, die vor Abhängigkeiten warnen. Auch Politiker in Deutschland und der EU fürchten, dass dadurch Arbeitsplätze und Wertschöpfungauf dem Spiel stehen. Vor gut einem Jahr hat die EU deshalb ein eigenes Projekt gestartet mit dem Ziel, Lithium-Ionen-Zellfabriken in Europa aufzubauen. Wie die Financial Times (FT) nun berichtet, will die EU Milliarden Euros an Förderungen für die Ansiedlung von Batteriewerken aufbieten - über Forschungsgelder, aber auch regionale Fonds und Kredite der europäischen Investmentbank EIB.

Laut EU-Energiekommissar Maros Sefcovic sind bereits 260 Firmen an der EU-Batterieallianz beteiligt. Vier Gruppen davon sollen Ambitionen für den Bau einer Batteriefabrik hegen, die den Output von Teslas "Gigafactory" in der Wüste von Nevada hat.

Auch in Deutschland entwickelt sich einiges. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat vor einigen Wochen eine Kooperation mit Polen im Bereich Batteriezellenverkündet. Ziel ist der Aufbau einer gemeinsamen Zellenproduktion - in der Lausitz und in Westpolen. Wie der Tagesspiegel vor kurzem berichtete, soll die Kooperation rund eine Milliarde Euro an Förderungen von der deutschen Regierung erhalten.

Und auch ein zweites deutsches Projekt soll laut Tagesspiegel in den Startlöchern stehen: So sollen der deutsche Batteriespezialist Varta gemeinsam mit Ford eine Batteriezellen-Produktion planen und dafür rund eine Milliarde Euro an Förderungen erhalten. Offiziell bestätigen wollte dies das Wirtschaftsministerium vergangene Woche jedoch nicht. Die deutschen Projekte dürften wohl Bestandteil eines europäischen Gemeinschaftsunternehmens werden - einer Art Airbus der Batterieerzeugung, das asiatischen Herstellern Paroli bieten soll.

Die asiatischen Batteriespezialisten preschen jedoch schon mal vor: Sie investieren vornehmlich in Osteuropa, die ersten Firmen haben schon Spatenstiche gesetzt. Doch auch europäische Startups wittern Chancen: Das Startup Northvolt baut bereits eine Probefertigung und will in Nordschweden ein Riesenwerk aus dem Boden stampfen, ein deutsches Konsortium hat ebenfalls Großes vor. Wir stellen die wichtigsten Player im großen europäischen E-Autoakku-Monopoly vor.

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