Dienstag, 23. Januar 2018

Große Teile der Förderung drohen zu verfallen Sollten wir die Kaufprämie für E-Autos besser anders nutzen?

Tesla Model S: Seit geraumer Zeit aus der Liste der förderfähigen Elektroautos gestrichen
Tesla Motors
Tesla Model S: Seit geraumer Zeit aus der Liste der förderfähigen Elektroautos gestrichen

Vor zehn Jahren rissen sich die deutschen Autokäufer um die staatliche Abwrackprämie. Die Kaufprämie für Elektroautos liegt dagegen wie Blei in den Regalen: Nach mehr als anderthalb Jahren liegen für lediglich 10 Prozent der gesamten Fördersumme Anträge vor. Damit große Teile der Prämie nicht völlig verpuffen, hat das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle jetzt eine andere Idee.

Seit mehr als anderthalb Jahren gibt es die Kaufprämie für Elektroautos in Deutschland nun. Gut 4000 Anträge sind seit Ende November vergangenen Jahres nochmal hinzugekommen und die Nachfrage damit zuletzt signifikant gestiegen. Insgesamt aber stößt die aus Steuermitteln finanzierte Prämie weiter auf geringes Interesse: Für lediglich 10 Prozent der Gesamtsumme gingen bislang Förderanträge ein, berichtet die "Die Welt".

Nach Zahlen des zuständigen Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) wurden bislang 46.897 Anträge für einen Zuschuss beim Kauf eines E-Autos gestellt. "Für diese Förderung stehen insgesamt 600 Millionen Euro zur Verfügung. Bis heute sind rund 65 Millionen Euro gebunden", sagte Bafa-Präsident Andreas Obersteller der Zeitung.

Der Bund fördert den Kauf eines Batterie- oder Brennstoffzellenautos mit 2000 Euro. Für ein von außen aufladbares Hybridauto gibt es 1500 Euro. Der Hersteller des jeweiligen Wagens muss dem Käufer mindestens den gleichen Betrag vom sogenannten Nettolistenpreis des Basismodells als Nachlass gewähren, damit das Bafa die Förderung bewilligt.

Prämie könnte auch private Ladeinfrastruktur fördern helfen

Der Netto-Listenpreis des Basismodells darf dabei 60.000 Euro nicht überschreiten. Tricksereien, wie sie zuletzt in diesem Zusammenhang bei Tesla bemängelt wurden, duldet das Bafa nicht: Das meistverkaufte Model S von Tesla flog gegen lauten Protest kurzerhand aus der Förderliste.

Sollten sich die Bundesbürger beim Kauf von Elektroautos weiterhin so zurückhalten, wird wohl ein erheblicher Teil der Fördermittel bis zum Ende der Förderung Mitte 2019 verfallen. Der Bafa-Präsident regt dem Bericht zufolge deshalb an, das Geld anderweitig einzusetzen: "Die neue Bundesregierung könnte einen Teil des Budgets umwidmen und für die Förderung privater Ladeinfrastruktur bereitstellen. Diese Unterstützung könnte beispielsweise von Handwerkern, Hotelbetrieben oder Wohnanlagen genutzt werden."

Kaufprämie liegt weit hinter der Abwrackprämie von 2009 zurück

Als der Staat 2009 mit der Abwrackprämie für Altfahrzeuge den Neuwagenverkauf ankurbeln wollte, um für die Autoindustrie die Folgen der Finanzkrise abzufedern, war das Interesse riesig: Binnen Wochen erhöhte die Bundesregierung die Kaufprämie von 1,5 auf 5 Milliarden Euro - im Herbst des Jahres waren die Milliarden aufgebraucht.

Im Gegensatz dazu liegt die Umwelt- oder Kaufprämie für Elektroautos (noch) wie Blei in den Regalen. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Auch wenn sich bei der Modellpalette viel getan hat, Elektroautos sind nach wie vor deutlich teurer als vergleichbare Modelle mit Verbrennungsmotor. Das dürfte sicher an den Stückzahlen und Produktionskosten liegen. Doch wurden in der Vergangenheit auch Klagen über Mitnahmeeffekte seitens der Autohersteller laut.
  • Die Reichweite der meisten Elektrovarianten liegt zudem noch deutlich hinter jener der mit Benzin- oder Dieselantrieb.
  • Zudem fehlt eine einheitliche und verlässliche Ladeinfrastruktur, die unbeschwertes Reisen in gewohnter Manier ermöglicht, räumt auch Bafa-Präsident Obersteller ein.

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