Montag, 20. November 2017

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Nach Verlässlichkeits-Prognose für Tesla Model 3 "Durchschnittlich" - das kann Tesla nicht auf sich sitzen lassen

Tesla Model 3: Nach einer "Durchschnittlich"-Bewertung überreagiert der Elektroauto-Hersteller

"Brilliant", "wundervoll", "das beste Auto, das wir je getestet haben" - solche schmeichelhaften Beurteilungen von Journalisten hört der US-Elektroautohersteller gerne. Und ist so stolz darauf, dass er diese auf seiner US-Presseseite bewirbt.

Doch "durchschnittlich"? Ein solches Urteil ist für Tesla nicht einfach nur enttäuschend. Es ist Grund genug, kurzerhand einen Streit vom Zaun zu brechen. Der lässt die Kalifornier nicht gerade in positivem Licht erscheinen - und illustriert, wie angespannt die Lage um den Start des Model 3 in den Massenmarkt offenbar ist .

Doch der Reihe nach: Vergangenen Donnerstag hat Consumer Reports (CR), das US-Pendant zur Stiftung Warentest, einen neuen Report zur Verlässlichkeit mehrerer neuer Fahrzeuge veröffentlicht. Dieser enthielt auch die Prognose, dass Tesla neues Elektroauto Model 3 wohl eine "durchschnittliche" Verlässlichkeit aufweisen werde.

Die Mitarbeiter von CR haben allerdings bislang weder ein Model 3 gefahren noch Daten von Model 3-Fahrern zur Verfügung. Ihre Voraussage zum Model 3 beruht zum Teil auf Verbesserungen im Verlässlichkeits-Ranking von Teslas Limousine Model S, mit der das Model 3 einiges an Technologie teilt. Im Allgemeinen, so erklärt CR, erstellen die Verbraucherschützer ihre Verlässlichkeitsprognosen für neu auf den Markt kommende Modelle auch auf Basis der Hersteller-Historie und Daten aus Fahrzeugen, die wichtige Komponenten mit dem neuen Modell teilen.

"Sie scheinen nicht zu verstehen, was wir machen"

Doch das "Durchschnittlich"-Urteil für das Model 3 passte gar nicht in den Kram. Noch am Donnerstag verurteilte Tesla kurzerhand die Methoden von CR. Da fehle die "grundlegende wissenschaftliche Integrität", polterte Tesla, auch weil die CR-Beurteiler noch nicht mal ein Model 3 gefahren haben. Zudem würden Tesla-eigene Daten zeigen, dass die Auto-Beurteilungen von Consumer Reports "durchweg ungenau und irreführend" seien.

Das wiederum ließ CR nicht auf sich sitzen. In einer ausführlichen Antwort auf die Vorwürfe erklärte CR trocken, dass Tesla "miss zu verstehen scheint, was wir machen". Die jährliche Verlässlichkeits-Umfrage und deren Prognosen seien etwas "grundsätzlich" anderes als die Autotests und Bewertungen. Das Urteil "Durchschnittlich" bei der Verlässlichkeits-Bewertung sei eine eher positive Voraussage für ein ganz neu auf den Markt kommendes Auto. Zudem hat die ursprüngliche Presseaussendung zur Model 3-Verlässlichkeitsbewertung das Fahrzeug sogar als "vielversprechend" angepriesen.

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Fraglich ist dabei tatsächlich, wie weit sich von der Verlässlichkeit des Model S auf die Verlässlichkeit des Model 3 schließen lässt. Schließlich wird Teslas neuestes Modell auf einer neuen Plattform gebaut, ist technisch deutlich einfacher gehalten - und damit ein anderes Kaliber als Teslas große Limousine.

Wie weit Rückschlüsse selbst zwischen ähnlichen Modellen problematisch sein können, lässt sich zudem ausgerechnet an Teslas zweitem Modell, dem Elektro-SUV Model X, ablesen. Der teilt nicht nur die Plattform, sondern auch viel Technologie mit seiner Limousinen-Schwester. Dennoch fällt der Verlässlichkeitswert des Model X im CR-Ranking sehr schlecht aus - auch wegen anhaltender Probleme mit den Flügeltüren. Das Model S hingegen ist aktuell als "über dem Durchschnitt" bewertet.

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