Samstag, 23. Februar 2019

Zukauf von Energiespeicher-Spezialist Maxwell So macht Tesla das Rennen um den Superakku spannend

Tesla Model 3 in einem Ausstellungsraum
Christophe Gateau/dpa
Tesla Model 3 in einem Ausstellungsraum

Vor drei Wochen hat Tesla-Chef Elon Musk seinem Unternehmen eigentlich einen kräftigen Sparkurs samt Stellenabbau verordnet. Musk will so die Produktionskosten des Model 3 senken - und so auch die versprochene Model 3-Einstiegsversion für 35.000 Dollar auf den Markt bringen. Die bietet Tesla aktuell nicht an, weil jedes verkaufte Fahrzeug Verluste einfahren würde.

So gar nicht zum Spar-Appell von Musk scheint die jüngste Meldung aus Kalifornien zu passen: Tesla Börsen-Chart zeigen übernimmt für rund 218 Millionen Dollar den Batterietechnik-Spezialisten Maxwell Technologies, wie die Unternehmen am Montag bekanntgaben. Die Übernahme zahlt Tesla ausschließlich mit eigenen Aktien, das Geschäft soll im zweiten Quartal abgeschlossen sein.

Maxwell stellt sogenannte Ultrakondensatoren her, die Energiespitzen speichern und schnell abgeben können. Kondensatoren könnten als Energiespeicher der Zukunft dienen, da sie in Sekunden aufgeladen werden können. Serienreif ist ihr Einsatz als größer dimensionierter Elektroauto-Akku aber längst noch nicht. Die von Maxwell produzierten Ultrakondensatoren werden in Hybridautos eingebaut und für regenerative Bremssysteme verwendet - also nicht in Bereichen, die Tesla einen technischen Vorteil verschaffen würden.

Ist die Akquisition also eine riskante Tesla-Wette in Zeiten, in denen das Unternehmen eigentlich sparen sollte? Nein, meinen US-Analysten. Sie loben die Übernahme als "strategisch passende Akquisition mit niedrigem Risiko " oder als "perfekt passend". Denn Maxwell könnte sich als wirksame Waffe für Teslas eigene Batteriefertigung erweisen. Der übernommene Energiespeicher-Spezialist hat nicht nur Super- und Ultra-Kondensatoren im Programm, sondern auch eine sogenannte "trockene Elektrode" entwickelt und deren Produktionsprozess patentiert.

Diese Innovation könnte Tesla zu billigeren, leistungsfähigeren Batterien verhelfen und Teslas Vorsprung in der Batterieproduktion ein Stück weit absichern. Laut Maxwell sollen diese Elektroden, die ohne Lösungsmittel auskommen, die Leistung von Lithium-Ionen-Zellen deutlich verbessern und zugleich die Produktionskosten der Zellen senken. Im Januar erklärten Maxwell-Manager gegenüber Investoren, dass sie innerhalb von sechs Monaten strategische Allianzen rund um die neue Elektroden-Technologie erwarten würden.

Trockene Elektroden noch in Testphase

Das ging nun wohl mit dem Kauf durch Tesla deutlich schneller. Der kalifornische Elektroauto-Hersteller arbeitet seit Jahren daran, die Herstellungskosten für seine Batterien kontinuierlich zu senken - etwa durch den Bau der riesigen "Gigafactory"-Batteriefabrik in der Wüste von Nevada.

Bislang sind die niedrigeren Zellenkosten Teslas Wettbewerbsvorteil gegenüber traditionellen Autoherstellern. Vergangene Woche erklärte Musk bei Vorlage der Quartalszahlen, bereits die "besten Kosten der Welt" bei der Batterieerzeugung zu haben. Musk: "Unsere Kosten sind niedriger als die aller anderen, und sie verbessern sich."

Allerdings sind sie noch nicht niedrig genug, um auch die Basisversion des Model 3 mit Gewinn verkaufen zu können. Ob Maxwells Trockenelektroden Tesla in nächster Zeit tatsächlich zu niedrigeren Produktionskosten verhelfen, ist aber nicht sicher. Denn noch sind sie offenbar nicht komplett serienreif. Ein globaler Autohersteller und ein Zulieferer sollen die trockenen Elektroden bereits testen, erklärte Maxwell laut einem Bericht der "Financial Times". Die Markteinführung sei ursprünglich für das Jahr 2022 geplant gewesen. Diese Pläne könnten sich nun nach der Übernahme durch Tesla ändern.

Tesla steigt ins Rennen um Festkörper-Batterie ein

Auf Veränderungen müssen sich auch Maxwells bisherige Kunden einstellen. Zu den Käufern der Superkondensatoren zählten bislang etwa die Volvo-Mutter Geely, der US-Autohersteller General Motors Börsen-Chart zeigen, Lamborghini oder der Opel-Eigentümer PSA Peugeot Citroën Börsen-Chart zeigen. Wie weit Maxwell sie weiter beliefert, wird sich in den kommenden Monaten weisen. Bei der Komplettübernahme des deutschen Anlagenbauers Grohmann Automation stoppte Tesla innerhalb weniger Monate Aufträge zu externen Kunden. Grohmann konzentrierte sich unter Teslas Fittichen darauf, die Produktionsstraßen für Teslas Model 3 aufzubauen.

Der Maxwell-Kauf weist aber auch darauf hin, dass sich auch Tesla für die nächste Elektroauto-Batteriegeneration rüstet: Die sogenannten Feststoffakkus, die höhere Energiedichten und schnellere Ladezeiten ermöglichen sollen. Trockenelektroden gelten Branchenmagazinen zufolge als ein wichtiger Schritt auf dem Weg Richtung Festkörperbatterie, Ultrakondensatoren ebenfalls.

Das Rennen um den Superakku der Zukunft ist bereits gestartet: Toyota forscht schon länger daran und will solche Batterien Mitte der 2020er-Jahre in Serie bauen. Volkswagen hat sich beim US-Unternehmen Quantumscape eingekauft und visiert einen ähnlichen Zeitpunkt für die Serienfertigung an. Ihnen zuvorkommen wollen das britische Unternehmen Dyson und der Autoproduzent Fisker. Nun dürfte auch Tesla zu den Mitstreitern gehören - auch wenn Maxwells Elektroden zunächst für günstigere Lithium-Ionen-Akkus sorgen sollen.

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