Dienstag, 30. August 2016

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Umstieg von Diesel- auf Elektroauto Frankreich zahlt 10.000 Euro Abwrackprämie

Elektroauto Renault Zoe: Ab April kostet das Auto für Frankreichs Diesel-Umsteiger nur mehr 12.400 Euro - dank einer erweiterten Abwrackprämie

Kein Scherz: 10.000 Euro will Frankreichs Regierung Diesel-Fahrern zahlen, die auf ein Elektroauto umsteigen. Das soll die Luftqualität in Großstädten aufbessern - und die Geschäfte eines französischen Autoherstellers.

Hamburg - Bekannt waren die Pläne für die Erweiterung der großzügigen Elektroauto-Subventionen schon länger, nun sind sie offiziell: Vor wenigen Tagen hat Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal gemeinsam mit Premierminister Manuel Valls einen neuen "Öko-Fahrplan" vorgestellt.

Rund 140 Millionen Euro hat Royal für eine generöse Abwrackprämie vorgesehen, mit der sie ältere Dieselfahrzeuge von den Straßen bekommen will: Ab April erhalten Käufer, die ihr altes Dieselauto verschrotten und dafür auf ein Elektroauto umsteigen, einen Bonus von insgesamt 10.000 Euro. manager magazin online hatte über die Pläne bereits im August 2014 berichtet.

Käufer von Hybridfahrzeugen dürfen sich über einen Zuschuss von bis zu 6.500 Euro freuen. Damit stockt Frankreich seine ohnedies großzügige Kaufprämie für Elektroautos weiter auf: Schon bisher förderte Frankreich den Kauf eines Elektroautos mit einer Prämie von 6300 Euro - einer der höchsten Zuschüsse weltweit. In Deutschland gibt es eine solche Kaufprämie nicht.

"Wir müssen alte Dieselfahrzeuge eliminieren, die älter als 13 Jahre sind und keine Filter haben", sagte die Ex-Frau von Frankreichs Präsident François Hollande zur Begründung. Die Diesel-Abwrackprämie ist Teil eines ganzen Bündels an Maßnahmen, mit denen Royal den Smog in Großstädten reduzieren will. So gleicht Frankreich nun auch den Preis für Diesel und Benzin an - und macht Dieselfahrzeuge so weniger attraktiv.

Dank der Subvention können einige Elektroauto-Modelle preislich mit der Verbrenner-Konkurrenz mithalten. So wird Renaults Elektro-Kleinwagen Zoe nach Abzug der 10.000-Euro-Förderung nur mehr 12.400 Euro kosten.

Analysten rechnen damit, dass die Elektroauto-Verkaufszahlen durch die Prämie deutlich ansteigen werden. Allerdings waren Elektroautos in Frankreich trotz der schon bisher großzügigen Förderung keine Verkaufsschlager. Der Zoe kam als meistverkauftes E-Auto im vergangenen Jahr auf knapp 6000 Neuzulassungen, Nissans Leaf hielt bei 1600 Zulassungen.

Unerwarteter Feldzug gegen Dieselautos

Die volle Förderung erhalten laut den Erklärungen von Royal Besitzer eines mindestens 13 Jahre alten Dieselautos, die ihr altes Auto verschrotten lassen und dafür ein Elektroauto kaufen. Einige Details sind bisher noch offen. Klar ist laut Royals Ausführungen jedoch, dass die erweiterte Diesel-Abwrackprämie auf jeden Fall bis Ende des Jahres gilt.

Besonders attraktiv erscheint sie für Fahrer angejahrter Dieselautos, die mit der Förderung ein Vielfaches des Verkaufswerts erhalten.

Der französische Schwenk gegen die Selbstzünder kommt jedoch überraschend. Jahrelang hatte Frankreichs Regierung Diesel als sauberen Kraftstoff propagiert, da bei der Verbrennung von Diesel weniger Kohlendioxid entsteht als bei herkömmlichem Benzin. Vier von fünf Autos auf Frankreichs Straßen fahren mit Dieselmotoren. Bei neu zugelassenen Fahrzeugen sank der Anteil von Dieselmotoren allerdings zuletzt auf 64 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland hatten im Jahr 2013 rund 47 Prozent aller verkauften Neuwagen einen Selbstzünder an Bord.

Mit der aufgestockten Elektroauto-Förderung will Frankreich aber nicht nur die Luftqualität in Großstädten verbessern, sondern auch die heimische Autoindustrie fördern. Vor allem Renault Börsen-Chart zeigen setzt auf Elektroautos, bisher blieben die Absatzzahlen aber hinter den Erwartungen zurück.

Ob sich nun Franzosen nun mit dem höheren Zuschuss massenhaft für heimische E-Mobile entscheiden, bleibt fraglich. Renault etwa verkauft sein Elektroauto Zoe nur im Paket mit einer monatlichen Batteriemiete. Rund 50 Euro zahlen Zoe-Besitzer so Monat für Monat. Das schluckt einen Großteil der Ersparnisse, die durch das Tanken von günstigem Strom statt Diesel oder Benzin entstehen. Daran ändert auch die aufgestockte Abwrackprämie nichts.

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