Donnerstag, 26. Mai 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Förderung von Elektrofahrzeugen Frankreich zahlt 10.000 Euro Abwrackprämie für Diesel-Autos

Will den Verkauf französischer Elektroautos ankurbeln: Frankreichs Präsident François Hollande (Archivbild eines Wahlkampfbesuchs in einem Werk von PSA Peugeot Citroen)

Diese Abwrackprämie ist rekordverdächtig: Wer in Frankreich sein altes Dieselauto verschrottet und ein Elektrofahrzeug kauft, soll bald 10.000 Euro vom Staat bekommen. Die Aktion soll vor allem einem Modell auf die Sprünge helfen.

Hamburg - Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal hat die Pariser Kabinettsumbildung überstanden. Nun soll sie im Auftrag ihres Ex-Mannes, Präsident François Hollande, eines der ambitionierten Projekte seiner Amtszeit umsetzen: die Energiewende.

Dazu gehört - außer dem Ausbau erneuerbarer Energien und einer besseren Wärmedämmung für Häuser - eine noch radikalere Förderung von Elektroautos. Schon bisher stach die Kaufprämie von 6300 Euro pro Fahrzeug aus den sonstigen weltweiten Subventionsprogrammen heraus. In Deutschland gibt es gar keine Prämie.

Nun legt Paris noch einen drauf: Künftig sollen Besitzer von Dieselfahrzeugen, die ihren alten Wagen verschrotten, sogar 10.000 Euro bekommen, wenn sie sich dann ein Elektroauto kaufen. Zum Vergleich: Im Zuge der deutschen Abwrackprämie von 2009 gab es 2500 Euro pro verschrottetem Auto.

Das Vorhaben ist Teil des Energiewende-Gesetzes, über das das französische Parlament bald abstimmen und das 2015 in Kraft treten soll. "Alle Franzosen sollen Zugang zu einem Elektroauto haben", heißt es im Umweltministerium.

Auf diese Weise soll der weiterhin schleppende Verkauf der batteriegetriebenen Autos in Fahrt kommen. Im vergangenen Jahr kamen gerade einmal 8779 Elektroautos neu auf französische Straßen, der Marktanteil belief sich auf schlappe 0,48 Prozent und lag damit nicht wesentlich höher als in Deutschland, wo es keine Kaufprämie gibt. Und im laufenden Jahr läuft es sogar noch schlechter als 2013.

Dass ausgerechnet die Verschrottung von Dieselautos belohnt wird, überrascht. Jahrelang hatte die französische Regierung voll auf die Selbstzünder gesetzt, da sie weniger Kohlendioxid als Benziner ausstoßen. Der Diesel-Marktanteil erreichte zeitweilig mehr als 70 Prozent. Doch nicht zuletzt Smogs in Paris warfen ein Schlaglicht auf den hohen Ausstoß von Feinstaub und Stickoxid bei der Diesel-Verbrennung.

Renault soll profitieren

Die jetzige Regelung soll diese Nachteile abschwächen und zugleich die heimische Autoindustrie fördern. Vor allem Renault Börsen-Chart zeigen hat sich dem Bau reiner Elektrofahrzeuge verschrieben, ist aber hinter den Verkaufserwartungen zurückgeblieben.

Insbesondere der völlig neu konzipierte Renault Zoé findet nicht den erhofften Anklang, wenngleich er der mit Abstand beliebteste Stromer in Frankreich ist. Das Auto kostet ohne Zuschuss gut 21.000 Euro und damit deutlich mehr als ein vergleichbarer Kleinwagen mit Verbrennungsmotor.

Hinzu kommt eine Batteriemiete ab etwa 50 Euro im Monat. Diese frisst ziemlich genau die Ersparnisse auf, die beim Tanken von Strom statt Benzin oder Diesel entstehen - ein Umstand, an dem allerdings auch die zusätzliche Förderung nichts ändern wird.

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH