Sonntag, 19. August 2018

Reichlich Startkapital für Elektroauto-Start-up Evelozcity Ex-BMWler ziehen eine Milliarde für E-Auto-Schmiede an Land

Elektroauto an einer Stromtankstelle

Knapp sechs Monate nach ihrem Abgang bei Faraday Future haben die Ex-BMWler Stefan Krause und Ulrich Kranz reichlich Investorengeld für ihr eigenes Elektroauto-Projekt Evelozcity eingesammelt. Das deutete der einstige BMW-Finanzchef und Deutsche-Bank-Manager Krause gegenüber US-Medien an.

Um ein Elektroauto-Start-up in Richtung Produktion eines Fahrzeugs zu bringen, brauche man typischerweise etwa eine Milliarde Dollar, erklärte Evelozcity-CEO Krause dem Wirtschaftsmagazin "Forbes". "Das ist die Größenordnung, die man da benötigt. Wir haben Investitionen oder Zusagen für diese Art von Geldsumme". In Evelozcity investiere eine Gruppe von finanziell orientierten Geldgebern aus China, Europa und den USA, erklärte Krause - näher wollte er sich dazu nicht äußern.

Damit hätte Evelozcity ein gutes Kapitalpolster unter all jenen Start-ups, die mit neuen Elektrofahrzeugen Tesla und den etablierten Autoherstellern Konkurrenz machen wollen. Dazu zählen die Start-ups Nio, Byton und Lucid Motors, die auf Messen bereits Prototypen vorgestellt haben und überwiegend von chinesischen Investoren finanziert werden.

Wie Krause dem US-Technikblog "The Verge" erzählte, soll das erste Evelozcity-Modell bereits 2021 auf den Markt kommen. Und das wird anders als bei manchen Konkurrenten kein spurtstarker Sportwagen sein, erklärte Krause nun. Evelozcity soll von vornherein in der Preisklasse zwischen 35.000 und 50.000 Dollar Einstiegspreis antreten - mit einem ungewöhnlichen Konzept.

Das Ziel des Start-ups ist die Entwicklung einer Antriebsplattform, in der Batterie und Elektroantriebsstrang komplett integriert sind. Auf dieses "Skateboard", wie es Krause nennt, sollen dann erstmal drei verschiedene Typen von "Fahrzeugkabinen" aufgesetzt werden. So will Evelozcity innerhalb kurzer Zeit ein Pendlerauto, einen autonom fahrenden Wagen für das Fahrtenteilen in der Stadt und einen kleinen Lieferwagen anbieten - manager-manager.de berichtete bereits zum Teil von den Plänen.

Bescheidener Mitarbeiter-Stab geplant

Mindestens 400 Kilometer Reichweite sollen seine Elektrofahrzeuge haben, meinte Krause, und von sie sollen für hochautomatisiertes Fahren ausgelegt sein. Dazu will Evelozcity aber viel Technik von Zulieferern beziehen. Anders als etwa Tesla Börsen-Chart zeigen oder Faraday Future will Evelozcity keine eigenen Autofabriken betreiben, sondern die Fahrzeuge von Auftragsfertigern bauen lassen.

Evelozcity solle sich vor allem auf Design, Engineering und Vermarktung der Fahrzeuge konzentrieren, weniger auf die Autoproduktion. Deshalb meint Krause auch, mit maximal 350 Mitarbeitern bis kommendes Jahr sein Auslangen zu finden. Aktuell beschäftigt Evelozcity rund 100 Mitarbeiter.

Newsletter von Wilfried Eckl-Dorna

Technikchef von Evelozcity ist Ulrich Kranz, der Vater von BMWs Project i-Elektroautos. Für den damaligen BMW-Chef Norbert Reithofer brachte er das Elektromodell i3 auf den Markt - und zwar gegen erhebliche interne Widerstände. Kranz setzte dabei auf ein ganzheitliches Konzept, das Bioleder für die Sitze ebenso einschloss wie die Versorgung der i3-Fabrik in Leipzig mit Windstrom.

Krause und Kranz arbeiteten einige Monate als Krisenbekämpfer bei dem ins Schlingern geratene Elektroauto-Start-up Faraday Future. Im Oktober 2017 kündigten sie dort - und konnten auch einige Faraday-Manager für ihr neues Start-up gewinnen, unter anderem den ehemaligen Faraday-Designchef Richard Kim. Das nahm Faraday-Haupteigentümer Jia Yueting zum Anlass, seine Ex-Vorstände mit wüsten Anschuldigungen zu überziehen und sie zu verklagen. Gegenüber "The Verge" erklärte Krause, sich zu Details der jüngsten Klagen nicht äußern zu können.

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