Freitag, 15. Dezember 2017

Probefahrt im Solar-Elektroauto Sono Motors Sion Kräftiger Antritt, kleine Macken - so fährt das Billig-Solarauto

Sono Motors Solar-Elektroauto Sion: Dieses Billig-Elektroauto tankt beim Stehen
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Der Ort war ebenso ungewöhnlich für einen Autotest wie die damit verbundene Ansage: Kein traditioneller Autohersteller käme wohl auf die Idee, Testfahrten seines neuesten Modells fernab der Hamburger Innenstadt auf einem Gelände namens "Hit Technopark" anzubieten. Und von Anfang an vorzuwarnen, dass die Testfahrten mangels Straßenzulassung des Fahrzeugs recht kurz ausfallen müssen.

Aber bei Deutschlands ungewöhnlichstem Elektroauto-Startup Sono Motors aus München ist eben vieles anders als bei den Autoriesen - auch, was den öffentlichen Auftritt betrifft. Der ist zumindest an einem Montagmorgen eher etwas für Eingeweihte und Fans: Das Unternehmenslogo ist gerade mal auf einem kleinen Imbisswagen-Anhänger erkennbar sowie auf einem schwarzen Zelt dahinter.

Unübersehbar ist hingegen das Testfahrzeug des jungen Münchner Startups, ein Prototyp des geplanten ersten Modells "Sion": 7,5 Quadratmeter Solarzellen überziehen die Karosserie, die schwarz schimmernden Zellen bedecken das Dach, die Motorhaube und die Türen. Die solarzellenfreien Stellen dazwischen sind weiß lackiert. Damit fällt der Wagen optisch deutlich aus der Reihe zwischen all den dunkel lackierten Mittelklasse-Wagen, die auf den Firmenparkplätzen ringsum stehen.

Zwar hat der Sion laut Datenblatt eine Reichweite von 250 Kilometern. Doch wie viel davon in der Praxis überbleibt, lässt sich für die ersten Testfahrer nicht mal ansatzweise abschätzen. Denn mit dem Sion-Prototypen dürfen Testfahrer nur auf dem Parkplatz des Hit-Technoparks auf und ab düsen. Ein Ausflug auf die Straße - und sei es nur zum Wenden - ist mangels Zulassung nicht drinnen, warnt Sono-Mitarbeiterin und Eventmanagerin Anne-Sophie Scharrer. Damit bleiben weniger als 50 Meter, um die Beschleunigung des Sion zu testen - und eine Garagenauffahrt für das Anfahren am "Berg".

Im Innenraum warten bekannte Formen und Knöpfe

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Schon das Einsteigen in den Sion ist an einem Punkt ungewohnt: Der Sion-Prototyp hat keine klassischen Türgriffe, sondern Türmulden. In der Mulde muss man einen kleinen Knopf drücken, damit sich die Tür öffnet. Die ist wohl auch wegen der Solarzellen-Verschalung mehr als zehn Zentimeter dick und innen mit Hartplastik alter Schule verkleidet. Die Mulde soll auch in der Serienversion bleiben, doch die Hartplastikwüste deutlich eingedämmt werden, sagt Scharrer.

Doch sobald man hinter dem Lenkrad sitzt, den Sitz manuell eingestellt hat und auf die Digitalanzeige schaut, fühlt sich der Sion wie ein ganz normales Auto mit Elektroantrieb an. Vom Park- in den Fahrtmodus schalten die Fahrer mit einer Wippe direkt am Lenkrad, die sehr an die Schaltung in BMWs Elektroauto i3 erinnert. Diese Wippe werde zwar bei der Serienversion anders aussehen, erklärt Scharrer.

Doch insgesamt gilt: Die Sion-Entwickler haben bewusst mehrere ältere - und damit nicht mehr patentgeschützte - Bauteile traditioneller Autohersteller in dem Auto kombiniert. Dieses Formen-Durcheinander mag manche eingefleischten Fans einer einzelnen Automarke verwirren. Allen anderen hilft es wohl eher, sich schnell in dem Auto zurechtzufinden.

Allzu viel Luxus darf man sich von einem Fahrzeug, das inklusive Batterie knapp 20.000 Euro kosten soll, nicht erwarten. Doch der Innenraum hat immerhin einen sehr ungewöhnlichen Akzent: Ein Band aus luftverbessernden Moosen, das sich quer durch das Cockpit zieht, in unterschiedlichen Farben beleuchtet werden kann und recht schick wirkt.

Platz gibt es im Fahrzeug auch auf der Hinterbank reichlich, obwohl das Auto nur 4,1 Meter lang ist. Möglich macht das die Raumökonomie des Elektromotors: Der ist nämlich deutlich kleiner als ein Verbrennungsaggregat, und die notwendigen Batterien sind im Unterboden und hinter der Sitzbank untergebracht.

Dass der Sion noch mehr Konzept- als Serienauto ist, merkt man auch an dem roten Testwagen-Stoppschalter in der Mittelkonsole. Ändern will Sono in der künftigen Serienversion neben dem Hartplastik auch noch die Sitze: Die Rückbank soll etwas tiefergelegt werden, die Vordersitze sollen weniger weich, konturierter und besser einstellbar werden.

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