Donnerstag, 19. Oktober 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Ab 2018 Quote für E-Autos Chinas Vorschlag schockt deutsche Autobauer

Elektroauto der Marke Denza, einer Kooperation von Daimler mit dem chinesischen Konzern BYD

Schock für die deutsche Autoindustrie: China will ab 2018 Quoten für Elektroautos vorschreiben. Hersteller müssten so sehr rasch viele E-Autos verkaufen, sonst droht eine Produktionsdrosselung. Zwar könnten sie sich davon quasi freikaufen - doch dieser Weg hat einen gewaltigen Haken.

Radikal wie nie zuvor geht China für das Ziel vor, mehr Elektroautos auf die Straßen zu bekommen und zugleich den Markt für E-Mobilität zu besetzen. Dafür plant das Land eine Art Zertifikatsystem. Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" sollen Autohersteller künftig Kreditpunkte entsprechend ihres Absatzes im weltgrößten Automarkt vorweisen - und die gibt es für Elektrofahrzeuge. Das sehe ein Gesetzentwurf vor, der bisher unbeachtet bereits vor wenigen Wochen im chinesischen Industrie und Informationstechnikministerium erstellt worden sei.

Der Kniff des Ministeriums, mit dem der E-Autoabsatz angekurbelt werden soll, setzt die Autoindustrie kräftig unter Stress. Denn schon ab 2018 müssten Hersteller demnach für acht Prozent ihrer in China abgesetzten Wagen Kreditpunkte sammeln, also Autos mit Elektromotor verkaufen. 2019 soll der geforderte Anteil auf zehn Prozent klettern, 2020 auf zwölf. Gelingt den Herstellern dies nicht, müssten sie ihre Produktion drosseln - oder ähnlich einem Zertifikatshandel in der Energiebranche - Kreditpunkte von anderen Autoherstellern kaufen.

Die Ideen würden dafür sorgen, dass schneller als bisher E-Autos auf chinesische Straßen kommen. Zugleich könnte China seinen Herstellern so einen Vorteil verschaffen, die sich stark auf den Bau von Elektrofahrzeugen fokussieren: Können ausländische Hersteller ihre E-Auto-Quoten nicht erfüllen, wären sie eventuell gezwungen, den chinesischen Konzernen Kreditpunkte abzukaufen und sie so finanziell zu stärken.

Hoffnung auf Gabriels China-Besuch

Details sind noch unklar, doch die Sorge in der Autoindustrie ist schon jetzt hoch. Denn die Entwicklung von E-Autos ist erst spät angesprungen und der Verkauf entwickelt sich bisher nicht wie von Politikern erhofft. Bis 2030 will der Bundesrat daher einen extremen Kurswechsel und nur noch emissionsfreie Fahrzeuge in Deutschland zulassen. Auch China versucht seit Jahren den E-Autoverkauf anzukurbeln. Das Land leidet stark unter der Umweltverschmutzung seiner aufstrebenden Industrie. Für Autos mit Verbrennungsmotoren gelten daher strenge Zulassungsbarrieren.

"Noch ist nicht ganz klar, mit welchen Multiplikatoren gerechnet wird", sagte Jochen Siebert Geschäftsführer der Beratungsfirma JSC Automotive in Shanghai der "Süddeutschen Zeitung" zu den Plänen in China. "Die Unruhe in der Branche ist aber gewaltig." Gelinge es in den kommenden Wochen nicht, Pekings Vorstellungen entscheidend zu beeinflussen, müssten die großen Hersteller die chinesische Industrie mit enormen Investitionen päppeln.

Der chinesische Vorstoß wird gerade zur beginnenden Reise von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) bekannt. Gabriel brach am heutigen Montag mit einer Manager-Delegation zu einem mehrtätigen Besuch in das Land auf. Die Reise beginnt vor dem Hintergrund der jüngsten Zwistigkeiten zwischen China und Deutschland mit Blick auf geplanten Übernahmen deutscher Firmen durch chinesische Investoren. Zuletzt hatte die Bundesregierung die Übernahme des deutschen Unternehmens Aixtron durch Investoren aus China gestoppt. Zuvor bremste sie den Kauf von Osram durch Chinesen.

Die Faustformel, mit der die Konzerne derzeit laut der Zeitung kalkulierten, lautet: vier Kreditpunkte für ein Elektrofahrzeug, zwei Punkte für einen Plug-in-Hybrid. Ähnlich rechne auch Cui Dongshu, Generalsekretär der China Passenger Car Association: "Wenn zum Beispiel VW 2018 - so wie derzeit - etwa drei Millionen Autos in China verkauft, muss der Konzern 60.000 E-Autos absetzen." Bei Plug-in-Hybriden mit einer elektrischen Reichweite von 50 Kilometern seien sogar 120.000 Exemplare notwendig.

kig/Spiegel Online

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH