Freitag, 15. Dezember 2017

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Mazda schwört auf Verbrennungsmotoren "Wie Elektroautos gefördert werden, ist pervers"

Im Mazda 3 soll demnächst der neue Diesotto-Verbrennungsmotor des Herstellers eingesetzt werden

mm: Mazda ist auf dieser IAA so etwas wie ein Außenseiter unter den Autoherstellern, weil Sie kaum auf Elektroautos setzen. Warum machen Sie da nicht mit, Herr Guyton?

Jeffrey Guyton: Wir sind sehr stark der Meinung, dass der elektrische Anrieb derzeit keine Lösung ist. Schauen Sie sich nur an, wie unsere Elektrizität produziert wird, in Europa, auf der gesamten Welt: Zwei Drittel der Energie stammt aus fossilen Brennstoffen. Zu all den Abgasgesetzen, die die Emissionen eines Elektroautos mit Null ansetzen, kann ich nur sagen: Das ist eine Lüge.

Jeffrey Guyton
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    Jeffrey Guyton ist seit 2009 Europa-Chef von Mazda. Für den japanischen Autobauer ist er insgesamt seit 17 Jahren tätig. Seine Karriere begann der US-Amerikaner Guyton zuvor bei Ford.

mm: Aber für die Autoindustrie ist es doch praktisch, dass die Politik Elektroautos so behandelt. Sie können so Ihre Klimaziele einfacher erreichen.

Guyton: Das stimmt schon. Aber die Regulierung erreicht so nicht, was die Gesellschaft will, nämlich eine Verringerung der Treibhausgase. Mazda ist der Auffassung, dass die wachsende Menge von Elektrizität aus erneuerbaren Energien erstmal die dreckigste Form der Stromgewinnung ersetzen sollte, etwa aus Braunkohle. Derweil bauen wir zunächst weiter Autos mit Verbrennungsmotor.

mm: Fakt ist jedoch, dass ein Elektromotor viel effizienter arbeitet als ein Verbrenner.

Guyton: Das hilft aber wenig, wenn der Strom aus fossilen Brennstoffen erzeugt wird. Ein Beispiel: Ein Mittelklasse-Elektroauto verbraucht etwa 20 Kilowattstunden Strom auf 100 Kilometern. Stelle ich diesen Strom mit Kohle her, stößt der Wagen umgerechnet 200 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer aus. Nehme ich Gas, sind es 100 Gramm. Ein moderner Verbrennungsmotor von Mazda kommt auf einen niedrigeren Wert. Ja, Autos sollten in Zukunft elektrisch fahren. Aber nicht jetzt.

mm: Laut dem Berliner Öko-Institut verursacht ein Elektroauto in Deutschland über seine gesamte Lebensdauer schon heute ein Drittel weniger CO2-Emissionen als ein Verbrenner - wenn die Herstellung von Sprit und weitere Faktoren miteinberechnet werden.

Guyton: Eine schwedische Studie besagt dagegen, dass ein Elektroauto acht Jahre lang gefahren werden muss, bevor es besser dasteht als ein Verbrenner-Fahrzeug - weil die Batterie-Herstellung so energieintensiv ist.

mm: Wenn das Elektroauto 15 Jahre oder länger gefahren wird, ist das doch gar nicht so schlecht.

Guyton: Das mag so sein. Aber die Elektroautos werden ja besser, in 10 bis 15 Jahren lohnen sie sich viel stärker.

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