Donnerstag, 24. Mai 2018

Elektroauto-Pionier steuert auf finanzielle Schieflage zu Tesla verbrennt 6500 Dollar - pro Minute

Tesla-Chef Elon Musk

Die Schulden: hoch. Die Geldvorräte: beinahe aufgebraucht. Der Umsatz je Arbeitskraft: deutlich geringer als bei der Konkurrenz. Und das Gesamturteil über Tesla-Boss Elon Musk fällt vernichtend aus: Keiner Chef eines US-Unternehmens macht's riskanter.

Es ist eine böse Abrechnung zu den vielen Risiken bei Tesla, die zwei Reporter des US-Nachrichtendiensts Bloomberg zusammengetragen haben. "Tesla verbrennt keinen Treibstoff, es verbrennt Geld" heißt die Story, die auf der Bloomberg-Website erschien - und deren Publikationsdatum kein Zufall ist. Denn am 2. Mai legt Tesla Börsen-Chart zeigen neue Zahlen vor. Bloomberg will Analysten wohl einige mögliche Fragestellungen mit auf den Weg geben - und nicht nur das. Der US-Finanzdienstleister mit angeschlossener Nachrichtenagentur wirft eine durchaus berechtigte Frage auf: Wie viel Risiko steckt im Unternehmen Tesla, und wie groß sind die Gefahren? Die Antworten fallen teils eher beunruhigend aus.

Zuletzt hat Tesla seine eigenen Produktionsziele für sein Massenmodell Model 3 mehrfach verfehlt. Teslas Aktienkurs hat seit September um gut ein Viertel nachgegeben. Unternehmenschef Elon Musk hatte sich nach einem tödlichen Unfall mit Autopiloten zuletzt ziemlich öffentlich mit US-Behörden gestritten.

Bloomberg liefert nun anhand mehrerer Zahlen mögliche Gründe für Musks Nervosität: Tesla steuere in diesem Jahr auf grobe Finanzierungsprobleme zu. Laut von Bloomberg erhobenen Daten verbrennt Tesla aktuell 6500 Dollar - und zwar pro Minute.

In den vergangenen fünf Quartalen sei der freie Cash-Flow durchgehend negativ gewesen. Wenn Tesla so weitermache und keine zusätzlichen Finanzierungsrunden fahre, sei das Risiko hoch, dass dem 15 Jahre alten Unternehmen in diesem Jahr das Geld ausgehen könnte.

40.000 Mitarbeiter machen nur wenig Umsatz

Doch Bloomberg warnt nicht nur vor Finanzproblemen. Tesla sei im Vergleich zu traditionellen Autoherstellern derzeit nicht effizient genug. Das Unternehmen habe aktuell 40.000 Mitarbeiter. Im Jahr 2017 habe sich die Zahl der Arbeitskräfte durch den Aufbau der Model 3-Produktion und die Übernahme von SolarCity-Angestellten sogar verdoppelt. Das Problem dabei: Gemessen am Umsatz je Angestellten seien selbst traditionelle Autohersteller aktuell deutlich besser als Tesla: General Motors und Ford etwa setzen je Mitarbeiter aktuell 2,5 Mal mehr um als Tesla.

Tesla hat zwar zuletzt verkündet, in diesem Jahr die Finanzmärkte nicht um frisches Geld angehen zu müssen. Doch von Bloomberg befragte Finanzexperten bezweifeln das: Sie vermuten, dass Tesla in diesem Jahr noch weitere zwei bis drei Milliarden Dollar an Finanzmitteln aufstellen muss. Möglich wäre das etwa durch die Ausgabe neuer Aktien.

Bei Tesla ist Musk selbst der größte Aktionär

Und auf noch etwas weist Bloomberg deutlich hin: Bei keinem anderen Autohersteller - ob aufstrebender Elektroantriebs-Spezialist oder mit Jahrzehnten Erfahrung - besitzt der CEO einen ähnlich großen Anteil am Unternehmen wie bei Tesla.

Zuletzt haben die Tesla-Anteilseigner einem neuen Vergütungsplan für Musk zugestimmt, der ihn im Erfolgsfall um 2,6 Milliarden Dollar reicher machen wird. Was darin allerdings ebenfalls enthalten war: Musk kann dadurch seine Anteile an Tesla weiter aufstocken. Wenn es Musk gelingt, Teslas Marktkapitalisierung auf 650 Milliarden Dollar hochzutreiben, könnte er im Extremfall 28 Prozent an Tesla besitzen - ein Anteil, der dann 184 Milliarden Dollar schwer wäre.

Der neue Vergütungsplan bietet Musk einen hohen Anreiz, Tesla treu zu bleiben - und er steht mit einem hohen Anteil seines Privatvermögens für den Erfolg von Tesla ein. Kein anderer Chef eines börsennotierten Unternehmens sei bereit, so viel persönliches finanzielles Risiko einzugehen, argumentiert Bloomberg deshalb.

Noch ist Tesla nicht gescheitert - im Gegenteil, das Unternehmen ist mit seinen Elektroauto-Modellen weit gekommen. Tesla produziert und verkauft jährlich zehntausende Model S und X, deren Erfolg hat die etablierten Autohersteller aufgeschreckt. Bei der Massenfertigung des Model 3 kämpft Tesla zwar weiterhin mit erheblichen Problemen - doch auch die dürften in den kommenden Monaten nicht unlösbar sein.

Doch der Bloomberg-Artikel zeigt anschaulich, welche Risiken Elon Musk dafür eingeht - und dass die Gefahr des Scheiterns durchaus gegeben ist. Das kann man je nach eigenem Standpunkt klassisches Unternehmertum nennen - oder eben Hasardeur-Taktik.

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH