Montag, 18. Juni 2018

Andere Strategie als Rivale Bosch Conti hält Hoffnung auf eigene Zellproduktion hoch

Ein Bild der Vergangenheit: Die Batteriezellen-Produktion bei EAS in Nordhausen (Thüringen) war im Sommer 2017 eingestellt worden

Continental gründet ein Joint Venture für 48-Volt-Batterietechnik mit einem Zellenhersteller aus China. Der Autozulieferer baut damit sein Geschäft mit Batterien aus. Wichtiger noch: Die Hannoveraner bekräftigen im Gegensatz zum Markführer Bosch ihre Bereitschaft, in eine eigene Produktion von hochleistungsfähigen Festkörper-Batteriezellen einzusteigen.

Im Gegensatz zum Wettbewerber Bosch will der Autozulieferer Continental sein Geschäft mit Batterien deutlich ausbauen. Die Hannoveraner wollen ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem chinesischen Zellenhersteller CITC (Sichuan Chengfei Integration Technology) gründen und 48-Volt-Systeme für die Autoindustrie entwickeln und produzieren, kündigte Continental am Mittwoch an.

Conti werde 60 Prozent an dem Joint Venture halten, der Rest liege bei CITC. Zielmärkte sollen neben China auch andere asiatische Länder, Europa und Nordamerika sein. Der Start des gemeinsamen Unternehmens ist für Mitte dieses Jahres angekündigt. Conti und CITC wollen die Firma zum führenden Anbieter im weltweiten Markt für 48-Volt-Batteriesysteme entwickeln. Die 48-Volt-Technik gilt als wichtiger Baustein für den Ausbau der Elektromobilität.

Fast wichtiger noch: Der Dax-Konzern bekräftigte seine Bereitschaft, im Bereich der Hochvolt-Batteriesysteme in die Produktion von Festkörper-Batteriezellen einzusteigen. Diese Akkus werden nach Überzeugung einer Reihe von Experten die derzeit gebräuchliche Lithium-Ionen-Technologie ablösen. Bei höherer Energiedichte und möglichst niedrigerem Preis gelten Festkörper-Batterien für diese Experten auf mittlere Sicht als entscheidende Technologie, die Elektroautos und der Elektromobilität zum Durchbruch verhelfen sollen.

Conti-Chef Elmar Degenhart hatte im Interview mit der "Automobilwoche" unlängst erklärt: "Wir können uns gut vorstellen, in die Herstellung innovativer Batterien einzusteigen". Darunter versteht Degenhart in erster Linie eben Festkörper-Batterien.

Conti geht damit zumindest optional einen anderen Weg als der Wettbewerber Bosch. Der weltweit größte Autozulieferer hatte Ende Februar klar formuliert, kein Geld mehr in die Forschung oder Fertigung von Batteriezellen investieren zu wollen.

Der Chef der Bosch-Autosparte Mobility Solutions, Rolf Bulander, hatte seinerzeit erklärt: "Wir müssen die Zelle technisch verstehen, wir müssen sie nicht fertigen". Bosch werde auch ohne eigene Produktion als Zulieferer eine führende Rolle in der Elektromobiltität spielen, zeigte sich Bulander überzeugt. Ähnlich argumentieren deutsche Autobauer, die keine eigene Batterie fertigen, sich allenfalls mit eher symbolischen Beträgen an dem Aufbau einer möglichen Gigafactory beteiligen.

Dabei gab und gibt es nicht wenige Vertreter in der Politik oder auf Seiten der Arbeitnehmervertreter der Auto- und Chemieindustrie, die vehement für eine eigene Zellfertigung in Deutschland oder zumindest Europa votieren. Gilt die Zelle doch als Herzstück der Batterien für Elektroautos. Von der Beschaffenheit der Zelle hängen Leistung, Energiedichte und Ladefähigkeit der Batterie ab. Wer die Zelle nicht beherrsche oder produziere, werde als Autobauer oder Zulieferer im Wettbewerb künftig das Nachsehen haben.

Die Akkus von Elektroautos machen über alle Modellklassen hinweg etwa ein Viertel des Kaufpreises aus. Der Markt wird auf rund 250 Milliarden Euro geschätzt - Geschäft, das jetzt wohl noch stärker asiatische Hersteller an sich ziehen werden, sagen Branchenanalysten voraus. Sie befürchten zugleich eine wachsende Abhängigkeit der deutschen Autobauer von asiatischen Zulieferern und Batterieherstellern. Die Zellproduktion dominieren die japanische Panasonic, die südkoreanische LG Chem und Samsung sowie einzelne chinesische Hersteller.

mit dpa

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