Mittwoch, 17. Oktober 2018

Wie sich das Elektroauto-Start-up Byton positioniert "Ein Smart Device auf Rädern - das ist das Neue"

Erster Elektro-SUV-Prototyp von Byton: Das Serienmodell soll fast ident sein, heißt es bei dem Start-Up

Das chinesische Start-up Byton will ab Ende 2019 mit einem Elektro-SUV den deutschen Luxusmarken Mercedes, BMW und Audi in die Parade fahren - zuerst in China, dann in den USA und Europa. Byton-Chef Carsten Breitfeld erläutert, warum er nichts von Beschleunigungsrekorden hält, wie sein Geschäftsmodell aussieht - und wie er die Produktionsprobleme seines Konkurrenten Tesla vermeiden will.

Mailänder Designmesse statt Autosalon, eine Galerie im Hinterhof statt hellerleuchteter Drehteller: Für die Europa-Premiere seines Elektro-SUV-Prototypen hat das chinesische Start-up Byton gezielt einen unkonventionellen Ort ausgesucht. Bereits Ende 2019 soll das erste Byton-Modell in China auf den Markt kommen. Anfang 2020 soll der Wagen dann in den USA erhältlich sein, Ende 2020 auch in Europa.

Geführt wird das Unternehmen, dessen Name sich von "Bytes on Wheels" ableitet, von Autoleuten mit viel Erfahrung: Byton-CEO Carsten Breitfeld arbeitete mehr als 20 Jahre lang für BMW und leitete dort zuletzt die Entwicklung des Hybridsportwagens i8. Seit März 2016 baut er Byton auf. Aktuell hat das Start-up rund 600 Mitarbeiter, Ende des Jahres sollen es 1400 an den sechs Unternehmensstandorten in China, München und im Silicon Valley sein. Von BMW hat Breitfeld einige Mitstreiter mitgebracht, auch frühere Tesla- und Google-Mitarbeiter sind im Führungsteam. In Mailand trat der 54-jährige Breitfeld leger in Jeans, weißem Hemd und sportlicher Strickjacke auf. Doch seine Pläne sind ebenso ambitioniert wie selbstbewusst.

Byton-Chef Carsten Breitfeld

manager-magazin.de: Herr Breitfeld, das erste Byton-Modell soll zum Basispreis von 45.000 Dollar eine Reichweite von rund 400 Kilometern und 300 PS bieten. Im Vergleich zu den geplanten Elektrofahrzeugen von Daimler, Porsche oder VW, aber auch chinesischen Elektroauto-Start-ups ist das eher bescheiden. Weshalb fangen sie so zurückhaltend an?

Carsten Breitfeld: Wir sehen den Elektroantrieb nicht als großes Unterscheidungsmerkmal. Wir werden eine gute Performance mit entsprechendem Drehmoment bieten. Unsere Beschleunigung wird gut sein, aber nicht überragend. Die Frage ist doch, ob man rund um Fahrverhalten und Beschleunigung noch eine Marke aufbauen will. Da gibt es schon BMW, die sich darauf fokussieren und Freude am Fahren versprechen oder Audi, die Vorsprung durch Technik postulieren. Wir werden ein Auto anbieten, das ein tolles Design und dieselbe Qualität wie die deutschen Premiummarken hat. Doch unsere Marke soll sich auf das Nutzererlebnis konzentrieren, das wir unseren Kunden bieten. Unser Auto wird ein "Smart Device" sein mit einem Riesen-Bildschirm, mit intuitiver Bedienung, Highspeed-Konnektivität, großzügigem und variablem Innenraum. Das ist das wirklich Neue.

mm.de: Klassische Autohersteller verkaufen ihre Autos über Autohäuser, der Elektroautohersteller Tesla setzt auf eigene Stores in Innenstädten. Geht Byton da einen Mittelweg - oder einen ganz eigenen?

Breitfeld: Wir werden unsere Autos als Hersteller direkt verkaufen, also ohne Händler. Würden wir über Handelsorganisationen gehen, klappt unser Ansatz nicht, ein Smart Device auf Rädern zu verkaufen. Ein Teil unseres Geschäftsmodells ist ja, den Kunden ein Endgerät auf Rädern zu verkaufen. Dieses Endgerät ist eine Plattform, mit der wir unseren Kunden zusätzliche Leistungen, Dienste und digitale Services verkaufen wollen. Kunden werden sich etwa Apps von außen herunterladen, und als Betreiber der Plattform wollen wir - wie ein App Store - daran mitverdienen. Das geht nur, wenn wir direkte Geschäftsbeziehungen zu Kunden haben und nicht den Umweg über Händler gehen.

mm.de: Das heißt, sie werden wie Tesla eigene Marken-Stores aufbauen?

Breitfeld: Da wird es verschiedene Kanäle geben. Über unsere Website werden Kunden ihr Auto komplett konfigurieren und bestellen können. Wir werden auch mobile Verkaufsagenten einsetzen, die zu den Kunden nach Hause kommen. Unsere Teams werden eine Virtual Reality-Brille mitbringen. Damit können sie das Auto komplett konfigurieren, erleben und ordern. Zudem werden wir auch eigene Markengeschäfte haben. Der erste Byton-Store wird Ende 2018 im Zentrum von Shanghai eröffnen.

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