Dienstag, 20. November 2018

Baggerbauer investiert in E-Auto-Startup Fisker Caterpillar will im Superakku-Rennen mitmischen

Fisker E-Motion: Ab 2020 soll der Wagen mit leistungsstarker Festkörper-Batterie erhältlich sein

Sie sind übermannshoch, mehrere Tonnen schwer und kommen oft in eher entlegenen Regionen zum Einsatz: Mit Planierraupen und Schaufelbaggern erwirtschaftet der weltgrößte Baumaschinenhersteller Caterpillar Milliardenumsätze. Nebenher produziert Caterpillar auch Diesel- und Gasmotoren.

Der Einsatz von Elektroantrieben und Akkus für solch schweres Gerät erscheint noch ziemlich fern. Doch Caterpillar Börsen-Chart zeigen, dessen Aktienkurs zuletzt wegen enttäuschender Gewinnprognosen kräftig nachgab, will sich dennoch die Türen Richtung Elektromobilität offenhalten. Der US-Industrieriese investiert in ein Unternehmen, das seinen Investoren einen Schnellstart bei der nächsten Generation von Elektroauto-Akkus verspricht.

Über seine Tochter Caterpillar Ventures steigt der amerikanische Baumaschinen-Konzern als strategischer Investor bei dem Elektroauto-Startup Fisker Inc. ein, wie beide Unternehmen bekanntgaben. Wie hoch das Investment bei Fisker ausfällt, verrät die Pressemitteilung nicht. Üblicherweise steckt Caterpillar Ventures Beträgen zwischen 0,5 und 5 Millionen Dollar in Startups, wie sich der Website des Investmentarms entnehmen lässt.

Immerhin ist die Stoßrichtung klar: Fisker und Caterpillar seien in fundamental verschiedenen Branchen tätig, erklären die beiden Unternehmen klar. Die Zusammenarbeit mit Caterpillar ziele auf Anwendungen im Bauwesen, beim Speichern von Energie, dem Transportwesen und im Bergbau ab.

Und dabei dürfte es wohl vor allem um den Einsatz neuartiger, besonders leistungsfähiger Batterien gehen. Denn Fisker sieht sich selbst als Unternehmen, das der nächsten Generation von Elektroauto-Batterien zum Durchbruch verhelfen will.

Das vom Autodesigner Henrik Fisker vor zwei Jahren gegründete Unternehmen hält mehrere Patente auf Festkörper-Batterien. Dieser Akkutyp gilt als sicherer und leistungsfähiger als die bisher üblichen Lithium-Ionen-Speicher. Deutlich schneller laden lassen sie sich auch. Doch bislang funktionieren die Festkörper-Akkus nur im Labor, Forschern zufolge überstehen sie aktuell nur ein paar Dutzend Ladezyklen.

Fisker verspricht neuen Batterietyp bereits ab 2020

Fisker meint jedoch, beim Weg Richtung Serienfertigung von Festkörper-Batterien weit weit vorne zu liegen. Bereits in zwei Jahren will Fisker ein Elektroauto mit einem Festkörper-Akku auf den Markt bringen - es soll mit einer Batterieladung bis zu 900 Kilometer weit fahren und sich innerhalb von zehn Minuten voll aufladen lassen. Zum Vergleich: Ein Tesla Model S kommt in Topversion bestenfalls 630 Kilometer weit mit einer Akkuladung, seine Akkus lassen sich in 30 Minuten zu 80 Prozent laden.

Die Serienreife seiner Festkörper-Batterien will Fisker nach eigenen Angaben zügig unter Beweis stellen - in einem Elektroauto. Einen passenden Fahrzeug-Prototypen, den EMotion, hat Fisker Anfang 2018 vorgestellt. Verkauft werden sollte der Wagen ursprünglich bereits ab 2019 - zunächst mit Lithium-Ionen-Akkus. Doch den Marktstart hat Fisker vor kurzem nach hinten verschoben. Er will den Wagen ab 2020 gleich mit Festkörperbatterien in Serie bauen und ausliefern.

Gelingt ihm das, wäre er mit seinem neuen Akkutyp um Jahre früher auf dem Markt als die großen Player: Toyota, Volkswagen und Renault-Nissan arbeiten ebenfalls an Festkörper-Akkus, sehen die Serienreife für die neuen Energiespeicher aber frühestens ab 2025. Auch der Staubsaugerhersteller Dyson mischt im Rennen um den neuen Batterietyp mit: Dyson hat bekanntgegeben, eine Elektroauto-Fabrik in Singapur zu bauen. Die Dyson-Elektroautos sollen ab 2021 auf den Markt kommen, zunächst mit herkömmlichen Lithium-Ionen-Akkus. Doch Dyson will innerhalb weniger Jahre ebenfalls Feststoff-Batterien in seinen Autos verbauen.

Die Ankündigungen Fiskers betrachten viele in der Branche jedoch mit Skepsis. Bislang hat Fisker noch keinen Prototypen mit Feststoff-Batterien an Bord vorgestellt. Zwar hat Fisker mehrere Patente eingereicht - doch worin sein technologischer Vorsprung gegenüber den etablierten Autoherstellern besteht, lässt sich daraus noch nicht ableiten.

Zudem ist Fisker bereits einmal mit einem Elektroauto-Projekt gescheitert. Im Jahr 2009 stellte der frühere Autodesigner das Hybrid-Elektrosportlimousine Fisker Karma vor. Der elegant designte Plugin-Hybrid war kurze Zeit das Lieblingsgefährt von Hollywood-Größen. Qualitäts- und Fertigungsprobleme ließen das Unternehmen aber schnell scheitern: Von dem Wagen wurden zwischen 2011 und 2012 nur rund 2000 Stück produziert, bevor das Unternehmen Insolvenz anmeldete. Im Jahr 2014 wurde die Reste von der chinesischen Wanxiang-Gruppe übernommen, die den Wagen als "Karma Revero" mit leicht verändertem Design nun weiterproduziert.

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