Sonntag, 25. September 2016

Elektroauto-Boom findet woanders statt Alternative Antriebe? Nicht mit den Deutschen

Die größten Märkte für Elektroautos: Deutschland verliert den Anschluss
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REUTERS

Bisher war es immer nur ein Drohszenario. Die chinesischen Autohersteller laufen der westlichen Konkurrenz den Rang ab, und zwar gleich mit der Zukunftstechnik Elektromobilität, der sich beide Seiten erst nähern müssen. Oft kam die Ansage, bisher ohne von Taten gefolgt zu werden.

Doch jetzt sind sie da. Unter den zehn meistverkauften Elektroautos des Jahres 2015 finden sich vier aus chinesischer Herstellung - und zwar nicht von den üblichen Joint-Ventures mit Volkswagen, General Motors und Co., sondern von Startups mit exotischen Namen wie BYD, Kandi oder Zotye. Bisher reichen ihnen Verkaufserfolge auf dem Heimatmarkt, der sich im vergangenen Jahr trotz des schwächeren Wirtschaftswachstums verdreifachte.

Mit knapp 189.000 neu zugelassenen E-Mobilen hat China nicht nur den USA den Rang als "neuer Leitmarkt für Elektromobilität" abgelaufen, sondern "schickt sich an, auch als Leitanbieter aufzusteigen", heißt es in einer neuen Analyse von Auto-Professor Stefan Bratzel vom Center for Automotive Management.

Deutschland hingegen werde seinem Anspruch mit Nationaler Plattform und regierungsamtlichen Millionen-Absatzziel nicht gerecht, obwohl auch die hiesigen Hersteller in Elektroantrieben das Zukunftsthema Nummer eins sehen. Die Deutschen halten Benzin und Diesel die Treue. Alternative Antriebe wie Erdgas oder Flüssiggas sind auf dem Rückzug und auch E-Mobile trotz hoher Wachstumsraten immer noch nur ein Nischenthema.

Kleine Staaten ohne Autoindustrie stellen Deutschland in den Schatten

Anders sieht es in Ländern aus, die Elektroautos längst so üppig subventionieren, wie es in Deutschland erst kontrovers diskutiert wird. So erneuerte am Mittwoch Wirtschaftsminister Gabriel seine Forderung nach einer Kaufprämie für E-Autos, was Verkehrsminister Dobrindt prompt zurückwies.

Die vom Blog EV-Sales zusammengestellten weltweiten Absatzzahlen zeigen, wie stark die erfolgreichen Hersteller von Elektroautos auf einen großen Absatzmarkt in ihrer Heimatbasis angewiesen sind.

Analog zu den Chinesen ist Teslas Börsen-Chart zeigen Model S der Bestseller in den USA, Mitsubishi Börsen-Chart zeigen und Nissan Börsen-Chart zeigen führen in Japan, Renault Börsen-Chart zeigen mit seinem Strom-Kleinwagen Zoe in Frankreich. Eine wirklich offene Bühne bieten lediglich die kleineren Länder, die keine oder nur eine kleine eigene Autoindustrie haben und unbefangen mit großzügiger Förderung alternativer Antriebe experimentieren. Vor allem die Niederlande und Norwegen stellen das viel größere Deutschland mit ihren Absatzzahlen in den Schatten.

Der BMW i3 als deutsches Vorzeigemodell unter den batterieelektrischen Fahrzeugen kann zwar hier und da punkten, aber nirgends als Marktführer - nicht einmal im kleinen deutschen Markt. Dort stiehlt ihm der Kia Soul die Show. Die Koreaner verbuchen hierzulande allerdings überwiegend taktische Neuzulassungen, wie Recherchen von manager-magazin.de ergeben haben. Viele der Autos werden als junge Gebrauchtegleich nach Norwegen weitergereicht.

Die größten Elektroauto-Märkte der Welt - und die dortigen Bestseller


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