Freitag, 15. Dezember 2017

Nissan verkauft seine Akku-Sparte Nissan wendet sich vom Tesla-Ansatz ab

Nissan Leaf: Bald mit Akkus, deren Fertigung von einem chinesischen Finanzinvestor kontrolliert wird

Von einer vertikalen Integration von Batterie- und Elektroautoproduktion, wie sie Tesla Motors propagiert, hält der japanische Autohersteller Nissan offenbar nichts mehr: Die Japaner verkaufen ihre komplette Batteriefertigung inklusive aller zugehörigen Werke an einen chinesischen Finanzinvestor.

Während der US-Elektroautobauer Tesla den Vollausbau seiner eigenen "Gigafactory"-Batteriefabrik vorantreiben und so die Kosten für die Akkus senken will, wendet sich Nissan nun von dieser Strategie ab - und will sich künftig auf die Fahrzeugentwicklung konzentrieren.

Es ist eine Kehrtwende, die auch den deutschen Autoherstellern zu denken geben dürfte. Denn hierzulande wird immer wieder die Forderung nach einer herstellereigenen Fertigung von Lithium-Ionen-Zellen laut - die Japaner glauben offenbar nicht mehr dran.

Dabei sind Nissan und sein Partner Renault alles andere als eine kleine Nummer im Elektroauto-Geschäft: Die japanisch-französische Autohersteller-Allianz verkaufte im ersten Quartal weltweit 36.723 Elektroautos und damit um gut 50 Prozent mehr Stromer als der kalifornische Konkurrent Tesla.

Das nicht mehr taufrische Modell Nissan Leaf, dessen Neuauflage im September auf den Markt kommt, war noch im Mai das weltweit meistverkaufte Elektroauto. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres verkaufte Nissan weltweit 21.888 Leafs, wie die Autozähler von EV Sales ermittelten, Teslas Model S kam im selben Zeitraum auf 18.720 verkaufte Fahrzeuge.

Kaufpreis für Chinesen dürfte bei rund einer Milliarde Dollar liegen

Die vergangenen zehn Jahre hat Nissan seine Elektroautos mit Akkus aus eigener Jointventure-Produktion verkauft. Doch offenbar sehen die Japaner darin keinen großen Wettbewerbsvorteil mehr. Denn nun schlagen sie ihre seit 2007 aufgebaute Produktion von Lithium-Ionen-Zellen und Batteriepacks komplett los.

Zuerst werde Nissan die Batteriesparte vom bisherigen Partner NEC komplett übernehmen und dann an die Beteiligungsgesellschaft GSR Capital weiterreichen, teilte das Unternehmen mit. Finanzielle Details gab Nissan nicht bekannt. Aus Kreisen verlautete ein Kaufpreis von umgerechnet rund einer Milliarde US-Dollar (850 Mio Euro), wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider berichtete.

Der japanische Elektronikkonzern NEC verbucht aus dem Verkauf von 49 Prozent seiner Anteile an dem 2007 gegründeten Gemeinschaftsunternehmen mit Nissan einen operativen Gewinn von rund 10 Milliarden japanischen Yen (76 Millionen Euro).

Konzentration auf Entwicklung von "marktführenden" E-Autos

Bislang hatte Nissan gemeinsam mit NEC eigene Batteriewerke im US-Bundesstaat Tennessee und im englischen Sunderland betrieben. Den Verkauf begründet Nissan-CEO Hiroto Saikawa damit, dass sich so die Wettbewerbsfähigkeit von Nissans Elektroauto-Sparte verbessere. Der Verkauf ermögliche es der Nissan-Batteriesparte, das Netzwerk und die globalen Investitionen von GSR zur Erweiterung seiner Kundenbasis zu nutzen.

Die einstige Batteriesparte werde aber ein wichtiger Partner für Nissan bleiben, betonte Saikawa in einer Mitteilung. Bloß werde sich Nissan zukünftig stärker auf das Design und die Herstellung von "marktführenden elektrischen Fahrzeugen" konzentrieren.

Mit anderen Worten: Offenbar ist die Produktion von Zellen für Nissan ausschließlich für seine eigenen Fahrzeuge bislang kein besonders gewinnversprechendes Geschäft. Bis Ende des Jahres soll der Deal abgeschlossen werden, sofern die Kartellbehörden zustimmen.

Für Autobauer stellt sich zunehmend die Frage, ob sie Batterien - und insbesondere deren Zellen - für künftige E-Autos selbst entwickeln und produzieren wollen. Die größten Hersteller von Elektrobatterien sitzen in Asien, insbesondere in China ist die Aufbruchsstimmung bei Elektroantrieben groß. Daimler, BMW und VW haben schon oder planen derzeit Batteriefertigungen in der Nähe ihrer Produktionsstätten - der Transport schwerer Akkus aus anderen Weltregionen gilt als teuer.

mit Material von dpa

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