Freitag, 20. Juli 2018

Premiere von Elektro-SUV e-tron abgesagt Stadler-Verhaftung vermasselt Audis großen Elektro-Aufschlag

Audi e-tron: Die für Ende August geplante Präsentation des 80.000 Euro teuren Elektro-SUV wird verschoben

Monatelang hatten Audi-Topmanager für diesen Termin getrommelt. Noch Anfang Mai erklärte Rupert Stadler, dass sich Audi "vor dem Höhepunkt des größten Modellfeierwerks der Unternehmensgeschichte" befinde. Der sollte am 30. August 2018 erreicht sein: Da wollten die Ingolstädter auf dem "Audi Summit" in Brüssel die Serienversion des Elektro-SUV Audi e-tron präsentieren, der im dortigen Audi-Werk von den Bändern rollen und Ende 2018 in den Handel kommen sollte.

Doch aus dem großen Aufschlag, mit dem Audi laut Stadler in das Elektro-Zeitalter starten sollte, wird nun vorerst nichts. Eine Woche nach der Verhaftung des Audi-Chefs haben die Ingolstädter die Weltpremiere ihres Elektro-SUV nun mit einer kurzen Mitteilung abgesagt - offiziell aus "organisatorischen Gründen", wie die "Automobilwoche" berichtet.

Der Audi-Gipfel, eine Mischung aus Neuheiten-Präsentation und Händlertagung, soll nun zu einem späteren Zeitpunkt in den USA nachgeholt werden, ließ Audi dem Bericht zufolge verlauten.

Die Absage ist durchaus nachvollziehbar, auch wenn die offizielle Begründung vorgeschoben wirkt: Schließlich sitzt der langjährige, aktuell beurlaubte Audi-Chef Stadler weiterhin in Untersuchungshaft, vor kurzem wurde er von Ermittlern vernommen. Wann er freikommt, ist noch nicht abzusehen. Die Automarke befindet sich seit der Verhaftung ihres Vorstandsvorsitzenden in Aufruhr. Dass Audi-Interimschef Bram Schot da erstmal die Lage beruhigen will und deshalb den großen öffentlichen Auftritt meidet, ist durchaus verständlich.

Nun zieht Daimler mit seiner EQ-Premiere im Dezember an Audi vorbei

Doch unangenehm ist die Absage für Audi allemal. Denn der Event in Brüssel sollte den deutschen Rivalen beweisen, dass die Ingolstädter im Rennen um Elektroautos vorne liegen. Schließlich hat sich Audi mächtig ins Zeug gelegt, um vor Mercedes und BMW mit der Serienproduktion von reinen Elektroautos mit mehreren hundert Kilometern Reichweite zu starten. Audis e-tron, der mit einer Akkuladung 400 Kilometer weit fährt und ab 80.000 Euro kosten wird, soll bereits Ende 2018 in den Handel kommen.

Damit wäre Audi um einige Monate früher als die Konkurrenz aus Stuttgart. Daimler bringt seine ersten EQ-Elektroautos erst im kommenden Jahr zu den Händlern. Allerdings überholen die Schwaben Audi nun in einem wichtigen Punkt: Bei der Präsentation ihres Elektroauto-Hoffnungsträgers sind sie nun definitiv früher dran als Audi.

Denn wenige Stunden bevor Audi seinen Gipfel absagte, haben die Stuttgarter zur Weltpremiere ihres ersten Modells der Elektroauto-Submarke EQ geladen. Daimler stellt den Wagen am 4. September in Stockholm vor.

Folgen Sie Wilfried Eckl-Dorna auf twitter

Dabei hat Audi ambitionierte Ziele für Elektroautos - und wohl auch einen engen Zeitplan. Im März erklärte der damalige Audi-Chef Rupert Stadler gegenüber manager magazin, bereits 2021 rund 200.000 Elektroautos verkaufen zu wollen. Ab 2025 will Audi weltweit jährlich 800.000 Elektroautos und Plugin-Hybride werden, präzisierte die Vier-Ringe-Marke vor wenigen Wochen. Bei dieser Marschroute können sich die Ingolstädter wohl kaum lange Verzögerungen leisten.

e-tron-Präsentation soll "binnen weniger Wochen" nachgeholt werden

Kein Wunder also, dass der Gipfel schnell nachgeholt wird. Er soll "binnen weniger Wochen" nach dem ursprünglichen August-Termin in den USA stattfinden und auf jeden Fall noch in diesem Jahr, erklärte ein Audi-Pressesprecher auf Nachfrage von manager-magazin.de. Vermutlich, so heißt es bei Audi, wird der E-Tron nun von Entwicklungsvorstand Peter Mertens und dem Interim-CEO Bram Schot präsentiert, der zuvor das Vertriebsressort leitete. Dass Entwicklungs- und Vertriebschefs neue Elektroauto-Modelle präsentieren, sei bei Wettbewerbern durchaus üblich.

Newsletter von Wilfried Eckl-Dorna

Die USA habe Audi als Alternative für die e-tron-Präsentation gewählt, weil insbesondere Kalifornien ein Vorreiter bei Elektromobilität sei und das Auto da gut hinpasse. Und anders als wohl Stadler selbst müssen weder der Audi-Technikvorstand noch Interims-CEO Bram Schot den Zugriff von US-Behörden fürchten: Mertens wechselte erst im Mai 2017 zu Audi, davor war er unter anderem für Volvo, Jaguar Land Rover und General Motors tätig.

Abraham "Bram" Schot ist seit September 2017 im Audi-Vorstand, zuvor arbeitete zwar von 2012 bis 2017 für Volkswagen. Dort war er allerdings für das Marketing im Nutzfahrzeugbereich zuständig, mit Motorenentwicklung hatte er nie zu tun. Beide gelten deshalb in Sachen Abgasskandal als unbelastet.

Audi stellt aber auch in Aussicht, den e-tron auch auf andere Art und Weise als auf einem großen Händler- und Journalistenevent der Weltöffentlichkeit vorzustellen. "Das muss keine Pressekonferenz sein, das kann man auch anders lösen", heißt es dazu in Ingolstadt.

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH