Mittwoch, 19. September 2018

Umsatzeinbrüche bei Wartung und Weiterverkauf Elektro-Trucks mischen das Geschäft der Lkw-Bauer auf

Daimler bietet seine Leicht-Lkw der Marke Fuso nun auch mit reinem Batterieantrieb an

Lange waren Elektroantriebe für Lkw-Hersteller allenfalls ein Randthema. Lithium-Ionen-Batterien seien zu schwer und zu teuer, die Reichweiten viel zu gering, hieß es häufig. Ihre Kunden denken vor allem an die Wirtschaftlichkeit ihrer Fahrzeuge, argumentierten Manager von Lkw-Herstellern gerne. Da sei der Dieselantrieb einfach nicht zu schlagen, weder im Stadtverkehr noch auf der Langstrecke.

Doch dann die Diskussionen über Innenstadt-Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge rasch an Schärfe - mittlerweile gibt es die ersten Beschränkungen in deutschen Städten. Mit ihrem günstigen Elektro-Stadttransporter führte die Post-Tochter Streetscooter die deutschen Nutzfahrzeug-Riesen regelrecht vor. Seit gut einem Jahr überschlagen sich die deutschen Lkw-Riesen Daimler und MAN fast schon dabei, Elektroantriebe für ihre Transporter und schwereren Nutzfahrzeuge vorzustellen - und bald auch die ersten Serienmodelle auf die Straße zu bringen.

Dieser Wandel geht nicht nur vergleichsweise schnell für eine Branche, die bei Baureihen eher in Jahrzehnten als in Jahren denkt. Er bringt auch einschneidende Veränderungen für das bisherige Geschäftsmodell der Truck-Bauer mit. Das zeigt eine neue Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman, die manager-magazin.de vorliegt.

Ein wichtiger Treiber für den Schwenk Richtung E-Mobilität sind - wie auch im Pkw-Bereich neue EU-Regularien. Bis 2030 müssen die Lkw-Hersteller ihre Emissionen um 30 Prozent reduzieren, verlangt die Europäische Kommission. Das schaffen die Hersteller laut der Studie nur mit Alternativen zum Dieselantrieb - etwa in Form von Diesel-Elektro-Hybriden, Gasantrieb, Wasserstoff oder eben rein elektrischen Antrieben.

2030 bereits 25 Prozent aller Lkw mit alternativen Antrieben

Bereits 2030 werden in Deutschland ein Viertel aller neuen Lkw mit alternativen Antrieben verkauft, erwarten die Unternehmensberater. Kurzstrecken-Lkw werden dabei eher auf reinen Elektroantrieb setzen als Langstrecken-Trucks. Über große Distanzen sei ein reiner Batterieantrieb kurz- und mittelfristig keine realistische Lösung, urteilt Oliver Wyman - auch wenn Tesla genau dies mit seinem "Semi"-Truck versucht. Bei Sattelschleppern für die Langstrecke würden, meint Studienautor Romed Kelp, eher "Brückentechnologien wie Hybride oder Gasantriebe zum Tragen kommen."

Mit dem Schwenk Richtung Elektroantrieb dürfte der Wettbewerb zwischen den etablierten Herstellern an Schärfe gewinnen, heißt es in der Studie. Denn die Hersteller können sich nicht mehr so gut über die Effizienz und Sparsamkeit ihrer jeweiligen Motoren voneinander abgrenzen. Zum werden zwei für die Hersteller wichtige Ertragssäulen leiden, meinen die Studienautoren.

Deutliche Einbußen drohen etwa beim Wartungsgeschäft: Hier sorgt das Geschäft mit Antriebsstrang-Ersatzteilen aktuell für die Hälfte der Aftersales-Gewinne bei den Herstellern. Elektro-Lkw sind deutlich weniger wartungsintensiv als ihre Verbrenner-Brüder - weshalb im Aftersales-Bereich große Umsatzteile wegfallen werden.

Mit der Elektrifizierung dürfte auch der Verkauf von Gebraucht-Lkw schwieriger werden, warnt die Studie. Aktuell werden ältere Lkw-Modelle oft nach Osteuropa weiterverkauft, von dort aus landen sie dann häufig im Mittleren Osten oder in afrikanischen Ländern. Lkws mit alternativen Antrieben sind in vielen weniger entwickelten Ländern kaum einsetzbar, weil die Infrastruktur fehlt.

Im Wartungsgeschäft und beim Wiederverkauf drohen deshalb zehn Prozent des Gesamtumsatzes der Lkw-Hersteller drohen wegzufallen, warnen die Studienautoren. Um dies aufzufangen, sollten sich die Fahrzeughersteller in Anbieter von Transportlösungen verwandeln, empfehlen die Unternehmensberater. Möglicherweise müssen sie auch stärker selbst den Aufbau von Lade-Infrastruktur in die Hand nehmen.

Um die Wiedervermarktbarkeit zu erhöhen, sollten die Hersteller wohl manche Technologien auch wieder ausbauen können. "Insgesamt sollte der Lkw künftig wesentlich modularer gestaltet werden", heißt es in der Studie.

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