Freitag, 14. Dezember 2018

Diess, Zetsche und Co im Weißen Haus Autobosse treffen Trump und erneuern Investitionswillen

Volkswagen-Chef Herbert Diess will mit Ford zusammen einen Pick-Up in den USA bauen ...

Normalerweise werben Politiker um Firmen, damit sie Jobs vor Ort schaffen. Bestenfalls sagen sie noch Subventionen zu. Beim Treffen der deutschen Autobosse mit US-Präsident Trump waren die Rollen vertauscht.

Spitzenvertreter der deutschen Autoindustrie haben sich nach einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump vorsichtig optimistisch gezeigt, dass die angedrohten Zölle auf ihre Exporte in die USA abgewendet werden können. "Ich denke, wir haben einen großen Schritt vorwärts gemacht, um die Zölle zu vermeiden", sagte Volkswagen-Chef Herbert Diess am Dienstag nach dem rund halbstündigen Treffen mit Trump in Washington.

Auch Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche sagte, nach seiner Einschätzung hätten die Gespräche die "potenzielle Bedrohung" durch neue US-Importzölle reduziert. Bei den Treffen im Weißen Haus mit Trump und anderen Regierungsvertretern legten die Manager nach eigenen Angaben die bisherigen und möglichen künftigen Investitionen ihrer Unternehmen in Standorte und Produktion innerhalb der USA dar.

Video: Autobosse treffen Trump - "Atmosphärisch ein sehr gutes Meeting"

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Bild: REUTERS

Trump hat Zolldrohungen nicht zurückgenommen

Ob damit die von Trump angedrohten Strafzölle auf europäische Autoimporte von bis zu 25 Prozent tatsächlich verhindert werden können, bleibt allerdings offen. Trump hatte kurz vor dem Treffen eine scharfe Botschaft ausgesandt: "Ich bin ein Mann der Zölle", schrieb er im Internetdienst Twitter. Wenn andere Länder "den großen Wohlstand unserer Nation plündern" wollten, dann wolle er sie dafür bezahlen lassen.

Ursprünglich waren nur Treffen der Automanager mit Handelsminister Wilbur Ross, dem Handelsbeauftragten Robert Lighthizer sowie Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow angesetzt gewesen. Der Präsident stieß dann nach kurzfristiger Ankündigung hinzu. Auf deutscher Seite war neben Daimler Börsen-Chart zeigen und Volkswagen Börsen-Chart zeigen auch BMW vertreten, und zwar durch Finanzvorstand Nicolas Peter.

... BMW-Finanzvorstand Nicolas Peter sicherte weitere Investitionen in BMWs weltweit größter Fabrik in Spartanburg im Bundesstaat South Carolina ...

Die Manager berichteten anschließend von "konstruktiven" Gesprächen. In der Politik wird das Wort meist floskelhaft gebraucht, um damit zu kaschieren, dass die Standpunkte noch relativ weit auseinander liegen und kein für beide Seiten befriedigendes Ergebnis erreicht wurde.

Dabei ging es vor allem auch um die Forderung Trumps, dass die deutschen Konzerne ihre Produktion innerhalb der USA ausweiten. Mercedes hatte erst im Oktober den Spatenstich für eine Batteriefabrik in der Nähe seiner Pkw-Produktion in Tuscaloosa, Alabama, unternommen. Zetsche stellte aber auch einen direkten Zusammenhang zwischen den Investitionsplänen und der US-Zollpolitik her, indem er betonte, dass am Ende "die Summe" für seinen Konzern stimmen müsse.

VW-Chef wiederholt Kooperationsvorhaben mit Ford

Diess wiederum nannte konkrete Investitionsvorhaben von Volkswagen, darunter eine angestrebte Kooperation mit Ford beim Bau von Pickup-Trucks, also den in den USA beliebten Kleintransportern mit offener Ladefläche. Die verstärkte Kooperation mit Ford hatten die Wolfsburger allerdings bereits Mitte November angekündigt. Der Volkswagen-Chef erwähnte zudem eine Kooperation mit Microsoft im Sofwarebereich und sprach auch von Plänen für eine zweite Fabrik seines Konzerns in den USA, die er aber nicht präzisierte.

... Daimler-Chef Dieter Zetsche machte durch die Blume klar, weitere Investitionen seien auch vom politischen Umfeld abhängig

BMW Börsen-Chart zeigen teilte mit, von 2018 bis 2021 weitere 600 Millionen Dollar in seine weltweit größte Produktionsstätte in Spartanburg im Bundesstaat South Carolina zu investieren. Damit würden dort weitere 1000 Arbeitsplätze geschaffen. Insgesamt sichere BMW fast 70.000 Arbeitsplätze in den USA. Wie bereits zuvor mitgeteilt, prüfe BMW auch die Erschließung eines weiteren Standorts für die Antriebsfertigung in den USA. Vorstandschef Harald Krüger hatte dieser Überlegungen bereits in der vergangenen Woche auf der Autoshow in Los Angeles bekanntgeben.

Macht Trump dennoch ernst mit seiner Drohung und verhängt die Strafzölle, würde dies die deutschen Hersteller hart treffen. Diess sagte, viele Arbeitsplätze in Deutschland seien dadurch in Frage gestellt. Trump ist das hohe Volumen deutscher Auto-Importe in die USA deshalb ein Dorn im Auge, da sie der Hauptfaktor für das hohe Defizit seines Landes im Warenverkehr mit Deutschland sind.

Autobosse sollen sich mit Berlin abgesprochen haben

Der Besuch der deutschen Automanager war in Deutschland und der EU umstritten, da die Konzerne nicht zu Verhandlungen über die Handelspolitik ermächtigt sind. Die Zuständigkeit dafür liegt auch nicht bei der Bundesregierung, sondern bei EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström.

Diess und Zetsche betonten aber, ihr Besuch im Weißen Haus sei eng mit der Bundesregierung wie auch mit Malmström abgestimmt gewesen. Es habe "maximale Abstimmung" gegeben, sagte der Volkswagen-Chef.

rei/dpa/Reuters

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