Montag, 10. Dezember 2018

Abgas-Manipulation Wie viel Stickoxid stößt Porsches Diesel wirklich aus?

Cayenne-Neuwagen auf dem Porsche-Werksgelände in Leipzig: Stimmt was mit der Abgastechnik nicht?

Aussage gegen Aussage - das gab es schon häufig im laufenden Skandal um Abgasmanipulationen, der inzwischen nicht nur Volkswagen, sondern auch andere Hersteller ins Zwielicht gebracht hat. Die Parteien, die sich diesmal widersprechen: Der Sportwagenhersteller Porsche auf der einen Seite, und das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL auf der anderen.

Porsche hat einen Bericht des SPIEGEL zurückgewiesen, demzufolge Modelle der Volkswagen-Tochter mit einer Technik ausgestattet sind, die dafür sorgt, dass Abgasgrenzwerte auf dem Prüfstand eingehalten werden, auf der Straße jedoch nicht. Das Magazin hatte berichtet, gemeinsam mit dem TÜV Nord entsprechende Tests an einem Geländewagen des Typs Porsche Cayenne durchgeführt zu haben.

Ein Porsche-Sprecher sagte dazu, der TÜV-Nord-Test sei "nicht plausibel nachvollziehbar". Der Konzern habe eigene Messungen an einem vergleichbaren Fahrzeug vorgenommen. "Dabei wurden die gesetzlich geforderten Stickoxid-Grenzwerte erfüllt."

Porsche habe dem SPIEGEL angeboten, gemeinsame Messungen durchzuführen, worauf das Magazin allerdings nicht eingegangen sei. "Porsche kooperiert uneingeschränkt mit den Behörden. Wir sind grundsätzlich auch mit dem Kraftfahrt-Bundesamt zu allen aktuellen Themen in Kontakt."

Laut SPIEGEL stellte der TÜV Nord bei einem Labortest eines Porsche Cayenne im Auftrag des Magazins deutlich erhöhte Stickoxidwerte fest. Einem Insider zufolge seien die Diesel-Modelle dieses Geländewagens mit einer Abschalteinrichtung ausgestattet, die dafür sorge, dass der Geländewagen im Straßenverkehr weit mehr giftige Abgase ausstoße als zulässig.

Der Insider habe dem SPIEGEL einen Hinweis darauf gegeben, dass in der Getriebesoftware des Cayenne ein als Aufwärmmodus getarnter Mechanismus arbeite, so das Magazin weiter. Dessen Zweck sei es offenbar, die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte einzuhalten.

Aber nur auf dem Prüfstand: Schon bei kleinen Kurven oder einer Steigung registriere der Wagen, dass er auf der Straße sei, und wechsele in ein anderes Schaltprogramm.

Letztlich bewirke die Technik, dass Porsche gegenüber seinen Kunden und den Zulassungsbehörden niedrigere Verbräuche und Stickoxid-Emissionen angeben könne, als das Fahrzeug in der Realität habe, zitiert der SPIEGEL den Professor für Motorentechnik der Hochschule Aschaffenburg, Kai Borgeest.

"Porsche verwendet hier eine Abschalteinrichtung, die nach europäischem Recht verboten ist", erklärte laut SPIEGEL zudem Martin Führ, Verwaltungsrechtsprofessor der Hochschule Darmstadt, nachdem er die Unterlagen gesichtet hatte.

cr/rtr

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