Donnerstag, 17. August 2017

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Insider zerreißt Beschlüsse des "Dieselgipfels" in der Luft Warum ein Software-Update kaum etwas bringt - und weiter Fahrverbote drohen

Ältere Diesel-Autos blasen reichlich Abgase in die Luft - das dürfte sich durch Software-Updates nur wenig ändern

Es sollte der große Rettungsschlag für den Selbstzünder und für saubere Luft in Deutschlands Innenstädten werden: Am Mittwoch trafen sich in Berlin drei Ministerpräsidenten, zwei Bundesminister und die Chefs der größten deutschen Autohersteller zum großen Dieselgipfel.

Das Ergebnis der mehrstündigen Beratungen: Insgesamt 5,3 Millionen Dieselautos in Deutschland erhalten eine neue Software, die bis Ende 2018 den Stickoxid-Ausstoß dieser Fahrzeuge im Schnitt um 25 bis 30 Prozent verringern soll. Die Kosten für die Software-Updates tragen die Hersteller, die mit insgesamt 500 Millionen Euro eher günstig wegkommen. Es wird einen mit 500 Millionen Euro dotierten Fonds geben, der 28 Kommunen dabei unterstützt, die hohe Stickoxid-Belastung zu senken. Und die Bundesregierung erhöht die Mittel, um Bus- und Nutzfahrzeugflotten im städtischen Verkehr schneller vom Diesel wegzubringen.

Damit wollen die Politiker pauschale Fahrverbote in Innenstädten verhindern, die in mehreren Kommunen durch Klagen wegen Verstöße gegen Luftreinhaltegesetzen drohen. Doch das dürfte sehr schwer werden, argumentiert nun ein Branchenexperte mit Kenntnis der Verhandlungsergebnisse gegenüber manager-magazin.de.

Durch das Software-Update wird nur das "Thermofenster" erweitert

Denn die zugesagten Software-Updates der Hersteller führen laut ihm nur in einem sehr engen Rahmen zu Verbesserungen. Bisher hatten mehrere Hersteller ihre Abgasreinigungssysteme bei Außentemperaturen unter 17 Grad und oberhalb von 30 Grad stark heruntergefahren und dies mit dem Schutz von Bauteilen begründet. Die nun zugesagten Softwareupdates machen laut dem Insider nicht viel mehr, als dieses Temperaturfenster zu erweitern. Als Untergrenze sollen nun 15 Grad dienen - das ist ziemlich genau die Jahresdurchschnittstemperatur in Stuttgart.

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Im Schnitt bringt das zwar eine Verbesserung. Doch an kälteren Tagen blasen die nachgebesserten Diesel dann nach wie vor deutlich mehr Stickoxide in die Luft, weil die Abgasreinigung eben nur reduziert arbeitet.

Auch die Zusage der Autohersteller, dass durch die Ausweitung der Temperaturfenster weder der Kraftstoffverbrauch steigt noch die Motorleistung gemindert wird, hält der Insider für zweifelhaft. Denn wenn ein Abgasreinigungssystem auch bei höheren Temperaturen einwandfrei arbeiten soll, werde üblicherweise auch Kraftstoff zur Kühlung der Abgasrückführung verwendet. Und das schlage sich eben in einem etwas höheren Diesel-Verbrauch nieder.

Laut dem Insider haben mehrere Hersteller zwischen 2009 und 2014 Millionen Dieselautos verkauft, bei denen kein gut funktionierendes Abgasreinigungssystem an Bord war. Zwischen 1. September 2009 und 31.August 2014 galt für Diesel-Neuwagen die Euro 5-Norm mit einem maximalen Stickoxid-Ausstoß von 180 Milligramm je Kilometer. Bei diesen Fahrzeugen, so legen die Aussagen des Insiders nahe, lässt sich der Stickoxid-Ausstoß mit den Updates nur in vergleichweise engem Rahmen und das auch nur in einem relativ kleinen zusätzlichen Temperaturbereich senken.

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