Mittwoch, 14. November 2018

Zwei Autokonzerne lenken im Nachrüst-Streit ein Daimler, VW zahlen 3000 Euro je Diesel-Nachrüstung - in 15 Städten

Abgase aus einem Auspuff: Daimler und VW werden bis zu 3000 Euro je Diesel-Nachrüstung zahlen
Getty Images
Abgase aus einem Auspuff: Daimler und VW werden bis zu 3000 Euro je Diesel-Nachrüstung zahlen

Nach mehrstündigen Beratungen in Berlin haben sich die Bundesregierung und große Autoproduzenten bei der umstrittenen Nachrüstung älterer Autos mit Katalysatoren auf einen Kompromiss verständigt.

"Wir haben mit den deutschen Herstellern ein konstruktives Ergebnis erzielt", sagte Verkehrsminister Andreas Scheuer nach einem Treffen mit Branchenvertretern in Berlin.

Im Vordergrund stehe weiter die Umtauschaktion der Hersteller von Alt-Autos in sauberere Fahrzeuge. Volkswagen und Daimler seien bereit, die verbliebenen älteren Autos dann für bis zu 3000 Euro mit Katalysatoren nachrüsten zu lassen (manager-magazin.de hatte über die Summe bereits vorab berichtet).

Das Angebot der beiden Konzerne für die vollständige Kostenübernahme gilt nur für die 15 Städte in Deutschland, in denen Schadstoff-Grenzwerte besonders stark überschritten werden- und nur für Euro-5-Diesel.

BMW lehnt Nachrüstlösungen als nicht zielführend ab und beteiligt sich deshalb auch nicht an Kosten. Der Münchner Autobauer will aber mit der gleichen Summe die Halter der älteren Diesel unterstützen - etwa für einen Neukauf. Auch BMWs Angebot gilt offenbar nur für Halter in den am höchsten mit Stickoxid(NOx)-belasteten Regionen.

Nachrüstungen laut Scheuer erst nach 2020 möglich

Generell kommen die Kostenübernahmen nur für Kunden in Frage, die nicht die "Umtauschprämien" von Herstellern nutzen und auf sauberere Autos umsteigen. Die Hersteller wollten jedem Kunden ein Angebot machen, um mobil zu bleiben.

Die Hersteller hatten bereits höhere Preisnachlässe auf den Weg gebracht, wenn Kunden ihren alten Diesel in Zahlung geben und ein sauberes Fahrzeug kaufen.

Für VW und Daimler zählen laut Scheuer dazu dann auch mögliche Hardware-Nachrüstungen, also Umbauten direkt am Motor. Sie würden solche Nachrüstungen dann mit bis zu 3000 Euro pro Auto unterstützen. Bisher hatten sie 2400 Euro pro Wagen angeboten. Klar sei aber auch, dass alle deutschen Hersteller "unverändert" die technischen Bedenken gegenüber Hardware-Nachrüstungen aufrecht erhielten, sagte Scheuer.

VW selbst betont in einer Stellungnahme, dass der Konzern keine vollständige Kostenübernahme der Nachrüstlösungen ermögliche, sondern 3000 Euro je Pkw zahlen werde. Im Original liest sich das dann etwas gewunden so: "Sollten zukünftig Hardware-Nachrüstungen die notwendigen behördlichen Genehmigungen erhalten, verfügbar sein und der Einbau von unseren Kunden gewünscht werden, bieten die betreffenden [VW]-Konzernmarken im Rahmen des Mobilitätsangebots gleichfalls eine entsprechende finanzielle Beteiligung [von 3000 Euro je Pkw, Anm. d Red] an, jedoch keine vollständige Kostenübernahme und stehen gleichzeitig zu unseren bisherigen Zusagen."

Laut Scheuer werde noch dauern, bis die technischen Voraussetzungen für Hardware-Nachrüstungen vorlägen. Derzeit gebe es noch keine genehmigten Katalysator-Nachrüstsätze für Euro-5-Fahrzeuge. Daher könne auch eine Nachrüstung erst nach 2020 greifen.

Die große Koalition hatte im Kampf gegen Fahrverbote wegen der Stickoxid-Belastung(NOx) Anfang Oktober ein Paket aus Umtauschprämien für neuere Autos und die sogenannte Hardware-Nachrüstung auf Kosten der Industrie beschlossen. Während die Hersteller Kaufanreize für abgasärmere Fahrzeuge anboten, weigerten sich die Hersteller, die kompletten Kosten für die Nachrüstung von Dieseln der Euro-5-Norm zu übernehmen.

wed/dpa/Reuters

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH