Freitag, 28. Juli 2017

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Abgasskandal ruiniert Selbstzünder-Image So schnell erkaltet die Liebe der Deutschen zum Diesel

Diesel? Dann lieber nicht - das sagen sich derzeit viele Deutsche.
imago/Westend61
Diesel? Dann lieber nicht - das sagen sich derzeit viele Deutsche.

Der zweitgrößte deutsche Carsharing-Anbieter hat den Diesel plötzlich nicht mehr lieb. "Cambio entscheidet sich zukünftig bei vielen Modellen nur noch auf Benziner zu setzen", teilte das Unternehmen am Montag seinen Kunden mit. "Stickoxid und leere Versprechen der Autoindustrie zwingen zur größten Flottenveränderung seit Unternehmensgründung."

Etwa 600 Fahrzeuge werde Cambio 2017 austauschen. Außer Benziner will der Carsharing-Anbieter verstärkt Hybridautos in seinen Fuhrpark aufnehmen.

Diesel raus aus der Garage, Benziner und alternative Antriebe rein - so halten es derzeit viele Firmen und private Autofahrer. Auf gerade noch 43,3 Prozent kommt der Selbstzünder in der Dezember-Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA). Im Gesamtjahr 2016 lag der Anteil bei 45,9 Prozent (2015: 48 Prozent).

Niedriger als im Dezember lag der Diesel-Anteil laut einer Untersuchung des CAR-Instituts der Universität Duisburg-Essen zuletzt 2010. Damals begünstigte die pauschal gezahlte Abwrackprämie in Höhe von 2000 Euro faktisch kleine, billigere Benziner. Noch vor gut einem Jahr war jeder zweite Neuwagen ein Ölbrenner.

Fahrverbote drohen - Käufer wenden sich ab

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Schuld an dem raschen Niedergang ist - na klar - der Abgasskandal. "Die Folgen der deutlich überhöhten Stickoxid-Emissionen selbst bei neusten Euro 6 Diesel-Pkw-Modellen haben zu einer tiefgreifenden Verunsicherung der Neuwagenkäufer beim Diesel geführt", analysiert CAR-Professor Ferdinand Dudenhöffer. Diskussionen um "blaue Umweltplaketten" und bundesweite Gerichtsprozesse um Durchfahrtsverbote in Innenstädten für Diesel-Pkw hätten ihr Übriges getan.

Am stärksten profitieren Benziner von der wachsenden Diesel-Unlust der Deutschen. Deren Anteil schnellte im Dezember auf 53,8 Prozent empor (Dezember 2015: 50,5) und im Gesamtjahr auf 52,1 Prozent (2015: 50,3).

Diesel-Anteil bei Neuwagen in Deutschland (zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken)
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Diesel-Anteil bei Neuwagen in Deutschland (zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken)

Als Gewinner der aktuellen Lage sieht sich auch Toyota mit seiner breiten Palette an Hybrid-Autos. Doch der Anteil dieser aus Benziner und Elektromotor kombinierten Antriebsart ist in Deutschland zwar gestiegen, allerdings nur von 0,7 auf 1,0 Prozent. Bei Elektroautos (inklusive aufladbaren Plugin-Hybriden) ist der Zuwachs noch kosmetischer.

Für die Umwelt ist die stufenweise Abkehr vom Diesel daher eine zweischneidige Sache. Zwar stoßen die nun favorisierten Benziner weniger Stickoxide aus. Doch gleichzeitig pusten sie mehr Kohlendioxid in die Luft.

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