Dienstag, 24. Oktober 2017

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Harte Debatten um Diesel-Bann in Innenstädten Ausgedieselt? Die wichtigsten Antworten zum Fahrverbots-Streit

Abgassausstoß eines Diesel-Fahrzeugs: Die Fahrverbots-Diskussionen sind die Quittung dafür, dass die Autobranche Emissionen jahrelang nur für Prüfstände optimiert hat.

Sind sie Luftverpester - oder Retter der EU-Klimaziele? Müssen Diesel-Fahrer bald viele deutsche Innenstädte meiden - weil sie dort nicht mehr herumkurven dürfen? Oder ist ein solche radikale Maßnahme im Autoland Deutschland undenkbar?

Wer einen neueren Wagen mit Selbstzünder-Motor sein eigen nennt, muss sich aktuell mit unangenehmen Fragen herumschlagen. Denn in der aktuellen aufgeregten Debatte fragen sich viele zu recht, ob dem Diesel nicht bald die Luft ausgeht.

Vielleicht kommt die Blaue Plakette für Fahrzeuge ja doch. Mögliche Fahrverbote gelten manchen als Lösung, anderen als Riesen-Problem. Und über all dem schwebt die Frage, ob moderne Motoren wirklich so viel sauberer sind als alte Dreckschleudern.

Falls nach Stuttgart auch München einen Teil der Selbstzünder aus seinem Zentrum verbannen sollte, könnte dies Autofahrer und Autobauer gleichermaßen schwer treffen. Wir geben einen kurzen Überblick über die wichtigsten Positionen im Streit um mögliche Diesel-Fahrverbote:

1. Wer plädiert für, wer ist gegen Fahrverbote für Dieselautos?

Es begann in Stuttgart. Das grün-schwarze Landeskabinett von Baden-Württemberg beschloss im Februar grundsätzlich die Möglichkeit von Fahrverboten. Nun schwappte die Debatte nach München über, wo Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) wegen hoher Werte von Stickoxid (NOx) Zufahrtsbeschränkungen für Diesel erwägt. Bis zum Jahresende muss Bayern laut dem Verwaltungsgerichtshof ein Konzept entwickelt haben, damit die Schadstoff-Grenzwerte eingehalten werden können.


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Der Autoverband VDA ist gegen Einschränkungen für ältere Dieselwagen etwa der Abgasnorm Euro 5: "Um die Luftqualität in den Städten zu verbessern, gibt es intelligentere Maßnahmen als Fahrverbote." Initiativen für besseren Verkehrsfluss könnten den Ausstoß von NOx schon um ein Drittel drücken. Auch BMW und Daimler sehen das so. Abgasskandal-Auslöser VW plädiert für "klare, bundeseinheitliche Regelungen" - steht aber der vom Bundesverkehrsministerium abgelehnten blauen Plakette für besonders hohe Umweltzonen-Auflagen im Prinzip "positiv gegenüber".

2. Sind neue Euro-6-Diesel wirklich sauber und damit zukunftssicher?

Leider nicht alle. Der Streit dreht sich vor allem darum, wie mit alten Dieselmotoren umgegangen werden soll - nicht nur in den bundesweit 54 städtischen Umweltzonen.

Jedoch sind auch Antriebe der jüngeren Euro-6-Generation oft alles andere als schadstoffarm: Kürzlich fand das Umweltbundesamt heraus, dass viele der modernen Varianten ebenfalls deutlich mehr NOx ausstoßen, als sie sollten. Einem Labor-Grenzwert von 80 Milligramm pro Kilometer standen Alltagsmessungen von 507 Milligramm gegenüber.

Verkehrs-Staatssekretär Norbert Barthle (CDU) beklagt indes eine "Diffamierungskampagne" gegen den Diesel. Nötig sei stattdessen mehr Unterstützung für E-Mobilität auch im Nahverkehr - "aber eben nicht durch Fahrverbote", sagte er der "Heilbronner Stimme". Die von ihm kritisierte Deutsche Umwelthilfe (DUH) weist die Vorwürfe zurück.

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