Sonntag, 19. August 2018

ADAC testet Autos mit Abgasnorm Euro 6d-temp Neue Diesel sind sauber - aber teuer und durstig

Abgasnorm Euro 6d wirkt Wunder: Diese Autos sollen dem Diesel sein Comeback bringen
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Audi

Geht doch: Neue Diesel-Autos, die die Abgasnorm Euro 6d-temp erfüllen, sind offenbar tatsächlich sehr sauber. Das legen erste Stickoxidmessungen des ADAC bei drei Fahrzeugen nahe, die der Automobilclub am Montag veröffentlicht hat. Die Prüfer untersuchten den BMW X2 xDrive 20d, den Peugeot 308 SW BlueHDi 180 sowie den Volvo XC60 D5 - allesamt in ihrer Automatikversion.

Demnach halten alle drei Wagen die Grenzwerte nicht nur auf dem Prüfstand klar ein, sondern auch unter realen Fahrbedingungen (Real Drive Emissions, RDE). Während der Gesetzgeber für die neue Abgasnorm künftig maximal 168 Milligramm Stickoxide (NOx) pro Kilometer im RDE-Verfahren gestattet, kommt der BMW auf 23, der Peugeot auf 30 und der Volvo auf 56 Milligramm.

Zum Vergleich: Autos mit Abgasnorm Euro 6 (ohne d-temp) kommen unter realen Fahrbedingungen laut Umweltbundesamt im Schnitt auf 507 Gramm, zum Teil auf über 1000 Milligramm. Damit übertreffen diese Dreckschleudern die Prüfstands-Grenzwerte um mehr als das Zehnfache. Auf dem Prüfstand sorgt eine manipulierte Motorsoftware dafür, dass die Autos den Test bestehen. So haben nahezu alle Hersteller die Öffentlichkeit und ihre Kunden getäuscht und den Abgasskandal verursacht.

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Die neuen Euro-6d-temp-Fahrzeuge schneiden nun besser ab als manche Benziner und könnten der Diesel-Technik ein Comeback bescheren. Sie unterschreiten zudem bereits deutlich die Emissionsgrenze von 120 Milligramm NOx, die erst ab 2021 gilt. Auch beim anspruchsvolleren ADAC Ecotest auf der Straße bleiben alle Autos klar unter diesem Niveau.

Lediglich einen Ausreißer unter Extrembedingungen verzeichneten die Tester. Bei schneller Autobahnfahrt kam der Volvo auf 239 Milligramm NOx. Nicht schön für die Schweden - im Sinne des offiziellen Testzyklus allerdings auch nicht schlimm, da solche Fahrten kaum in die Gesamtwertung einfließen.

Die Gründe für den plötzlichen Fortschritt in der Diesel-Technik sind offenbar vielfältig. BMW setzt auf eine doppelte Abgasreinigung mit zwei Katalysatoren. Andere Hersteller verwenden leistungsfähigere Geräte oder haben den Verbrennungsprozess im Motor optimiert.

Die untersuchten Euro-6d-temp-Diesel haben den ADAC allerdings nicht umfassend überzeugt. So maßen die Prüfer bei allen drei Fahrzeugen einen eher hohen Spritverbrauch. Im Ecotest schluckte der BMW 21 Prozent mehr Diesel als offiziell im NEFZ-Zyklus angegeben - 5,8 statt 4,8 Liter auf 100 Kilometern. Der Volvo benötigte 22 Prozent mehr (7,1 statt 5,8 Liter), der Peugeot gar 28 Prozent mehr.

"Nicht schlecht" sei das zwar angesichts des hohen Eigengewichts der Autos, so der ADAC. Dennoch erhielt deshalb keiner der Wagen fünf von fünf Sternen in der Umwelt-Gesamtwertung. Der BMW und der Peugeot bekamen vier, der Volvo gar nur zwei Sterne. Fünf Sterne hat der ADAC unter den aktuellen Testbedingungen bisher nur für Elektro- und Hybridautos vergeben.

Angesichts von Preisen von mehr als 50.000 Euro erkaufen sich vor allem die Fahrer des BMW- und des Volvo-Modells (beides SUVs) den neuen Abgasvorteil zudem eher teuer. Lediglich der Kombi von Peugeot liegt mit knapp 35.000 Euro im Rahmen.

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