Montag, 18. Dezember 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Restwert-Risiko verunsichert Dienstwagen-Besitzer Daimler und Co. kämpfen gegen die Diesel-Todesspirale

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) kämpft mit Daimler für den Diesel

Kaum eine Kundengruppe ist dem Diesel so treu wie die Dienstwagen-Fahrer. Ob Mitarbeiter von Versicherungen, Industriekonzernen oder kleinen Maschinenbauern - zu etwa 70 Prozent bekommen sie von ihrem Arbeitgeber einen Selbstzünder gestellt, Abgasskandal hin oder her. Deutschlands Firmenwagen Nummer eins, der VW Passat, kommt noch immer in fast 90 Prozent der Fälle als Diesel auf die deutschen Straßen.

Doch die Diesel-Bastion beginnt zu bröckeln - und könnte, wenn die aktuellen Rettungsversuche fehl schlagen, in schwere Not geraten. Angesichts von drohenden Fahrverboten und Skepsis gegenüber Nachrüstungen sorgen sich Diesel-Besitzer zunehmend um den Wiederverkaufswert ihres Wagens.

Wenn aber die Restwerte der Firmenwagen ins Rutschen geraten, ist auch ein äußerst einträgliches Geschäftsmodell für europäische Autokonzerne wie Daimler Börsen-Chart zeigen, BMW Börsen-Chart zeigen und Co. gefährdet. Denn dann ist der zentrale Vorteil des Diesel bedroht: Dass er für Vielfahrer in der Regel die kostengünstigste Antriebsart ist. Wenn der Wertverlust größer ist als beim Benziner oder bei Hybridautos, müssen Leasinganbieter die Raten erhöhen. Daimlers großer Rückrufvon dieser Woche ist auch ein Rettungsversuch für die Diesel-Restwerte.

Die Leasing-Branche schlägt bereits Alarm. "Wir müssen die Restwerte von Diesel-Fahrzeugen künftig konservativer einschätzen", sagt etwa Christian Schüßler, Vertriebsdirektor Deutschland beim Leasing-Spezialisten Arval, einer Tochter der französischen Bank BNP Paribas. "Das zeichnet sich heute schon deutlich ab."

Handlungsdruck sieht auch der Duisburger Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. "Ein Werteinbruch des Pkw-Diesels im Gebrauchtwagengeschäft hätte hohe Abschreibungen bei den Leasinggesellschaften und Autobanken zur Folge." Er fordert einen geordneten, aber schnellen Übergang vom Diesel zu anderen Technologien.

Folgen Sie Nils-Viktor Sorge auf twitter

Doch derzeit regiert die Unsicherheit. Vor allem in Städten, in denen ein Fahrverbot droht, beobachtet Arval eine regelrechte Schwemme privater Diesel-Autos. In Stuttgart, Hamburg oder München fürchten Halter, dass sie mit ihren Wagen nicht mehr zu jeder Zeit auf der für sie besten Route durch die City fahren dürfen. Das drückt die Preise zumindest auf regionalen Gebrauchtwagenmärkten - und belastet die Kalkulation der Leasingfirmen.

Höhere Raten für Diesel-Autos würden aber deren Attraktivität weiter senken. "Die Lücke zum Benziner wird sich dann schließen", sagt Schüßler. Im ungünstigsten Fall kommt eine regelrechte Todesspirale für die Technik in Gang: Werden weniger Diesel verkauft, verringern sich womöglich Mengenrabatte für Flottenkunden , was die Attraktivität weiter senkt.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH