Samstag, 18. August 2018

Marktanteil stürzt unter 32 Prozent Absatz von Diesel-Neuwagen sinkt so stark wie nie

Mercedes A-Klasse Diesel: Der Marktanteil der neu zugelassenen Dieselfahrzeuge in Deutschland ist unter ein Drittel gesunken

Dieselautos werden bei den Neuwagenkäufern immer unbeliebter. Im Mai ging die Zahl neu zugelassener Diesel im Vergleich zum Vorjahresmonat um 27,2 Prozent zurück, wie das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg am Montag mitteilte. Ihr Anteil an allen Neuzulassungen lag mit 31,3 Prozent bei weniger als einem Drittel und damit auf dem tiefsten Niveau seit 2009, als die Abwrackprämie einen Boom im - zumeist benzinbetriebenen - Kleinwagensegment entfachte.

Im Vorjahreszeitraum (Mai 2017) lag der Diesel-Marktanteil noch bei 40,4 Prozent. Benziner machten im Mai 2018 64,0 Prozent der Neuzulassungen aus.

Insgesamt wurden im Mai mit 305 057 Personenwagen rund 5,8 Prozent weniger Autos zugelassen als noch im Vorjahr. Der deutliche Rückgang erklärt sich durch zwei Arbeitstage weniger als im Vergleichzeitraum des Vorjahres. Für die ersten fünf Monate des Jahres ergibt sich dennoch ein positiver Trend: Insgesamt 1,5 Millionen Zulassungen zwischen Januar und Mai bedeuten einen Anstieg um 2,6 Prozent.

Der Inlandsmarkt bewege sich "weiter auf hohem Niveau", kommentierte der Verband der Automobilindustrie (VDA). Der Auftragseingang aus dem Inland habe im Mai um 4,0 Prozent unter dem des Vorjahresmonats gelegen, sei im bisherigen Jahresverlauf jedoch stabil. In den ersten fünf Monaten wurden laut Verband knapp 2,4 Millionen Pkw in Deutschland hergestellt - etwa 4,0 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum 2017.

Während die Neuzulassungen von Benzin-Modellen immerhin um sechs Prozent zulegten, ging der Verkauf von Diesel-Modellen massiv zurück: um 27 Prozent. Das war der stärkste Rückgang seit Beginn der Dieselkrise im Sommer 2015.

Diskussion um Fahrverbote, weniger Modelle - Diesel bleibt unter Druck

"Der Absatz von Dieselneuwagen bleibt erheblich unter Druck", meint Peter Fuß, Partner bei Ernst & Young (EY). "Die Gründe sind zum einen die Diskussionen über Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge und über Wertverluste bei gebrauchten Diesel-Pkw, die zu einer massiven Verunsicherung der Kunden geführt hat. Zum anderen halten sich womöglich einige Diesel-Interessenten zurück, bis im September wieder schärfere Abgasnormen greifen. Bislang sind nur relativ wenige Modelle verfügbar, die der neuen Norm 6d entsprechen. Obendrein bieten einige Hersteller zumindest im Kleinwagensegment keine Diesel-Varianten mehr an. Auch das wirkt sich natürlich auf die Diesel-Verkäufe aus".

Weniger Diesel: Strafzahlungen für Hersteller werden wahrscheinlicher

Der anhaltende Rückgang bei den Diesel-Verkaufszahlen sei sowohl für den Klimaschutz als auch für die Autoindustrie bedenklich, so Fuß: "Wenn der Diesel-Marktanteil sinkt, steigt der durchschnittliche CO2-Ausstoß der Neuwagenflotten, da Diesel-Modelle weniger CO2 ausstoßen. Im April lag der Durchschnittswert um 1,6 Prozent über dem Vorjahreswert, im Mai um 1,5 Prozent. Damit werden hohe Strafzahlungen immer wahrscheinlicher, denn bis 2021 sollen die CO2-Emissionen der Pkw-Neuwagenflotten in der EU im Schnitt auf 95 Gramm je Kilometer sinken - für jedes zusätzlich ausgestoßene Gramm fallen Strafen an.

Fuß rechnet trotz des aktuellen starken Rückgangs der Diesel-Verkaufszahlen mit einer Stabilisierung des Marktanteils: "Die neuen Diesel-Modelle der Euro-6d-Norm sind sauber und zukunftssicher. Wenn diese Fahrzeuge breit verfügbar sind und sich die Diskussion über etwaige Fahrverbote beruhigt hat, wird der Diesel eine reelle Chance auf ein Comeback haben. Sowohl aus industriepolitischen wie auch aus Umweltschutzgründen ist es geboten, den Diesel zumindest als Übergangstechnologie zu erhalten."

Umstiegsprämien treiben Privatkäufer in die Autohäuser

Für die insgesamt immer noch positive Entwicklung des deutschen Neuwagenmarkts sieht Fuß mehrere Gründe: "Die Konjunktur brummt weiter, die Beschäftigung steigt und die Finanzierungsbedingungen sind nach wie vor sehr gut. Zudem treiben die Umstiegs- oder Diesel-Prämien vieler Hersteller das Wachstum an." Die Bedeutung dieser Prämien, die sich an Privatpersonen richten, zeigt sich an der sehr positiven Entwicklung der Neuzulassungen auf Privatpersonen, die im Mai um knapp vier Prozent und im bisherigen Jahresverlauf sogar um fast 14 Prozent stiegen. Demgegenüber sanken die Neuzulassungen auf gewerbliche Käufer im April um knapp zehn Prozent - und seit Jahresbeginn um etwa drei Prozent."

"Der deutsche Neuwagenmarkt gibt nicht zuletzt aufgrund der Umstiegsprämien für alte Diesel derzeit so ein gutes Bild ab", beobachtet Fuß. "Wenn diese Aktionen zur Jahresmitte auslaufen, dürfte es eine Delle geben.". Er rechnet für das Gesamtjahr mit einem Absatz leicht über dem Vorjahresniveau.

la/dpa/reuters/mmo

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