Dienstag, 18. Dezember 2018

Wohnmobil- und Caravan-Industrie nach Hymer-Deal Lifestyle und Luxus statt Dosenbier

Längst ist Campen keine prollige Angelegenheit mehr, sondern ein stilvolles Outdoor-Erlebnis - wenn man das nötige Kleingeld hat.

Die Wohnmobil- und Caravan-Industrie wächst seit fünf Jahren stark. Längst haben größere Hersteller kleinere Marken aufgekauft. Trotz des Thor-Hymer-Deals wird sich für die Branche aber wenig ändern.

Wer seinen Kollegen erzählt, er geht während seines Urlaubs campen, erntet schon lange keine mitleidigen Blicke mehr. Mit dem Wohnwagen oder Wohnmobil in der Natur übernachten wird heute eher mit Abenteuer und Lifestyle als mit Feinripp-Unterhemden und Dosenbier assoziiert. Die Branche boomt: Seit 2014 erzielt die Caravan- und Reisemobilindustrie jährlich Rekordumsätze, für dieses Jahr rechnet der Caravaning Industrieverband (CIVD) mit 11 Milliarden Euro. 2017 waren die Umsätze mit erstmals im zweistelligen Milliardenbereich.

CIVD-Geschäftsführer Daniel Onggowinarso glaubt, dass dieser Aufwärtstrend weiter anhält, da das Konsumklima und die wirtschaftliche Lage in Deutschland günstig seien. "Außerdem gibt es einen Outdoor-Trend. Die Leute wollen keine Pauschalreisen von der Stange, sie wollen flexibel sein." Erstmals seit der Krise 2007, die auch die Caravan- und Reisemobilbranche betraf, rechnet der Verband damit, dass die Neuzulassungen die 200.000er-Marke am Ende des Jahres übertreffen. Allein im ersten Halbjahr stieg die Neuwagen-Produktion um 8 Prozent an, die Exporte stiegen sogar um 10 Prozent. Mit einem Umsatz von 5,88 Milliarden legte die Branche das beste Halbjahr aller Zeiten hin.

Durch den Hymer-Deal zum Weltmarktführer

Von dem Caravaning-Boom profitiert besonders der Hersteller Hymer, nach eigenen Angaben Marktführer in Europa. Die Schwaben haben sich durch den Zukauf renommierter Marken wie Dethleffs stetig vergrößert und machen 25 Prozent des europäischen Reisemobil- und Caravanmarktes aus. Liefen der europäische Markt und der nordamerikanische Markt für Caravaning bisher eher nebeneinander, dürfte es nun einen Weltmarktführer geben. Die Amerikaner Thor Industries haben Hymer für 2,1 Milliarden Euro aufgekauft. Thor Industries dominiert mit 48 Prozent Anteilen ganz klar den nordamerikanischen Markt.

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Trotz des Mega-Deals glaubt Peter Greischel, der als Professor für Tourismusmanagement an der Hochschule München lehrt, nicht daran, dass sich die Gesamtbranche stark verändern wird. "Thor und Hymer werden weiter vorrangig ihre jeweils eigenen Märkte bedienen, dafür sind die Standards in den USA und Europa zu unterschiedlich." Während Amerikaner etwa lieber mit dem Caravan sich an einem Ort niederlassen, spiele für Europäer eher die Mobilität eine Rolle, weshalb die Zahl der Reisemobil-Neuzulassungen die der Caravan-Zulassungen übertreffe.

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