Dienstag, 30. August 2016

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Deutsche Autobauer hadern mit Elektroautos Ist Volkswagen das neue Eon?

Hoffnungsträger von Volkswagen: Konzernchef Martin Winterkorn und Bundeskanzlerin Angela Merkel am neuen E-Golf

Sie ist erfolgreich, mächtig und immer noch verdammt träge: Die deutsche Autoindustrie erinnert an die Energieversorger in ihren besten Jahren. Das zaghafte Vorgehen bei Elektroautos zeigt: Für den Sprung in ein neues Zeitalter der Mobilität fehlt es ihr an Mut und Enthusiasmus.

Wolfsburg, 2. Dezember 2019: Volkswagen-Konzernchef Matthias Müller tritt aschfahl vor die Presse und verkündet die Aufspaltung des Konzerns. Große Turbulenzen am weltweiten Automarkt machen den Radikalschnitt erforderlich, der für die Industrie eine Zäsur darstellt.

Bei den Wolfsburgern verbleibt das Geschäft mit Elektroautos und Mobilitätsdienstleistungen. Alles andere landet in einer neuen Gesellschaft, die stark auf die Unterstützung des Großaktionärs Niedersachsen und der Bundesregierung angewiesen ist.

Eine Art Kapazitätsmarkt, flankiert von einer neu aufgelegten Abwrackprämie, soll den Absatz großer Mengen konventionell angetriebener Autos sichern und auf diese Weise Zehntausende Arbeitsplätze erhalten. Trotz heftiger Rabattschlachten fanden die Altwagen zuletzt kaum noch Käufer.

Seit einer Weile fluteten koreanische, japanische und US-amerikanische Hersteller den europäischen Markt mit günstigen Elektroautos, die sich weitgehend autonom fortbewegen. Möglich wurde ihre Entwicklung durch eine florierende Batteriezellenproduktion in den Heimatländern.

Alptraum mit realem Hintergrund

Ein Alptraum, nicht mehr und nicht weniger ist dieses Szenario für Volkswagen Börsen-Chart zeigen oder irgendeinen anderen deutschen Autobauer. Doch so unrealistisch es auch erscheinen mag: Es ist längst nicht ausgeschlossen, dass mancher Topmanager der Branche eines Tages schweißgebadet aufwacht - in etwa so, wie es den Lenkern der einst so stolzen deutschen Energiewirtschaft widerfahren ist.

Diese hat jahrzehntelang nicht wahrhaben wollen, dass sich ihr Geschäftsmodell mit großen Atom- und Kohlekraftwerken auf Dauer nicht halten lässt. Zu groß war der Druck aus Bevölkerung und Politik, auf saubere Alternativen zu setzen, zu mächtig dann schließlich die Kostensenkungsspirale bei den erneuerbaren Energien.

In der Autoindustrie spricht manches dafür, dass der Fall anders gelagert ist. Der eigene Wagen ist eben ein ganz emotionales Thema. Autofahrer besitzen ihr mobiles Kraftwerk und stehen radikalen Änderungen an demselben womöglich nicht besonders offen gegenüber.

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